Schlechtere Versorgung: Ärzte üben massive Kritik

Spitalärzte stellen der medizinischen Betreuung in Wiens Spitälern ein vernichtendes Urteil aus. Die Ärztekammer fordert die Politik zum Handeln auf.
Autor: Rudolf Grüner, 22.11.2022 um 13:00 Uhr

Die Qualität der Betreuung in den Spitälern nimmt dramatisch ab, fassen Ärztekammerpräsident Johannes Steinhart sowie der Obmann der Kurie angestellte Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, Stefan Ferenci, die Ergebnisse einer Studie unter 1. 894 Ärzten zusammen. Diese fühlen sich von der Stadtpolitik zunehmend im Stich gelassen.

Acht von zehn Ärzten sind sehr besorgt

84 Prozent der von Peter Hajek Public Opinion Strategies befragten Mediziner stimmen der Aussage zu, dass „die aktuellen Rahmenbedingungen im Spital zu einem anhaltenden und nachhaltigen Qualitätsverlust in der medizinischen Betreuung der Patientinnen und Patienten führen“. 82 Prozent der Befragten orten zudem mögliche Mängel in der medizinischen Ausbildung.

Engpässe bei der Versorgung von Patienten

78 Prozent der Ärztinnen und Ärzte sehen in ihrem beruflichen Alltag Engpässe bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten. Ebenfalls über 70 Prozent werfen der Wiener Stadtpolitik vor, nichts gegen die Probleme in den Wiener Spitälern zu unternehmen. Fast gleich viele (68 Prozent) meinen, dass Gesundheitsstadtrat Peter Hacker die Gefährdungsanzeigen ihrer Meinung nach nicht ernst genug nehme.

„Erste Ergebnisse aus der Umfrage zeigen, dass der Qualitätsverlust in den Wiener Spitälern, vor allem im Wiener Gesundheitsverbund, immens ist. Wir warnen seit Jahren vor Engpässen, jetzt liegt die dramatische Entwicklung schwarz auf weiß am Tisch, die Stadtregierung muss jetzt handeln, und zwar rasch und umfassend“, fordert Steinhart.

„Vernichtendes Urteil“

„Die Umfrage bestätigt leider unsere Vermutung, dass die aktuellen Rahmenbedingungen die Zukunft unserer Spitäler massiv gefährden. Die Ausbildungsqualität wird von den Kolleginnen und Kollegen teilweise vernichtend beurteilt, die Stadtpolitik schaut untätig zu, wenn man sich die Ergebnisse ansieht. Dass so gut wie alle Ärztinnen und Ärzte von einer nachhaltigen Verschlechterung der medizinischen Betreuung berichten, ist erschütternd und macht wütend“, so Ferenci.

Forderung: Politik muss endlich handeln

Es bringe nichts, die Augen vor den Problemen zu verschließen, ergänzt Ferenci. Er erwartet sich angesichts der vorliegenden Zahlen eine „realitätsbezogenere Kommunikation der Stadtverantwortlichen“. Die Stadt Wien und ihr Gesundheitsstadtrat seien gefordert, zu reagieren. „Es braucht jetzt ein offenes Benennen der Problemlagen sowie eine wirkliche Offensive für Wiens Spitäler. Ansonsten werden Wien, seine Spitäler und vor allem die Patientinnen und Patienten auf ganz düstere Zeiten zusteuern – was für alle Beteiligten fatal enden könnte“, warnen Steinhart und Ferenci unisono.