Vegane Fleischerei: „Lebenkäs" statt Leberkäse

Die Zahl der reinen Vegetarier nähert sich hierzulande schrittweise der 800.000-Marke an, die Veganer sind längst mehr als nur ein Nischenphänomen. Auch die breite Mitte der Gesellschaft greift schon mal zu tierfreien Produkten – und sorgt so für Abwechslung am Teller. Ein Trend der auch den Handel beschäftigt. Neben den großen Playern kochen immer lokale Anbieter ihr eigenes Süppchen.

Silke Bernhardt hat den Lockdown genutzt und ihre Idee von der einem fleischlosen Feinkostladen in der Josefstädter Straße verwirklicht. Ihr Konzept: regionale Bio-Produkte in so wenig Verpackung wie möglich. Wir haben die „Fleischloserei“- Chefin zum Talk gebeten.

Silke Bernhardt an der Feinkosttheke_2 | Credit: Katja Koppensteiner

Die vegane Welle rollt – nur wohin?

Silke Bernhardt:Ich habe gelesen, dass während der Lockdowns die Zahl veganer Esserinnen und Esser noch einmal in die Höhe geschossen ist. Vielleicht haben sich einige in der Krise, eingesperrt in den eigenen vier Wänden, bewusster damit auseinandergesetzt, was sie täglich zu sich nehmen. Ich bin jedenfalls überzeugt davon, dass der Plafonds noch lange nicht erreicht ist. Die Idee wird weiter wachsen – und damit auch das vegane Angebot.

Wie beim echten Fleischhauer, aber eben ohne Fleisch.

Welche Lücke, wollen Sie mit ihrem Konzept am Feinkostmarkt schließen?

Silke Bernhardt: Die Regale für vegane Produkte in den Supermärkten werden immer breiter. Aber wenn du heute in den Supermarkt gehst, kannst du dir keine Semmel mit frisch aufgeschnittener veganer Extrawurst an der Theke kaufen. Du musst in Plastik verpackte Veggie-Wurst nehmen und dir das Semmerl zuhause selbst zubereiten. Wir bieten ein breites Angebot an veganer Feinkost, das man bei uns frisch aus der Vitrine kauft. Wie beim echten Fleischhauer, aber eben ohne Fleisch. (grinst)

Was schmeckt Ihnen am veganen Supermarktangebot weniger?

Silke Bernhardt: Die meisten Veggie-Sachen aus dem Supermarkt sind industriell hergestellt und vakuumverpackt. Die Zutaten mögen vegan sein, aber das war's dann auch schon. „Gesundes Essen" definiere ich anders. Bei uns ist alles bio und kommt frisch aus der Theke, mit so wenig Verpackung wie möglich.

Die meisten Veggie-Sachen aus dem Supermarkt sind industriell hergestellt und vakuumverpackt. Die Zutaten mögen vegan sein, aber das war's dann auch schon.

Woher beziehen Sie die Ware?

Silke Bernhard: Wir verwenden nur Zutaten von ausgesuchten regionalen Herstellern. Schon vor Jahren habe ich in Pressbaum (Anmerkung der Redaktion: in Niederösterreich) eine Foodcoop gegründet. Dabei habe ich viele Erzeuger im Umland von Wien kennenlernen dürfen. Jetzt, seit es die Fleischloserei gibt, kommen immer mehr Menschen auf mich zu, die selbst vegane Produkte herstellen: Tofu aus dem Seewinkel, veganer Camembert aus dem Umland von Sankt Pölten oder Kürbiskernprodukte für unsere Kürbisvurst aus dem Weinviertel.

Tofu aus dem Seewinkel, veganer Camembert aus dem Umland von Sankt Pölten oder Kürbiskernprodukte für unsere Kürbisvurst aus dem Weinviertel.

Silke Bernhardt in ihrem Geschäft | Credit: Katja Koppensteiner

Welche Schmankerln finden Kunden nur bei Ihnen?

Silke Bernhardt: Die vegane Leberkäsesemmel gibt's nur hier. Der Leberkäs heißt bei uns übrigen „Lebenkäs". Er wird aus Tofu hergestellt und es gibt auch eine pikante Variante und eine mit – natürlich veganem – Käse. Aber da sind noch viel mehr Produkte, die ich so noch nirgendwo sonst gesehen habe. Zum Beispiel die „Ohne-Blut-Wurst", die vegane Grillbox, die veganen Weißwürstl und vieles mehr.

Die vegane Leberkäsesemmel gibt's nur hier.

Welche Extras tischen Sie noch auf?

Silke Bernhardt: Neben der Ware in der Kühltheke gibt's auch verschiedene Snacks und einen Mittagsteller. Ab Herbst planen wir auch die Eröffnung eines Online-Shops.

Silke Bernhardt mit ihren Mitarbeiterinnen | Credit: Katja Koppensteiner

Warum nennen Sie Ihr Shop-Baby eigentlich Fleischloserei und nicht Veganerei?

Silke Bernhardt: Der Name kommt von Fleischerei, wir haben nur ein „los" dazugetan. Es geht uns aber nicht darum, optisch und geschmacklich so nah wie möglich an echtes Fleisch heranzukommen. Fleisch ist Fleisch und unsere Produkte sind eben das, was sie nun mal sind. Eine vegane Alternative, die einfach gut schmeckt!

Autor: Rudolf Grüner, 21.09.2021