Remote Leadership: Verbindungsprobleme?

Homeoffice funktioniert. Das hat das vergangene Jahr bewiesen. Aber immer mehr rückt ein weiterer Aspekt in den Vordergrund: Ganz so viel Homeoffice wollten wir dann doch auch wieder nicht. Viele klagen über Isolation und fehlende persönliche Kontakte. Dabei wirkt sich aber die Arbeitszufriedenheit positiv auf die Innovationskraft einer Firma aus. Nimmt sie ab, sinkt auch die Kreativität – gerade in der aktuellen Krise keine ideale Voraussetzung. Für Führungskräfte, die sich um das psychische und physische Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter kümmern wollen, ist es gar nicht so leicht, diese Distanz zu überwinden.

Was sind die Nachteile von Homeoffice?

„Wenn man die Personen vor Ort hat, dann sieht man sie, man sieht ihr Verhalten, ihren Ausdruck etc. Man hat ganz viele subtile Hinweise, aus denen man schließen kann, wie es einer Person geht. Das machen wir alle automatisch unbewusst. Aber diese ganzen subtilen Hinweise fallen durch Remote Work weg“, erklärt Barbara Stiglbauer, Head of Research beim oberösterreichischen Start­up TeamEcho, eine Herausforderung der Distanzarbeit. Die gute Nachricht: Die Segnungen der Digitalisierung ermöglichen nicht nur Arbeiten aus der Ferne, sondern sie können uns auch im zwischenmenschlichen Bereich unterstützen.

Wie kann man auf Distanz die Stimmung im Team erfassen?

TeamEcho ist genau so ein digitales Tool: Es hilft Führungskräften dabei, die all­gemeine Stimmung im Team zu erfassen und auf auftretende Probleme zu reagieren. Mit der Befragungs-Software können bestimmte Aspekte des Betriebsklimas und der Unternehmenskultur systematisch und anonymisiert abgefragt werden. „Persönliche Gespräche sind oft nicht so systematisch. Da gehen wichtige Informationen verloren, die negative Konsequenzen haben können – von vermehrten Krankenstandstagen über Demotivation, innere Kündigung bis hin zur tatsächlichen Kündigung“, erklärt Co-Founder und CEO Markus Koblmüller.

Zitat Markus Koblmüller

Außerdem trauen sich viele Mitarbeiter dem Chef gegenüber nicht, Probleme direkt anzusprechen. Die anonymisierte Stimmungsabfrage über TeamEcho macht es leichter. Mittlerweile setzen mehr als 100 Organisationen auf das Tool. „Uns geht es einfach darum, Führungskräften ein Instrument an die Hand zu geben, mit dem sie Herausforderungen in der Organisation frühzeitig erkennen und meistern können, und damit ein Betriebsklima und eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der jeder sein volles Potenzial entfalten kann“, so Koblmüller.

Teamerlebnisse auf Distanz

Sogar für die fehlenden spontanen Treffen mit Kollegen in der Teeküche gibt es mittlerweile eine digitale Lösung. Der Softwareanbieter Slack hat zum Beispiel die App „Donut“ im Angebot – das Programm bringt zufällig ausgewählte Teammitglieder in einer virtuellen Kaffeepause zusammen. Und auch für andere Benefits, die im normalen Büroalltag das Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigern sollen, gibt es coronataugliche Lösungen. So bietet das Gesundheitsportal Health Rise seit kurzem „Healthcare Packages“ an, die im Auftrag von Firmen regelmäßig an die Mitarbeiter zu Hause im Homeoffice geschickt werden. Enthalten sind zum Beispiel Obst und Gemüsesäfte, Nahrungsergänzungsmittel und Vitamine, um die Beschäftigten fit und motiviert zu halten.

Wohlfühlen als Wettbewerbsfaktor

Denn im Endeffekt geht es vor allem darum, die Mitarbeiter im Homeoffice nicht allein zu lassen. Gerade jüngere Mitarbeiter, die noch nicht lange im Unternehmen sind und die anderen Kollegen bzw. unausgesprochene Regeln des Teams noch nicht so gut kennen, brauchen mehr Unterstützung durch Einzelgespräche.

Zitat Barbara Stiglbauer

Was sonst noch hilft: Empathie und Wertschätzung zeigen, Vertrautheit durch informellere Meetings herstellen, nach dem Befinden fragen und lieber einmal zu viel als zu wenig loben. Das gilt in Wahrheit aber schon längst nicht mehr nur für Krisen- und Corona-Zeiten, die Bedeutung von „weichen Faktoren“ wie Wohlbefinden, Wertschätzung und Unternehmens­kultur nimmt immer mehr zu. „Es wird in Zukunft nicht reichen, einfach nur einen Job zur Verfügung zu stellen“, stellt Barbara Stiglbauer fest. Denn wer sich um seine Mitarbeiter kümmert, hat im „War for Talents“ die Nase vorn.

Autor: Cordula Meindl, 14.05.2021