Video: Bergführer attackiert Alpinisten am Großglockner
- Streit mit Bergführer eskalierte auf rund 3.000 Metern
- „Halt dein Maul“: Bergführer drohte Alpinisten
- Polizei ermittelt nach Vorfall am Großglockner
- Bergsteiger veröffentlicht Video
- Kalser Bergführer beendeten Zusammenarbeit
- Bergführerverband prüft weitere Konsequenzen
Ein heftiger Streit zwischen einem Bergführer und einem polnischen Alpinisten am Großglockner sorgt für Aufregung. Auf dem Mürztaler Steig ist eine Auseinandersetzung an einer engen und ausgesetzten Stelle eskaliert. Ein Video zeigt, wie der Bergführer den Mann zunächst bedroht und anschließend körperlich angeht. Mittlerweile ermittelt die Polizei.
Streit mit Bergführer eskalierte auf rund 3.000 Metern
Der Vorfall ereignete sich am 22. August auf dem Mürztaler Steig in Richtung Erzherzog-Johann-Hütte. Ein polnischer Bergsteiger war dort gemeinsam mit seiner Begleiterin unterwegs. Nach seiner Darstellung wartete er an einer ausgesetzten Passage bewusst, um der Frau ausreichend Abstand zu geben.
Zur gleichen Zeit wollte ein Bergführer mit seiner Seilschaft überholen. An der engen Stelle kam es zunächst zu einem Wortwechsel. Der Pole kritisierte das Überholmanöver, worauf die Situation zunehmend eskalierte.
„Halt dein Maul“: Bergführer drohte Alpinisten
Auf dem später veröffentlichten Video war zu hören, wie der Bergführer den Polen beschimpfte. „Halt dein Maul, sonst komm i rauf und gib dir eine!“, rief er ihm zu.
Bei der verbalen Drohung blieb es nicht. Der Bergführer, der sich bereits weiterbewegt hatte, kehrte zum polnischen Alpinisten zurück. Die Aufnahmen zeigten, wie die Auseinandersetzung körperlich wurde. Das alles passierte in einer schmalen und ausgesetzten Passage in rund 3.000 Metern Höhe.
Die Begleiterin des Polen versuchte, die Situation zu beruhigen. Schließlich setzte der Bergführer seinen Weg fort.
Polizei ermittelt nach Vorfall am Großglockner
Der Zwischenfall beschäftigt inzwischen auch die Behörden. Nach einer Anzeige hat die Polizei Matrei in Osttirol Ermittlungen wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit aufgenommen.
Bergsteiger veröffentlicht Video
Der polnische Bergsteiger veröffentlichte die Aufnahmen auf Instagram und übte deutliche Kritik am Verhalten des Bergführers. Menschen in diesem Beruf hätten eine besondere Vorbildfunktion. „Arrogantes, aggressives und unüberlegtes Verhalten ist genau das Gegenteil von dem, was man von jemandem in einem derart verantwortungsvollen Beruf erwarten würde“, schrieb er. „Die Berge sind für alle da – unabhängig von Erfahrung, Können oder Tempo.“
Kalser Bergführer beendeten Zusammenarbeit
Für den beteiligten Bergführer hatte der Zwischenfall mittlerweile Konsequenzen. Der Mann war zwar kein Mitglied des Kalser Berg- und Skiführervereins, die betreffende Tour war jedoch über das dortige Bergführerbüro vermittelt worden.
Der Verein beendete nach Bekanntwerden des Vorfalls die Zusammenarbeit. „Das Verhalten war katastrophal und absolut inakzeptabel“, erklärt Vereinschef Michael Amraser. „Diesem Bergführer werden wir keinen Auftrag mehr vermitteln.“
Die Kalser Bergführer nahmen nach eigenen Angaben zudem Kontakt mit dem polnischen Alpinisten auf und entschuldigten sich für den Vorfall.
Bergführerverband prüft weitere Konsequenzen
Der Verband der Österreichischen Berg- und Skiführer distanzierte sich ebenfalls deutlich von den Szenen. Präsident Walter Zörer betont gleichzeitig, dass eine abschließende Beurteilung einzelner Videoausschnitte schwierig sei, solange nicht sämtliche Begleitumstände bekannt seien.
Grundsätzlich seien Überholmanöver am Großglockner laut Verband gelebte Praxis. Sie müssten allerdings abgestimmt und unter Einhaltung der Sicherheitsstandards erfolgen.
Nun soll der zuständige Landesverband den Fall aufarbeiten. Dabei stehen auch mögliche disziplinarrechtliche Maßnahmen gegen den Bergführer im Raum.