Glücksspielreform: Harsche Kritik aus der Branche
Inhalt
- Blühender Schwarzmarkt
- Regulierte Angebote
- Österreich und die EU
- Kritik auch beim Automatenspiel
- Arbeitsplätze und Steuereinnahmen in Gefahr
- Reform verfehlt eigene Ziele
- Politischer Stand der Reform
Die geplante Glücksspielreform der Bundesregierung sorgt bereits vor ihrer Umsetzung für heftige Kritik aus der Branche. Besonders deutlich äußert sich Marion Racek: Der aktuelle Gesetzesentwurf des Finanzministeriums würde zentrale Probleme des österreichischen Glücksspielmarktes nicht lösen – sondern sogar verschärfen.
Der Gesetzesentwurf zementiert das Glücksspielmonopol der Casinos Austria.
Blühender Schwarzmarkt
Genau dieses Monopol sei jedoch ein wesentlicher Grund dafür, dass immer mehr österreichische Spieler auf internationale Online-Plattformen ausweichen. Laut Racek finde ein großer Teil des Online-Glücksspiels bereits außerhalb des regulierten Marktes statt.
Immer mehr Konsumenten in Österreich finden kein attraktives Spielangebot und werden deshalb in den internationalen Online-Schwarzmarkt gedrängt.
Regulierte Angebote
Dort gebe es weder Spielerschutz noch Steuerabgaben für Österreich. Aktuell würden nur rund 29 bis 37 Prozent der Spieler in legale Angebote kanalisiert. „In Mehr-Lizenz-Systemen können bis zu 90 Prozent der Spieler in regulierte Angebote gelenkt werden“, erklärt Racek.
Österreich und die EU
Besonders problematisch sei, dass Österreich mit seinem Monopolsystem inzwischen eine Ausnahme in Europa darstelle. „EU-weit gibt es nur noch in zwei Ländern ein Glücksspielmonopol: Polen und Österreich“, sagt Racek. Nach Einschätzung der Branche hat der illegale Online-Markt bereits enorme Ausmaße erreicht. „Der Online-Schwarzmarktanteil liegt heute schon bei bis zu 650 Millionen Euro Volumen“, so Racek. Sollte Österreich weiterhin am Monopol festhalten, könne dieser Anteil weiter stark steigen.
Durch das Festhalten am Monopolsystem wird der Schwarzmarkt in den kommenden zehn Jahren auf über 80 Prozent anwachsen und ein Volumen von bis zu 1,25 Milliarden Euro erreichen.
Damit verliere nicht nur der Staat an Kontrolle, sondern auch an Einnahmen. „Der Finanzminister würde damit auf rund 250 Millionen Euro Steuereinnahmen pro Jahr verzichten“, sagt Racek.
Kritik auch beim Automatenspiel
Neben dem Online-Markt sieht Racek auch Probleme bei den geplanten Änderungen im Bereich der sogenannten Landesausspielungen – also beim Automatenspiel außerhalb von Casinos, das von den Bundesländern reguliert wird. „Das Automatenspiel der Bundesländer gilt international als Vorzeigebeispiel für Spielerschutz“, sagt Racek. Trotzdem sehe der Gesetzesentwurf neue Verschärfungen vor, die Betreiber faktisch dazu zwingen könnten, ihre Konzessionen zurückzugeben. „Diese Maßnahmen würden die Landesausspielungen zerstören“, warnt sie.
Arbeitsplätze und Steuereinnahmen in Gefahr
Ein mögliches Aus der Automaten außerhalb von Casinos hätte laut Racek auch wirtschaftliche Folgen. „Bund und Länder würden durch den Abgabenausfall einen Schaden von über 100 Millionen Euro pro Jahr erleiden“, sagt sie. Gleichzeitig könnten „rund 1.500 Arbeitsplätze verloren gehen“. Auch die Spieler würden davon nicht profitieren. „Die Konsumenten würden in illegale Angebote jenseits der Landesgrenzen gedrängt.“
Reform verfehlt eigene Ziele
Besonders kritisch sieht Racek, dass der Entwurf aus ihrer Sicht sogar den politischen Zielsetzungen widerspricht. Die Bundesregierung habe sich vorgenommen, den illegalen Glücksspielmarkt einzudämmen und gleichzeitig die Einnahmen aus Glücksspiel und Sportwetten deutlich zu erhöhen. „Diese Ziele werden mit dem vorliegenden Gesetzesentwurf verfehlt“, sagt Racek. „Es kommt sogar zu einer massiven Verschlechterung sowohl beim Spielerschutz als auch bei den Steuereinnahmen.“ Für sie steht daher fest:
Die Inhalte des Gesetzesentwurfes können nicht im Sinne des Spielerschutzes in Österreich, des Finanzministers und der Bundesländer sein.
Politischer Stand der Reform
- Der Gesetzesentwurf wurde vom Finanzministerium ausgearbeitet und befindet sich derzeit in der politischen Diskussion und Abstimmung innerhalb der Regierung sowie mit den Bundesländern.
- Ziel ist es, die Novelle des Glücksspielgesetzes im Laufe des Frühjahrs 2026 ins Parlament einzubringen.
- Nach parlamentarischer Behandlung könnte das Gesetz bis Ende des ersten Halbjahres 2026 beschlossen werden.
- Danach sollen die Glücksspiel-Lizenzen für die kommenden 15 Jahre neu vergeben werden, da mehrere Konzessionen 2027 auslaufen.
Die kommenden Monate gelten daher als entscheidend für die Zukunft des österreichischen Glücksspielmarktes.