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Porträt von FH-Prof. Dr. Georg Jungwirth, Wirtschaftsprofessor und Experte für Hidden Champions.
Experte für den Mittelstand: FH-Prof. Dr. Georg Jungwirth erforscht die Erfolgsgeheimnisse der österreichischen „Hidden Champions“.
Experte für den Mittelstand: FH-Prof. Dr. Georg Jungwirth erforscht die Erfolgsgeheimnisse der österreichischen „Hidden Champions“.
FH Campus 02

Expertentalk: Warum Hidden Champions extrem krisenfest sind

25.09.2026 um 13:31, Klaus Schobesberger
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FH-Prof. Georg Jungwirth (FH CAMPUS 02) kennt Österreichs Hidden Champions wie kein Zweiter. Was die heimischen Marktführer auszeichnet und krisenfest macht.

CHEFINFO: Was genau ist ein Hidden Champion bzw. wie wird der Begriff exakt eingegrenzt?
Georg Jungwirth: Die klassische Definition stammt vom Deutschen Hermann Simon. Gemeint sind Unternehmen, die Nummer eins, zwei oder drei am Weltmarkt sind oder Nummer eins auf ihrem Kontinent – gleichzeitig aber in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt sind. Fast alle sind im B2B-Geschäft tätig, wo es – anders als bei Konsumgütern – kaum Marktforschung gibt. Oft wissen die Betriebe selbst nicht ganz genau, wo sie stehen. Sie wissen nur: Wir sind Weltspitze. Wichtig ist auch, dass die Firmenzentrale im jeweiligen Land sitzt – eine Tochterfirma eines US-Konzerns zählt nicht. Bei der Umsatzgrenze sind wir von Simons Werten abgewichen: Er nannte zunächst drei, später sogar fünf Milliarden Euro als Obergrenze für den Mittelstand. Das mag für Deutschland gelten, bei uns haben wir die Grenze mit 300 Millionen Euro angesetzt.

Forschung, Qualität & Familienstruktur: Die Erfolgsformel der Weltmarktführer

Gibt es bei so unterschiedlichen Branchen überhaupt gemeinsame Muster?
Das interessiert uns wissenschaftlich natürlich besonders. Die drei ­größten Branchen sind Maschinenbau, Metallverarbeitung und Elektronik, im Schnitt mit rund 80 Millionen Euro Umsatz und 400 Mitarbeitern – wobei die Geschäftsführung oft jeden einzelnen Mitarbeiter noch persönlich kennt. Mehr als zwei Drittel, rund 70  Prozent, davon sind Familienbetriebe. Der mit Abstand wichtigste Erfolgsfaktor, den über 90  Prozent nennen, ist die überlegene Produktqualität – auch der Grund, warum sie sich vom Hochlohnstandort aus behaupten können. Alle unsere Hidden ­Champions haben überdurchschnittliche Forschungsinvestitionen: Im Schnitt liegen diese bei 9,7 Prozent des Umsatzes, in manchen Fällen sogar bei 20 Prozent. Dazu kommt eine ­klare Fokussierung auf Marktnischen statt Massenmärkte, sehr schmale, aber ­tiefe Produktport­folios. Und schließlich gibt es die Vorteile vor allem familiengeführter Strukturen: langfristiges Denken in Generationen statt in Quartalen, niedrigere Personalfluktuation, niedrigere Krankenstände und oft über Generatio­nen gewachsene Kundenbeziehungen.


 

Alle unsere Hidden Champions haben ­überdurchschnittliche ­Forschungsinvestitionen: Im Schnitt liegen diese bei 9,7 Prozent des Umsatzes, in manchen Fällen sogar bei 20 Prozent.

Georg Jungwirth FH-Professor und „Hidden Champion“-Experte

 

Hohe Eigenkapitalquote: Warum Nischen-Marktführer so resilient sind

Weniger Krankenstände, weniger Fluktuation, mehr Krisenfestigkeit. Warum sind Hidden Champions so resilient?
Bei der Finanzkrise 2008/09 erwiesen sich 93 Prozent als extrem krisenfest – nicht alle, aber die meisten kamen deutlich leichter durch, weil sie hervorragende Kennzahlen aufweisen: eine durchschnittliche ­Umsatzrendite von rund 10  Prozent und eine sehr ­satte Eigenkapitalquote von 42  Prozent, wovon die meisten anderen Betriebe nur träumen können. Auch aktuell, etwa in der Automobilkrise, spüren Zulieferer wie Remus (Anm. Sportauspuffe) oder Pollmann (Anm. Schiebedach-­Kinematik) die Auswirkungen der ­verschlafenen Transformation in der EU natürlich – aber als Marktführer tut man sich leichter, solche Phasen durchzutauchen, und viele erleben gerade sogar die besten Jahre ihrer Firmengeschichte.

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