Belästigung beim Arztbesuch: Frauen teilen ihre Erfahrungen

Die Twitter-Userin „Joanalistin“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen Gehör zu verschaffen, die während eines Arztbesuchs schon einmal schlimme Erfahrungen gemacht haben. Die unzähligen Antworten unter dem Hashtag #frauenbeimarzt zeigen, welch verstörende Ereignisse sich in dieser Situation immer wieder abspielen. Die Erzählungen der Frauen reichen von herablassenden, sexistischen oder belächelnden Kommentaren bis hin zu physischen und gewaltsamen Übergriffen. 

Frauen berichten

Viele dieser furchtbaren Erlebnisse spielen sich beim Gynäkologen ab. Doch auch von Allgemeinmedizinern oder Zahnärzten werden Übergriffe beschrieben. Sexistische Sprüche über das Äußere oder falsche Diagnosen aufgrund von Verharmlosungen sind dabei keine Seltenheit. „Ich bin moppelig- unbestritten. Aber ich war schon etwas geknickt, als mir ein Arzt bei einer 2wöchigen Magen-Darm-Geschichte zu mir meinte: Das schadet nicht. Sie sind ja eine Frau, die in der Steinzeit gut über den Winter gekommen wäre“, schreibt beispielsweise eine Userin. Eine andere berichtet davon, bei einer Darmspiegelung gesagt bekommen zu haben, dass sie „außen wie innen schön sei". Und auch die Aufforderung sich obenrum auszuziehen, obwohl das für die Untersuchung offenkundig nicht notwendig ist, hörten unzählige Frauen beim Arzt.

Promis sind keine Ausnahme

Auch Schauspielerin Verena Altenberger ist dabei keine Ausnahme. Sie erzählt von einem Arztbesuch, bei dem sie ihr T-Shirt nicht ausziehen wollte, weil sie keinen BH trug und der Arzt sie daraufhin nicht behandeln wollte. „And don't get me started mit gefühlt 100 Sprüchen zum Würgereflex  in den letzten 2 Jahren bei Corona Tests“, fügt sie hinzu. 

Tabu-Thema

Besonders erschreckend ist, wie viele Frauen von Gewalt bei der Geburt erzählen. Sie hätten trotz ausdrücklichen Wunsch keine PDA bekommen, wären ohne Vorwarnung geschnitten worden oder hätten sich herablassende Kommentare über Verhütung anhören müssen. Besonders bei Schwangerschaftsabbrüchen oder Fehlgeburten würde mit den Frauen oft unglaublich empathielos und grob umgegangen, wie viele erzählen.

Was man tun kann

Dass Frauen ihre Geschichten teilen, ist ein wichtiges Mittel, um auf diese Thematik aufmerksam zu machen. Betroffenen erfahren, dass sie nicht die einzigen sind, und dass solche Übergriffe auf keinen Fall einfach ignoriert werden sollten. Grundsätzlich sollte bei Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt der erste Weg zur Polizei führen. Es ist jedoch auch sinnvoll, unangenehme Kommentare oder Belästigungen Anlaufstellen wie beispielsweise der Wiener Pflege-, Patientinnen- und Patientenanwaltschaft (WPPA) zu melden. Hier werden Betroffene juristisch beraten und können sich über mögliche strafrechtloche Schritte informieren. Zudem kann sich die WPPA an die Ärztekammer wenden, um Schritte gegen den betroffenen Arzt einzuleiten.

Autor: Teresa Frank, 20.01.2022