Alle sind krank: Jetzt gehen noch die Medikamente aus

Die Kinderstationen der Krankenhäuser sind überfüllt, die Ordinationen gehen über und jetzt sind noch Antibiotika Mangelware.
Autor: Brigitte Biedermann, 19.12.2022 um 13:12 Uhr

Gefühlt sind jetzt gerade fast alle krank: Ob Erkältung, Influenza, Bronchitis, Angina oder Corona: Halb Österreich liegt derzeit flach. Auch die Krankenhäuser sind am Anschlag, dort tobt nicht nur das RS-Virus auf den Kinderstationen, auch Operationen müssen wegen der vielen Krankenstände im Personalbereich verschoben werden.

Lieferengpässe bei Antibiotika

Und in dieser Zeit werden auch noch die Medikamente knapp. Die Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer, Ulrike Mursch-Edlmayr, bestätigt dies: "Wir stehen zurzeit in Österreich bei circa 500 nicht lieferbaren Produkten." Derzeit gebe es Engpässe bei bestimmten Antibiotika und Schmerzmitteln. Laut Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) sind derzeit 72 Prozent der Antibiotika mit Penicillin (Wirkstoff Amoxicillin/Cavulansäure) von Liefereinschränkungen betroffen. 

Das sind die Gründe für den Engpass

Schuld sind mehrere Faktoren: Einerseits natürlich die hohe Nachfrage, weil derzeit besonders viele Menschen genau diese Medikamente brauchen. Dann die Produktionsausfälle durch die Lockdowns in China, die Mehrheit der Produktionsstandorte der Pharmariesen befinden sich in China und Indien. Indien verhängte zum Beispiel im Jahr 2020 wegen Corona eine Exportsperre für bestimmte Medikamente – die Folge war ein Paracetamol-Engpass in Europa. 

Forderung nach einem Notfalllager

Der Pharmagroßhandel fordert deshalb seit Beginn der Pandemie ein Notfalllager für Medikamente in Österreich. Es solle "vielleicht 200 Produkte, die man nicht gut austauschen kann", umfassen, sagt Pharma-Großhandelsvertreter Andreas Windischbauer.

Eigenes Antibiotika-Werk in Europa

Dass EU-weit nur noch ein einziges Penicillin-Werk besteht, jenes der Novartis-Tochter Sandoz in Kundl in Tirol, sorgte schon in der Pandemie für Schlagzeilen. Seither hat sich an der Lage nichts geändert. Im Jahr 2024 soll in Kundl ein weiteres Antibiotikawerk eröffnet werden.

Tauschbörse für Medikamente

Auch in Deutschland herrscht ähnliche Knappheit. Dort fordert jetzt der Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt jetzt die Bevölkerung dazu auf Medikamente zu tauschen. „Wir brauchen so was wie Flohmärkte für Medikamente in der Nachbarschaft“, sagt Reinhardt. Und: „Jetzt hilft nur Solidarität. Wer gesund ist, muss vorrätige Arznei an Kranke abgeben.“