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DO & CO Gründer Attila Dogudan in der Konzernzentrale im Wiener Haas-Haus am Stephansplatz.
Blick über Wien: DO & CO Gründer und Vorstandsvorsitzender Attila Dogudan in der Konzernzentrale im Haas-Haus am Stephansplatz.
Blick über Wien: DO & CO Gründer und Vorstandsvorsitzender Attila Dogudan in der Konzernzentrale im Haas-Haus am Stephansplatz.
APA-Images / KURIER / Franz Gruber

Wer ist der „CO“ von DO? Die Erfolgsstory von Attila Dogudan

25.09.2026 um 14:02, Klaus Schobesberger
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Attila Dogudan machte aus einem Familienbetrieb einen Milliardenkonzern. Das Geheimnis? Seine Lebensfreundschaft zu einem nörgelnden Stammgast namens Niki Lauda

Der Herr mit der roten Schirmkappe hatte wenig Geduld für Mittelmaß. Wenn ihn etwas störte, sprach er es schnörkellos an. Ruhig und sachlich, aber bohrend. Und bestenfalls Mittelmaß war es, was da in den 1980er  Jahren lauwarm auf den Tabletts von Flugzeugpassagieren vor sich hin waberte. Doch das ­wollte Herr  Niki, Nachname Lauda, ganz einfach nicht akzeptieren. Zumal er da wen kannte, dem er zutraute, das zu ändern: ­Attila ­Dogudan, Wiener Gastronom, Betreiber eines Delikatessengeschäfts, Sohn einer Wiener Mutter und eines türkischen Restaurantbesitzers. „Kann man Essen wie bei Dir auch im Flieger servieren?“, fragte Lauda. „Ja“, sagte Dogudan. Ohne noch so recht zu wissen, worauf er sich da einließ. Und wie das Jawort seine ganz persönliche Wirtschaftswelt verändern würde. Denn im Grunde war er bereits von diesem Tag an mit an Bord.
 

Take-off mit Lauda Air: Die Geburtsstunde des Premium-Caterings

1987 hob eine Lauda-­Maschine Richtung Rhodos ab, erstmals mit Catering von DO & CO. In der Unternehmensgeschichte gilt dieser Flug als Take-off für das Airline-Catering. ­Dogudan flog nach eigener Darstellung zunächst selbst mit der Lauda Air mit. Über Wochen hinweg. Nicht um Meilen zu sammeln, sondern Erfahrung: Wie werden Speisen geladen, wo geht Qualität verloren, warum sind Wiener Schnitzel in 10.000 Meter Höhe wirklich kilometerweit vom bodenständigen Original entfernt. Warum …? – Die Antworten auf all diese Fragen verschmolzen zur Kernkompetenz von DO & CO. Und wie! Im Geschäftsjahr 2025/26 erzielte der Konzern knapp 2,46 Milliarden Euro Umsatz. Das Airline Catering brachte 1,95 Milliarden Euro und damit 79,2 Prozent des Konzernumsatzes. International Event Catering kam auf 323 Millionen Euro, Restaurants, ­Lounges und Hotels lagen bei 188  Millio­nen Euro. Die Gruppe operiert an 32  Standorten in zwölf Ländern auf drei Kontinenten, hat 16.000  Beschäftigte.
 

Sohn Mark im Vorstand: DO & CO als starkes Familienunternehmen

Kein Zweifel, DO & CO ist ­heute ein Big Player am Kapitalmarkt und im Kern doch so was wie ein traditioneller Familienbetrieb: Die Attila Dogudan Privatstiftung hält 30 Prozent, der Rest ist Streubesitz. Attila Dogudan ist CEO, sein Sohn ­Attila Mark (41) sitzt als Chief Commercial Officer im Vorstand, auch Sohn Marius (39)spielt operativ eine immer wichtigere Rolle. Selbst kochen kann der Groß-Gastronom zwar nicht, aber dafür unermüdlich kosten und testen und immer alles in Frage stellen. Als „kritischsten Gaumen des Unternehmens“ bezeichnete sich Dogudan einmal selbst. Ein Stammgast und Wirt, ein Gourmet und Controller in Personalunion, der auch vor der süßen Patina altösterreichischer Institutionen nicht haltmachte: Lange nachdem Udo Proksch die Lucona versenkt hatte und der schräge Mythos seiner K. u. K. Hofzuckerbäckerei Demel langsam zu inflationieren drohte, übernahm sie Dogudan von der Raiffeisen Holding, konsolidierte, expandierte und kochte die alte Hütte zum, wie er sagt, „Louis Vuitton der Schokolade“ hoch. Und weil absolute Luxusmarken gerne so eng zusammenrücken wie ihre Flagship-Stores am ­Wiener Kohlmarkt, hat Dogudan laut „trend“ eine ambitionierte Marschroute: „Ich würde mir wünschen, dass DO & CO in der Hospitality von Wien bis Hollywood irgendwann einmal das ist, was Hermès in der Mode darstellt.“ 

 

Wir befinden uns unentwegt in einem Wettbewerb in der Welt. Wenn man fleißiger, schneller, innovativer ist, hat man größere ­Chancen zu wachsen, als wenn man das Vorhandene nur verteidigen will.

Attila DoGudan, CEO von Do & Co, kritisiert die Einstellung in Europa in der „ZIB 2“ und prognostiziert ohne neues Mindset den wirtschaftlichen Verfall.

 

Vom Haas-Haus in die Formel 1: Der Aufstieg zur Weltklasse

„Kompromisslos.“ – So beschreiben die Söhne diesen ungekrönten König Attila in einem „Kurier“-Beitrag. Aber von wem hat er das bloß? Wer war dieser Do vor dem Co? Blenden wir ganz an den Anfang zurück: ­Attila Dogudan wurde 1959 in ­Istanbul geboren und übersiedelte mit zehn Jahren nach Wien. Sein Vater betrieb die „Kervan­saray Hummerbar“, eines der ersten Wiener Nobelrestaurants, eine Art „­Fabios“ der frühen Siebzigerjahre. Gastronomie war für Dogudan daher von Beginn an schon viel mehr als Küche: Es ging um Service, Auftreten, Verlässlichkeit, ein wenig Glam als spezielle Würze. „Hospitality starts long before the guest is served“, heißt es etwa im „DO & CO Sustainability Report 2024/25“. Der spätere Gastgeber begann nach der Matura, Handelswissenschaften zu studieren, brach das Studium aber ab. 1981 eröffnete er ein Delikatessen­geschäft mit Restaurant in der Wiener City, 1983 folgte der Party­service. Dann kam eines Tages der Herr mit der roten ­Schirmkappe reingeschneit, nörgelte über die kaugummizähen Fresspakete im Flieger – und brachte 1987 seine Lauda Air mit einer Großbestellung mit zum Wirt’n. 1990 eröffnete DO & CO im Haas-Haus am Wiener Stephansplatz, eine der symbolträchtigsten Adressen Österreichs. 1992 folgte der Einstieg in die Sportwelt, genauer gesagt in die Formel  1. 1998 ging das Unternehmen dann an die Börse, zunächst in Wien, später in Istanbul, immer durch die Wolken: Wirtschaftlich betrachtet ist und bleibt das Flugzeug der wichtigste Ort des Konzerns, strategisch sind aber dennoch die Restaurants und Lounges zentral: Hier entstehen Menüs und Service-Ideen, die später im großen Maßstab umgesetzt werden. „Creative Centerpiece“ nennen sich diese kulinarischen Airports in den Konzernunterlagen. Hier wird gekocht, experimentiert, perfektioniert, an Bord wird dann, wie man das neudeutsch formuliert, skaliert. Präzise Dramaturgie, einprägsamer Effekt, null Zufall. Als „leading premium airline caterer“ beschreibt DO & CO seinen aktuellen Business-Status. „Wir verkaufen Unterhaltung, nicht nur gegrillte Hühnerbrust“, sagt der Boss.
 

Ein Catering-Lkw von DO & CO angedockt an der Air Force One auf dem Flughafen in Ankara für die geheime Evakuierung von Donald Trump.
Wegen akuter Morddrohungen aus dem Iran wurde US-Präsident Donald Trump in einem DO & CO Catering-Container heimlich aus der Air Force One geschleust.

Die Lauda-Dialektik: Es gibt nur Qualität – oder keine Qualität


Ja, Laudas First-Class-Promi-­Faktor als dreifacher ­Weltmeister, erster privater Airliner und Natio­naldenkmal schnellen ­Autofahrens war für Dogudan wichtig, aber nicht nur wegen des rein äußerlichen Glams und des gemeinsamen Faibles für Ibiza. Sondern weil der Perfektionist vom Dienst Dogudan vertraute – denn das war die beste Visitenkarte, um in einer umkämpften Branche erst so richtig durchzustarten. Erst nach Laudas Tod im Jahr 2019 wurde sichtbar, dass die Verbindung zwischen Dogudan und ihm nicht nur in einem anfänglichen Auftrag und einer Geschäfts­idee bestand. In einem Ö3-Interview erinnert sich der Caterer an seinen letzten Kontakt zu Lauda und sagte den Satz: „Ich werde seine Telefonnummer nie löschen.“ Das ist bemerkenswert für zwei so betont unsentimentale, ultrapragmatische Menschen. Dogudan sprach sogar von „Seelen­verwandtschaft“ – mit stark ausgeprägtem Nutzwert, das sei hier ergänzend erwähnt. „Wir haben viel Zeit miteinander verbracht, gemeinsam Visionen entwickelt und umgesetzt“, ­erzählte Attila ­Dogudan auf Ö3. Von ­Lauda habe er etwa gelernt, dass es „nur gut und nicht gut“ gebe. Dass ein typisch österreichisches Dahinwurschteln – immer gerade noch auf Reiseflughöhe, aber mit fatalistischem Blick in die Tiefe – ­höchste Absturz­gefahr bedeutet. Auf DO & CO umgelegt bedeutet die Lauda’sche Dialektik: „Es gibt nur Qualität – oder keine ­Qualität.“ Attila ­Dogudan hat aus gutem Essen ein Weltgeschäft gemacht.

Historische Aufnahme von DO & CO Gründer Attila Dogudan und dem legendären Formel-1-Piloten Niki Lauda als Geschäftspartner.
Erfolgsrezept einer Freundschaft: DO & CO Gründer Attila Dogudan mit seinem langjährigen Geschäftspartner und Wegbegleiter Niki Lauda (†70).

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