Erfolgsorientiert: Katharina Liensberger

Vorarlbergs beste Skirennläuferin der Gegenwart wohnt in einem Ort, in dem es gar keinen Skiklub gibt – in Göfis. Das hatte schon früh zur Folge, dass sie mit ihren Eltern eine sportliche Heimat suchen musste, die fand sie im benachbarten Rankweil. Damit begann im zarten Alter von vier Jahren eine Erfolgsgeschichte, die von der Doppelweltmeisterin geprägt und von ihren Eltern Herlinde und Thomas mitgetragen wurde. „Meine Familie hat sehr viel für mich geleistet“, bedankte sich die 23-Jährige nach dem Gewinn von Slalom-Gold zu allererst bei ihren Eltern. Erst danach kamen Trainer, Betreuer und viele Wegbegleiter an die Reihe.

Knappe Entscheidungen

Mit Liensbergers  Erfolge konnte und durfte man im Vorfeld der Weltmeisterschaften nicht rechnen. Denn bis dato hat die Göfnerin noch kein einziges Weltcuprennen gewonnen, obwohl es dreimal schon einen denkbar knappen zweiten Platz gab. 0,05 Sekunden fehlten im Slalom von Zagreb auf Petra Vlhova, 0,11 Sekunden am Semmering hinter Michelle Gisin und 0,19 Sekunden in der Flachau hinter Mikaela Shiffrin. Knappe Entscheidungen spielten auch schon zu Beginn der Weltcupkarriere der jungen Gröfnerin eine Hauptrolle. Denn bei ihrem Einstieg in den Weltcup im Jahr 2016 verpasste sie mehrfach die Qualifikation für den zweiten Durchgang um nur wenige hundertstel Sekunden. Schon damals meinte sie: “Diese Hunderstel kommen irgendwann zurück.“ Sie sollte Recht behalten. Bei der WM in Cortina gab es im Parallelbewerb die zeitgleiche Entscheidung mit der Italienerin  Martha Bassino. Vorerst wurde Liensberger als Silbermedaillengewinnerin geführt, weil die FIS-Verantwortlichen ihr eigenes Reglement nicht kannten. Erst 30 Minuten nach Rennende wurde das Ergebnis koorigiert: Gold für Bassino und Liensberger. Aber selbst solche Situationen sind nicht neu für Vorarlbergs Skiass: Auch den ersten Podestplatz im Weltcup gab es erst mit Verspätung.

Podestplatz

Beim Slalom in der Flachau im Jänner 2019 wurde Liensberger als vierte gewertet, ehe TV-Analysen ergaben, dass die vor ihr gereihte Schwedin Anna Swenn Larsson einen Torfehler gemacht hatte. Und plötzlich stand Katharina neben den Skigrößen Petra Vlhova und Mikaela Shiffrin auf dem Siegespodest: „Das ist schon ein ganz tolles Gefühl“, meinte Liensberger damals. Zwei Jahre später mussten die beiden lange Zeit ungeschlagenen Slalomasse Liensberger bei der WM in Cortina die „Ehre erweisen“. Die Vorarlbergerin  deklassierte Vlhova um 1,00 und Shiffrin gar um 1,98
Sekunden.

Besondere Freundschaft

Auf dem Weg zu ihren großen Erfolgen hat sich Katharina Liensberger immer wieder mit einem für sie ganz besonderen Menschen ausgetauscht. Mit Pfarrer Georg aus Göfis. Mit dem indischen Priester, der selbst einst Basketballprofi war, verbindet die 23-Jährige eine besondere Freundschaft: „Ja, ich bin immer wieder mit ihm in Kontakt, telefonisch und auch persönlich. Ich bekomme immer wieder ganz wichtigen seelischen Beistand von ihm. Und ich weiß, dass er immer wieder für mich betet.“ Aber nicht nur deshalb ist Liensberger von Pfarrer Georg fasziniert: „Ich weiß, dass er vielen Menschen in seiner Pfarrgemeinde immer wieder hilft.“

Saisonziel

Nach der erfolgreichen WM jagte ein Medientermin den anderen. „Aber jetzt tue ich wieder das, was mir riesig Spaß macht: Trainieren und Rennen fahren.“ Und ein Saisonziel ist noch ausständig: Der Gewinn des Slalomweltcups.

Zur Person: Katharina Liensberger
Mitglied der Österreichischen Skinationalmannschaft

  • geb. 1. April 1997, in Feldkirch
  • ledig
  • Skirennläuferin aus Leidenschaft
  • Hobbies: Skifahren, Harfe spielen
Autor: Weekend Magazin Vorarlberg, 09.03.2021