AK fordert Ende: So viele Überstunden blieben 2025 unbezahlt
Österreichs Arbeitnehmer verbringen im europäischen Vergleich viel Zeit im Job. Gleichzeitig werden jedes Jahr Millionen zusätzlicher Arbeitsstunden nicht abgegolten. Im Jahr 2025 blieben 45,9 Millionen Mehr- und Überstunden unbezahlt und wurden auch nicht durch Zeitausgleich ausgeglichen. Laut Arbeiterkammer und ÖGB entgingen den Beschäftigten dadurch rund 2,5 Milliarden Euro brutto. Nun wird erneut über eine Verkürzung der Arbeitszeit diskutiert.
45,9 Millionen Stunden ohne Abgeltung
Insgesamt leisteten Beschäftigte in Österreich 2025 rund 170 Millionen Mehr- und Überstunden. Fast 46 Millionen davon wurden laut einer Auswertung von Statistik-Austria-Daten weder bezahlt noch durch Freizeit ausgeglichen.
Damit arbeiteten Beschäftigte im Vorjahr Arbeitsstunden im Wert von rund 2,5 Milliarden Euro ohne entsprechende Abgeltung. Die Arbeiterkammer fordert deshalb strengere Kontrollen und Maßnahmen gegen nicht bezahlte Mehrarbeit.
Auch die reguläre Arbeitszeit ist im europäischen Vergleich hoch. Vollzeitbeschäftigte kommen laut den von AK und ÖGB herangezogenen Daten auf durchschnittlich rund 40,7 Stunden pro Woche und liegen damit im EU-Spitzenfeld.
Lange Arbeitstage erhöhen Gesundheitsrisiken
Das aktuelle Magazin „Gesunde Arbeit“ von AK und ÖGB widmet sich auch den gesundheitlichen Folgen langer und ungünstig gelegener Arbeitszeiten. Demnach nehmen Aufmerksamkeit und Konzentration bereits nach der achten Arbeitsstunde ab.
Nach zwölf Stunden soll das Verletzungsrisiko im Vergleich zur achten Stunde beinahe dreimal so hoch sein. Beschäftigte, die mehr als 64 Stunden pro Woche arbeiten, weisen den angeführten Studien zufolge ein um 88 Prozent höheres Unfallrisiko auf als Menschen mit höchstens 40 Wochenstunden.
Auch Nachtarbeit gilt als Belastungsfaktor. Das Unfallrisiko liegt in Nachtschichten laut den zusammengefassten Daten um 36 Prozent höher als in Frühschichten. Gleichzeitig gaben 65 Prozent der Beschäftigten an, innerhalb eines halben Jahres zumindest einmal trotz Krankheit gearbeitet zu haben.
Viele wünschen sich kürzere Arbeitszeiten
Die Arbeiterkammer sieht deshalb Reformbedarf. AK-Präsidentin Renate Anderl hält die gesetzliche 40-Stunden-Normalarbeitszeit angesichts der gestiegenen Produktivität nicht mehr für zeitgemäß.
Im Magazin wird zudem auf Befragungen verwiesen, wonach sich ein großer Teil der Arbeitnehmer kürzere Arbeitszeiten wünscht. Für die AK geht es dabei nicht nur um weniger Stunden, sondern auch um planbare Dienste, ausreichend Pausen und eine klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit.
30-Stunden-Woche funktioniert bereits
Dass kürzere Arbeitszeiten in der Praxis funktionieren können, zeigen mehrere Unternehmen. Die oberösterreichische Online-Marketing-Agentur eMagnetix reduzierte ihre Vollzeitarbeitszeit beispielsweise auf 30 Stunden bei vollem Lohnausgleich.
Eine wissenschaftliche Begleitung zeigte positive Auswirkungen auf Zufriedenheit, Gesundheit und Work-Life-Balance. Mehr als 90 Prozent der Befragten waren auch Jahre nach der Umstellung zufriedener mit ihrer Arbeitszeit.
Auch bei Octapharma in Wien wurde für Teile des Schichtpersonals ein neues Modell eingeführt. Dort wurde die Wochenarbeitszeit von 38 auf 33,6 Stunden reduziert und die Arbeitsorganisation neu gestaltet.
Das fordern AK und ÖGB
AK und ÖGB sprechen sich für eine Verkürzung der gesetzlichen Normalarbeitszeit bei vollem Lohn- und Personalausgleich aus. Gefordert werden außerdem Pilotprojekte für eine Vier-Tage-Woche und bessere Kontrollen der Arbeitszeitbestimmungen.
Auch die Regeln rund um den Zwölf-Stunden-Tag sollen nach Vorstellung der Arbeitnehmervertretungen wieder verschärft werden. Für Teilzeitkräfte fordert die AK zudem bessere Rahmenbedingungen und eine faire Abgeltung zusätzlicher Arbeitsstunden.