Kirchenpionierin Manuela Gangl

Weekend: Neuland und Kirche, wie passt das zusammen?
Manuela Gangl:
Das Projekt Neu.Land! ist aus dem Wissen entstanden, wie sehr die ganze kirchliche Welt im Umbruch ist. Genau das ist auch eine Qualität dieses Projekts. An vielen gegenwärtigen Trends und Bewegungen fällt auf, dass sie immer wieder auf zutiefst christlichen Werten basieren: Nächstenliebe, der Dienst am Menschen, die Schöpfung. Mit Neu.Land! knüpfen wir an diesen Bedürfnissen an und gehen an Orte, die für Menschen im Alltag Relevanz haben.

Weekend: Ist „Neu.Land!“ auch eine Reaktion auf die überschaubarer werdende Kirchengemeinde?
Manuela Gangl:
Wenn man den Kirchenbesuch als Parameter nimmt, dann stellt man einen Trend fest, der so nicht nur für Vorarlberg gilt, sondern für ganz Europa. Kirche hatte lange eine sehr hohe, gesellschaftliche Relevanz. Das hat sich geändert. Die Menschen sind zwar immer noch auf der Suche nach Sinn, verbinden das aber nicht mehr automatisch mit der Kirche. Unsere Aufgabe ist es, Angebote und Orte zu schaffen, in denen sie Spiritualität erleben können in der Form, in der es für sie passt.

Weekend: Wo hätte mir „Neu.Land!“ begegnen können?
Manuela Gangl:
Im Sommer in den größeren Städten. An den Markttagen haben wir einen Stand aufgebaut und waren einfach einen Vormittag lang da. Es war erstaunlich, mit wie vielen Menschen wir so ins Gespräch gekommen sind. Auch das ist „Neu.Land!“.

Weekend: Ein „Ergebnis“ von Neu.Land! ist auch die Dialogbox. Was kann die?
Manuela Gangl:
Für die Box haben wir Menschen gesucht, die neue Ideen für größere und kleinere Aktionen hatten, um mit vielen Menschen in Kontakt zu kommen. Wir haben schnell gemerkt, das sind ganz schön viele. Klar, auch Corona hat uns da einen Schubser gegeben, man musste kreativ werden, um Kontakt zu halten. Die kreativen Erfinder/innen haben wir gebeten, uns Ihre Ideen für die Box zur Verfügung zu stellen, damit andere das nachmachen können.

Weekend: Was schlägt die Box in Sachen Weihnachten vor?
Manuela Gangl:
Da gäbe es zum Beispiel das „Frastanzer Adventfenster“. Alles, was man dazu braucht, sind 24 Familien oder Einrichtungen, die bei der Aktion mitmachen. Es geht darum, dass an jedem Tag im Advent ein anderes Fenster irgendwo im Dorf gestaltet wird.  Die einen basteln mit Kindern, die anderen schenken einen Punsch aus und am nächsten Tag gibt es vielleicht einen Kastanienröster.

Weekend: Ganz persönlich, warum arbeiten Sie für die Kirche?
Manuela Gangl:
Eigentlich komme ich ja aus der Wirtschaft und habe erst später, vor 10 Jahren, zur Kirche gewechselt. Mit meinen Fähigkeiten konnte ich mich immer gut einbringen. Aber ich habe es auch sehr geschätzt, dass man mir nie gesagt hat, du „musst“ jetzt etwas Theologisches machen. Ich durfte meinen persönlichen Glaubensweg gehen und das in Verbindung mit neuen Formen von Kirche. Das war und ist spannend.

Weekend: Wann wäre für Sie Neuland in Sicht?
Manuela Gangl:
Neuland ist schon in Sicht. Aber es wird nie der Punkt kommen, an dem wir sagen, so, das war‘s jetzt. „Neu.Land!“ ist ein stetiger Entwicklungsprozess, der nicht nur der kath. Kirche gut tut. Ich durfte die Erfahrung machen, dass mich etwas in meinem Leben trägt und ich glaube, es gibt viele Menschen, denen es auch so ergeht. 

Zur Person: MANUELA GANGL
Koordinatorin Neu.Land! und Kirchenpionierin

  • 1973 geb. und aufgewachsen in Lochau, verheiratet, eine Tochter, ein Sohn, wohnt mit ihrer Familie in Dornbirn
  • Bankfachfrau, prozessorientierte Erwachsenenbildnerin, Kommunikationstrainerin, systemische Organisationsberaterin
  • Hobbies: Fitness, Bücher, Weiterbildung
  • www.kath-kirche-vorarlberg.at/neuland
  • Instagram.com/manuela.gangl
Autor: Weekend Magazin Vorarlberg, 24.11.2021