Lithium-Akkus: Brandgefahr im Restmüll
Inhalt
- Millionen landen im Restmüll
- Brände haben sich verfünffacht
- Feuerwehr warnt
- Massive Schäden und Versicherungsprobleme
- Kampagne „Her mit Leer II“
- Jeder Beitrag zählt
Anlässlich des „Tages der Batterie“ am 18. Februar luden die Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK), das Umweltministerium (BMLUK) und der Bundesfeuerwehrverband nach Inzersdorf. Auf dem Gelände der Saubermacher Dienstleistungs AG wurde in einem Live-Experiment demonstriert, welche zerstörerische Kraft in falsch entsorgten Lithium-Akkus steckt.
Im Fokus standen die Gefahren für Mensch und Umwelt, aber auch die enormen wirtschaftlichen Folgen für Entsorgungs- und Recyclingbetriebe.
Jede Bürgerin und jeder Bürger sollte dazu beitragen, dieses Risiko zu minimieren, indem Batterien und Akkus konsequent an den dafür vorgesehenen Sammelstellen abgegeben werden.
Millionen landen im Restmüll
Lithium-Akkus sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken: Sie stecken in Smartphones, Laptops, kabellosen Kopfhörern, elektrischen Zahnbürsten oder Einweg-E-Zigaretten. Doch genau diese leistungsstarken Energiespeicher bergen ein erhebliches Brandrisiko, wie seitens der Experten einmal mehr betont wurde.
Laut Schätzungen der Montanuniversität Leoben landen jährlich rund drei Millionen Lithium-Batterien in Österreich im Restmüll – etwa zwei Stück pro Tonne Abfall. In den kommenden Jahren könnte sich diese Zahl sogar auf sechs Millionen Stück pro Jahr verdoppeln.
Besonders problematisch: Viele Verbraucherinnen und Verbraucher wissen nicht, in welchen Alltagsprodukten Lithium-Akkus verbaut sind. Neben bekannten Geräten wie Powerbanks oder Smartphones enthalten auch E-Vapes, blinkende Haarreifen, Earpods oder Kinderspielzeug solche Batterien, oft auch mit Restenergie.
Brände haben sich verfünffacht
Die Folgen sind dramatisch. Laut dem Verband österreichischer Entsorgungsbetriebe kam es 2025 zu 36 größeren Brandereignissen in heimischen Entsorgungs- und Recyclingbetrieben. In mehreren Fällen werden falsch entsorgte Lithium-Batterien als Ursache vermutet.
Statistisch gesehen brennt es in der österreichischen Abfallwirtschaft bis zu sechs Mal pro Tag. Zwischen 2012 und 2024 hat sich die Zahl der Brandereignisse verfünffacht.
Wird ein Lithium-Akku im Müllwagen oder in der Sortieranlage beschädigt, kann es zum sogenannten "Thermal Runaway" kommen. Dieser beschreibt eine chemischen Kettenreaktion, bei der sich der Akku selbst entzündet. Im Restmüll finden sich ideale Bedingungen: leicht brennbare Stoffe und große Abfallmengen lassen selbst kleine Funken zu gefährlichen Großbränden werden.
Feuerwehr warnt
Wie unberechenbar solche Brände sind, verdeutlichte der Bundesfeuerwehrverband vor Ort. Seine Botschaft: Die Bekämpfung kann mehrere Tage dauern. Neben dem hohen Einsatz von Personal, Spezialgerät und Löschmitteln stelle auch die starke Schadstoffbelastung der Luft ein Problem dar. Zusätzlich müsse kontaminiertes Löschwasser aufwendig gesammelt und entsorgt werden.
Massive Schäden und Versicherungsprobleme
Zusätzlich sind die wirtschaftlichen Auswirkungen enorm: Die Schäden durch Brände in Entsorgungsanlagen gehen bereits in die zweistelligen Millionenbeträge. Versicherungen reagieren zunehmend mit drastischen Prämienerhöhungen oder ziehen sich ganz zurück, da die Risiken kaum mehr kalkulierbar sind.
Für die Branche ist das eine ernsthafte Bedrohung. Unternehmen investieren daher verstärkt in Brandschutzmaßnahmen, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Infrastruktur bestmöglich zu schützen.
Kampagne „Her mit Leer II“
Um gegenzusteuern, setzen Politik und Wirtschaft auf verstärkte Aufklärung. Nach einem "Runden Tisch Batterien" im September 2025 wurde die Fortführung der Informationskampagne beschlossen. Im Frühjahr 2026 startet die neue Initiative „Her mit Leer II“, die das Bewusstsein für die richtige Entsorgung von Batterien und Akkus weiter schärfen soll.
Ziel ist es, Batterien konsequent über die vorgesehenen Sammelstellen zu entsorgen und so Brände in der Abfallwirtschaft zu verhindern. Zusätzlich werden regulatorische Maßnahmen diskutiert, etwa ein geplantes Verbot von Einweg-E-Zigaretten, das voraussichtlich Ende 2026 in Kraft treten soll.
Jeder Beitrag zählt
Die Experten und Unterstützer betonten im Rahmen der Auftaktveranstaltung einmal mehr die gemeinsame Verantwortung von Politik, Wirtschaft und Bevölkerung. Nur wenn Lithium-Batterien als wertvolle, aber potenziell gefährliche Ressourcen verstanden und korrekt entsorgt werden, könne die Sicherheit der österreichischen Abfall- und Kreislaufwirtschaft langfristig gewährleistet werden.