Falsche Medizin: Skandal in Wiener Altersheim
Im Seniorinnen- und Seniorenwohnheim Haus Leopoldau in Wien-Floridsdorf ist es zu einem gravierenden Vorfall im Pflegebereich gekommen. Über mehr als ein Jahr hinweg wurden 20 von insgesamt 350 Pensionisten teilweise wiederholt falsche Medikamente verabreicht. Trotz bestehender Sicherheits- und Kontrollschleifen blieb die Fehlmedikation über zwölf Monate hinweg unentdeckt.
Falsche Medikamente über ein Jahr verabreicht
Die Vorfälle im Haus Leopoldau reichen bis in den März 2025 zurück. Damals gab es bereits eine erste Beschwerde, deren Nachverfolgung aus heutiger Sicht jedoch unzureichend war. Erst durch die Vertretung der Heimdirektion wurden die Unregelmäßigkeiten im Ausmaß aufgedeckt. So wurde das Schmerzmittel Seractil zweimal statt dreimal täglich gegeben, Vitamin D in Tabletten- statt Tropfenform verabreicht und das Blasenmedikament Detrusitol in einem Fall trotz ärztlicher Verordnung überhaupt nicht ausgegeben.
Nach aktuellem Stand erlitten die betroffenen Pensionisten keine gesundheitlichen Schäden. Bei 18 Personen können gesundheitliche Folgen nahezu ausgeschlossen werden, bei zwei weiteren Bewohnern laufen derzeit noch eingehende Laboruntersuchungen.
Personelle Konsequenzen und Freistellungen
Als Ursache für die Abweichungen gaben die „Häuser zum Leben“ menschliches Versagen in einer einzelnen Abteilung an. Obwohl die Verblisterung der Arzneimittel durch eine externe Apotheke erfolgt, hätten zwei interne Kontrollschleifen im Haus vor der Ausgabe greifen müssen. Diese Mechanismen versagten jedoch über einen langen Zeitraum hinweg vollständig.
Die Trägerorganisation reagierte mit ersten dienstrechtlichen Schritten: Die Direktorin des Hauses Leopoldau sowie die Teamleiterin des Ambulanzteams wurden mit sofortiger Wirkung freigestellt. Zudem wurde der Vertrag mit der beliefernden Apotheke vorsorglich aufgelöst und eine zusätzliche Kontrollebene für jede einzelne Medikamentenvergabe eingezogen.
Externe Prüfung und Reaktionen der Politik
Um den Vorfall lückenlos aufzuklären, wurden der Facharzt für Innere Medizin Dr. Christian Sebesta sowie die Kanzlei Baker McKenzie mit externen Gutachten beauftragt. Zudem ist die zuständige Wiener Magistratsabteilung 40 (Sozial- und Gesundheitsrecht) eingeschaltet. Träger-Geschäftsführer Christian Hennefeind zeigte sich erschüttert und betont, dass die Sicherheit der Bewohner oberste Priorität habe.
Auch die Wiener Politik reagierte deutlich: Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) bezeichnet die Vorkommnisse als inakzeptabel und forderte eine rasche Aufklärung. ÖVP-Gemeinderätin Ingrid Korosec verlangt eine genaue Prüfung der internen Verantwortlichkeiten und der gescheiterten Kontrollmechanismen in Floridsdorf.