Geheimnis um Anne Frank gelüftet

Wer hat Anne Frank verraten? Ein neues Dokument liefert Hinweise.
Autor: Stefanie Hermann, 18.01.2022 um 07:39 Uhr

Sie ist bis heute einer der berühmtesten Teenager aller Zeiten. Die Geschichte der Anne Frank steht als Sinnbild für die Gräueltaten der Nazis. Als Fünfzehnjährige versteckt sich die junge Deutsche mit ihrer Familie in einem Hinterhaus in Amsterdam. Über ihre Zeit im Verborgenen führt sie Tagebuch. 1944 wird die Familie entdeckt und deportiert. Anne und ihre Schwester werden 1945 im Konzentrationslager Bergen Belsen ermordet, ihre Mutter Edith in Auschwitz. Einziger Überlebender ist Vater Otto. Nach Kriegsende veröffentlicht er das Tagebuch seiner Tochter. Wer ihren Aufenthaltsort an die Nazis verraten hat, war bis heute nicht klar.

Eigenes Leben retten

Bis heute war nicht klar, wer die Fünfzehnjährige verraten hatte. Ein Cold-Case-Team hat jetzt neue Spuren entdeckt. Ein Dokument gibt Hinweise darauf, dass ein jüdischer Notar, den Aufenthaltsort verraten hat. Mit dem Verrat habe Arnold van den Bergh aller Wahrscheinlichkeit nach das Leben seiner eigenen Familie retten wollen. Das fand das Team rund um den ehemaligen FBI-Agenten Vince Pankoke im Laufe der sechsjährigen Untersuchung heraus. Der Verdacht stützt sich auf einen anonymen Brief, den Otto Frank nach Kriegsende erhalten hatte. Darin taucht der Name Van den Berghs auf.

Mitglied des Judenrats

Der Notar gehörte vermutlich dem Judenrat in Amsterdam an. Seine Gründung wurde von der deutschen Besatzung erzwungen. Seine Aufgabe war es, die Deportationen zu organisieren. In seiner Funktion gelang es Van der Bergh zunächst seine eigene Familie zu schützen. Als die Luft immer dünner wird, dürfte er das Versteck der Franks verraten haben, um seine eigene Frau und Kinder zu schützen. Vater Frank dürfte den Brief bereits 1964 bei einer polizeilichen Befragung erwähnt haben. Erst jetzt konnte Pankokes Team eine Kopie in einem Archiv finden.