"Wir werden immer besser"
Inhalt
- So tickt Österreich modisch
- Der Takko-Dreiklang: Mode, Qualität, Preis
- Warum Bedarfsartikel punkten
- Das plant Takko in Österreich
- Verantwortung heute und in Zukunft
Herr Carls, Sie verantworten die Ländergruppe Österreich, Schweiz und Ungarn. Wie unterscheiden sich diese Märkte, wenn es um Preis- und Modebewusstsein geht?
Carls: Wenn ich Österreich mit Ungarn vergleiche, ist der ungarische Markt noch viel preissensibler. Das liegt einfach daran, dass die Kaufkraft niedriger ist. In Ungarn ist das Durchschnittsgehalt nicht einmal halb so hoch wie in Österreich. Die Leute können sich schlicht weniger leisten. Trotzdem:
Auch die österreichischen Kunden sind sehr preisbewusst – und werden es meiner Einschätzung nach eher noch mehr.
So tickt Österreich modisch
Und bei der Mode?
Carls: Auch da gibt es Unterschiede. Schweiz, Österreich und Deutschland sind sich diesbezüglich näher. In Central East Europe, also auch Ungarn, dreht sich das etwas. Was wir dort zum Beispiel sehen: Herrenbekleidung läuft deutlich besser. In Österreich liegt der Anteil bei ungefähr 15 Prozent unseres Umsatzes. In Ungarn und generell in Osteuropa ist das anders: Dort machen wir rund 25 Prozent, also etwa ein Viertel, mit Herrenbekleidung.
Sind die Männer dort modischer?
Carls: Ich glaube, es ist eine Mischung aus Wettbewerb und modischer Orientierung. Aber ja: Wenn man nach Ungarn fährt, merkt man trotz geringerer Kaufkraft, dass bei Männern mehr Lust auf Mode und Aktualität da ist.
Der Takko-Dreiklang: Mode, Qualität, Preis
Takko ist als „Quality Fashion Discounter“ positioniert. Was heißt das überhaupt?
Carls: Er beschreibt sehr gut, was wir sein wollen: Wir bieten Mode und Qualität zu günstigen Preisen an, die sich jeder leisten kann. In diesem Versprechen stecken drei Elemente: Erstens Mode – nicht die allerneuesten Trends, aber tragbare Mode mit modischen Akzenten. Zweitens Qualität. Drittens günstiger Preis. Dieser Dreiklang ist entscheidend. Und wir glauben, dass diese Kombination im Fashion-Discount sehr eigenständig ist. Andere Discounter kommunizieren oft stark den Preis. Das ist völlig legitim, aber:
Wir wollen das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Wir sind nicht zwingend die billigsten, aber in der Kombination aus Mode, Qualität und Preis die besten.
Vergleichbar ist das mit Hofer oder Lidl oder auch Ikea: Der Preis wird erwartet, aber Qualität und Sortiment spielen genauso eine Rolle.
Wie entsteht diese Qualität – produzieren Sie selbst?
Carls: Unsere Designs entwickeln wir in-house und die Produktion erfolgt mithilfe langfristiger Partner und Lieferanten weltweit. Von dort kommen die Artikel über unsere Logistikzentren in die Filialen. Das Entscheidende ist: Wir bringen laufend neue Ware, saisonal gedacht, aber kontinuierlich. Und wir machen jedes Jahr Fortschritte bei der Damen-, Kinder- und Herren-Mode. Wir haben uns in den letzten Jahren erheblich verändert und werden kontinuierlich besser. Genau das soll stärker ankommen. Ich lade alle Takko-Nichtkunden ein, sich davon in einer unserer Filialen zu überzeugen.
Warum Bedarfsartikel punkten
Der Handel spürt derzeit starke Konsumzurückhaltung. Wie ist das bei Ihnen?
Carls: Kunden sind preissensibler geworden. Es ist schwieriger, noch ein zusätzliches Teil zu verkaufen. Impulskäufe nehmen ab, Kunden überlegen stärker: Brauche ich das wirklich? Das Geld sitzt weniger locker, das sieht man. Deshalb spielen Basics und Bedarfsartikel eine größere Rolle – auch strategisch. Wenn ein Kleidungsstück von Takko gut passt und der Preis stimmt, kommt der Kunde wieder.
Lässt sich diese Wiederkaufsrate messen?
Carls: Wir können einiges über die Takko Friends App tracken, Wir gehen davon aus, dass die durchschnittliche Besuchsfrequenz von Stammkunden bei etwa acht Wochen liegt. Europaweit haben wir über acht Millionen Takko-Friends-Kunden, über diese App läuft sehr viel Kommunikation. Den Umsatzanteil können wir gut messen – er liegt bei fast 50 Prozent.
Das plant Takko in Österreich
Takko will in Österreich weiter wachsen. Welche konkreten Pläne gibt es?
Carls: Wir sehen theoretisch ein Potenzial von bis zu 160 Filialen. Ausgehend vom heutigen Stand wären das rund 40 zusätzliche Standorte in einem Zeitraum von drei bis vier Jahren. Parallel modernisieren wir viele Filialen hin zu einem neuen, helleren, hochwertigerem Store-Konzept. Das ist organisatorisch anspruchsvoll, aber wichtig, weil es unsere Transformation sichtbar macht.
In welchem Zeitraum soll das passieren?
Carls: Unser Ziel ist etwa zehn Filialen pro Jahr. Wenn man das hochrechnet, reden wir über drei bis vier Jahre, um diese Größenordnung wirklich zu erreichen. Parallel modernisieren wir viele Filialen und stellen sie auf unser neues Konzept um.
Unser neuer Ladenbau ist moderner, heller, mit wärmeren Farben, hochwertiger in der Anmutung. Wir haben große, familienfreundliche Kabinen und oft auch Lounge-Bereiche davor, je nach Fläche. Es wird wohnlicher wirken.
Und die Standorte – bleibt es bei Fachmarktzentren?
Carls: Historisch sind in Österreich rund 80 Prozent unserer Filialen in Fachmarktzentren – das ist unsere DNA. Aber in den letzten Jahren haben wir diesen Pfad bewusst verlassen und uns breiter aufgestellt. Wir orientieren uns stärker Richtung Einkaufszentren, aber auch in Innenstädte.
Ist die Personalsuche dabei ein Thema?
Carls: Ja, das ist definitiv eine Herausforderung und sehr abhängig von der Location. Westen – Tirol, Vorarlberg, Tourismus, Nähe zur Schweizer Grenze – ist es oft schwieriger. In Wien ist es einfacher, auch in den ländlichen Bezirken.
Verantwortung heute und in Zukunft
Nachhaltigkeit ist heute ein Muss: Wie wichtig ist das Thema für Takko?
Carls: Sehr wichtig – und das nicht erst seit ein, zwei Jahren.
Wir verstehen Nachhaltigkeit als weit reichenden Prozess, berichten darüber und sind seit rund 15 Jahren in der Fair Wear Foundation, die sich um Arbeitsbedingungen in Lieferländern kümmert.
Wir arbeiten mit den meisten Lieferanten seit über zehn Jahren zusammen, teilweise noch länger, und haben eigene Teams in den Produktionsländern, die Lieferanten regelmäßig prüfen, auch unangekündigt.
Wenn wir in fünf Jahren wieder sprechen: Was soll dann erreicht sein?
Carls: Natürlich müssen wir als Wirtschaftsunternehmen unsere quantitativen Ziele erreichen: Wachstum, Filialnetz, Umsatz, Ergebnis, Marktanteil. Aber qualitativ wünsche ich mir vor allem, dass bei Kundinnen und Kunden stärker ankommt, wie sehr wir uns verändert haben. Das soll mehr Menschen bewusst werden. Und nicht zuletzt: Wir setzen weiter stark auf unsere Mitarbeiter.
Zufriedene, loyale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind unser wichtigstes Asset.
Zahlen & Fakten
Mit fast 2.000 Stores in ganz Europa erzielte Takko im Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro. Handelsprofi Marc Andreas Carls (Stationen u. a. Douglas, Tengelmann) verantwortet beim deutschen Unternehmen die Märkte Ungarn, Italien und Österreich. Sein Ziel: den Marktanteil in Österreich deutlich zu steigern.