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Strommasten im diffusen Abendlicht | Credit: APG/Sonja Kadlec
Zu den wichtigsten APG-Projekten zählen die Salzburgleitung und der Ausbau im OÖ-Zentralraum, sowie die Erneuerung zahlreicher Bestandsleitungen, darunter die E
Zu den wichtigsten APG-Projekten zählen die Salzburgleitung und der Ausbau im OÖ-Zentralraum, sowie die Erneuerung zahlreicher Bestandsleitungen, darunter die E
APG/Sonja Kadlec

Nachhaltige Energiewende: Unternehmen unter Strom

13.06.2023 um 13:13, Rudolf Grüner
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Der Bedarf nach Erneuerbaren Energien steigt, die Strominfrastruktur muss jetzt geschaffen werden, sagen Experten. Den Betrieben kommt eine Schlüsselrolle zu.

Krisen, Krieg, Klima- und Technologiewandel beschleunigen das Ende des Erdölzeitalters. Gesellschaft und Wirtschaft werden zunehmend elektrifiziert – und zwar in elektrisierender Geschwindigkeit. Auch wenn alle Einsparungspotenziale miteingerechnet werden, wird sich der geforderte grüne Strombedarf laut Experten in den nächsten 13 Jahren verdoppeln. Die großen Versorger wie auch selbst produzierende Verbraucher stehen vor einer Mammutaufgabe: Unmittelbar gehe es darum, den österreichischen Gesamtverbrauch bis 2030 zu dekarbonisieren, sagt Gerhard Christiner, Technischer Vorstand der Austrian Power Grid AG.

Strombedarf verdoppelt sich

Dafür müssen in den nächsten sieben Jahren zusätzliche 27 TWh Strom aus Erneuerbaren Energien produziert werden. Um das nächste politische Ziel einer klimaneutralen Zukunft zu erreichen, sollen im Jahr 2040 jährlich rund 300 TWh aus nachhaltigen Quellen fließen. Und das störungsfrei.

Es gilt Anlagen stromund energiebetreffend zu digitalisieren, um zukünftig am Flexibilitätsmarkt ökonomisch agieren zu können.

Gerhard Christiner Technischer Vorstand, Austrian Power Grid AG
Gerhard Christiner disktuiert im Anzug | Credit: Ricardo Herrgott
Gerhard Christiner

"Schutzmantel" hält nicht mehr

Dafür brauche es neben dem Ausbau aller Potenziale aus Wasser, Wind und Sonne schnelle Investitionen in die Infrastruktur- Kapazitäten. Im Bereich der Netze, Großspeicher, Reserven, aber auch bei digitalen Plattformtechnologien, um v. a. Großverbrauchern ein (zeitlich) flexibles Stromverbrauchsmanagement einräumen zu können, fasst Christiner zusammen. Schon jetzt lasse sich eine stabile Stromversorgung nur mehr mit fast täglich hochfahrenden Gaskraftwerken garantieren. Ein thermisches "Notfall- Energie-Pflaster" für Lastspitzen, das Mehrkosten in Millionenhöhe verursacht, die jeder Netzkunde mitbezahlt – und sich kontraproduktiv auf die Energiewende auswirkt, betont der Experte. Auch weil der althergebrachte Strom-"Schutzmantel" die Einspeisung grüner Energie in wind- und sonnenintensiven Stunden massiv drosseln kann.

Doch über das "wie", "was", "wann" und "wo" der Planung, des Ausbaus und der Finanzierung des modernen Gesamtsystems wird ob des fehlenden politischen wie gesamtgesellschaftlichen Konsenses weiter zu viel Zeit verloren, wie Christiner moniert. Ein wichtiger Schritt sei der bereits gestartete Bau neuer Stromtrassen sowie von neuen Umspannwerken. Damit würden längst fällige "Autobahnauffahrten" für die Integration Erneuerbaren Energien in ausreichender Kapazität künftig verfügbar sein.

Nur mit einem Mix sämtlicher Technologien und der Bereitschaft aller Sektoren kann die Energiewende realisiert werden.

Martin Wagner Geschäftsführer, Verbund Energy4Business GmbH
Martin Wagner im blaunen Anzug und mit offenem Hemdkragen | Credit: Salquarda Martha
Martin Wagner

Unternehmen als Gamechanger

Von einem Gewaltakt spricht auch Martin Wagner, GF der Verbund Energy4Business GmbH, um die umfassende Elektrifizierung, den Einsatz von grünem Wasserstoff – für dessen Herstellung zusätzlich Mengen an Strom benötigt würden – sowie neue Prozesse, etwa in der Industrie, durchführen zu können. Dass immer mehr Unternehmen auf eigene Erzeugung aus Photovoltaik setzen, stimmt ihn positiv. "Jede weitere Photovoltaik auf einem Dach oder einer Freifläche; jeder Fuhrpark, der auf E-Autos umstellt und seine E-Ladeinfrastruktur mit Grünstrom aufbaut, bringt uns der Energiewende einen Schritt näher."

Photovotaik am Dach einer Industrieanlage in Oberösterreich bei Sonnenschein| Credit: Verbund
Photovotaik am Dach: die Industrie sprint auf den Strom-Zug auf.

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