Klammer-Film: ein Blick hinter die Kulissen

Bis der Film „Klammer“ 2021 in unsere Kinos kommt, dauert es noch (voraussichtlich Oktober 2021), doch Olympialuft und jede Menge Retrofeeling waren schon jetzt am Patscherkofel, hoch über Innsbruck, zu spüren: drei Wochen lang war die Filmcrew auf der Olympiaabfahrt im Einsatz, um den legendären Olympiaerfolg von Franz Klammer zu verfilmen. 

Retro-Material

Sechs Stuntfahrer waren im Einsatz – darunter auch Weltcupsieger Werner Heel und Daron Rahlves (Weltmeister St. Anton). Aber auch Hauptdarsteller Julian Waldner, selbst gebürtiger Känrtner, war auf der Piste unterwegs und verrät: „Ich bin ein guter Skifahrer. Das war aber schon ganz etwas anderes, auf diesen Skiern auf der Piste zu fahren.“ Denn unterwegs waren alle Fahrer auf speziellen Skiern – mit modernem Kern, aber dem Shape wie zu Zeiten Klammers. „Wir haben Rennanzüge, Helme, aber auch die Skier speziell für den Film produzieren lassen“, bestätigt Loredana Rehekampff, Produzentin von Samsara Film. Und wie war es nun, auf den Retro-Skiern die Olympiaabfahrt zu bezwingen? „Das war natürlich anders als bei einem normalen Rennen“, erzählt Lukas Krainer, einer der Stuntfahrer und ehemaliger Skirennläufer: „Normalerweise bereite ich mich auf einen Lauf vor und gebe dabei alles, hier waren es immer Etappen von 6, 7, 8 Toren. Und es war auch etwas ganz anderes, die Skitechnik von damals zu imitieren. Es war schon hilfreich, dass die Skier von uns mitentwickelt wurden, damit wir uns auf der Fahrt voll auf die Fahrtechnik konzentrieren konnten“. Einer der drei Klammer-Stuntfahrer war auch Luca Tanner, der schmunzelnd ergänzt: „Mit der Ausrüstung war es, als ob man voll in diese Zeit eintaucht. Der gelbe Anzug ist schon Kult.“

Bis an die Grenzen

Das klingt amüsant, war aber eine echte Challenge, wie Gerhard Salmina, der für die Skiaufnahmen zuständig war, bestätigt: „Der Stil von Franz Klammer ist schwer zu kopieren. Heute fährt man einfach mit einer anderen Technik. Und man darf nicht vergessen: Klammer ist damals quasi um sein Leben gefahren. Deshalb mussten auch die Doubles an ihre Grenzen gehen.“ Gefunden wurden vier der Fahrer übrigens über ein ÖSV-Casting, bei dem auch überlegt wurde, welcher Fahrer am besten welche Rolle darstellen kann. Beim Dreh selbst ging es dann richtig zur Sache: bei Geschwindigkeiten von 70 bis 120 km/h wurde die komplette Olympiastrecke gefilmt. Salmina hat damit schon Erfahrung – immerhin war er Regisseur von „Streif – One Hell of a Ride“. Doch auch die Olympiaabfahrt hat ihre Tücken, wie er verrät: „Der Johannesweg-Sprung ging damals richtig weit, das wollten wir auch im Film als Herausforderung darstellen, bei der die Fahrer Schwierigkeiten haben, mit den Händen vorne und verschlagenen Skiern.“ Für Salmina ist Klammer ein echter Champion: „Vor der Zwischenzeit hatte er zwei Fehler, einen davon im Ochsenschlag – deshalb musste er gegensteuern und kam richtig knapp zum Zaun. Im Bäreneck ist er dann ganz draußen gefahren und hat den Schwung mitgenommen – und gewonnen. Dramaturgisch war das damals ein richtiger Krimi, der uns beim Dreh einiges abverlangt hat.“

Das große Finale

Gelohnt hat sich der Aufwand allemal. Denn die Atmosphäre erinnert tatsächlich an die Zeit von damals – und wir sind beim Lokalaugenschein sogar beim großen Finale live dabei: der Zieleinfahrt mit dem Jubel der Menge – und dem Moment, als Julian Waldner alias Franz Klammer auf die Tafel blickt und versteht, dass er Olympiasieger ist. Rund 140 Statisten sind vor Ort – ein kunterbunter Haufen, der für Stimmung sorgt und in der Nachbearbeitung dann zu einer Menschenmasse verfielfacht wird. Und wie hat sich Hauptdarsteller Julian Waldner auf diese Schlüsselszene vorbereitet? „Ich habe ganz viel mit Leuten geredet, die dabei waren. Außerdem scheint fast jeder hier in Tirol dabei gewesen zu sein (lacht). Selbst der Taxifahrer hat mir erst gestern begeistert Geschichten erzählt. Natürlich setzt einen diese große Geschichte und der Anspruch, der Rolle gerecht zu werden, schon etwas unter Druck. Aber das ist nichts im Vergleich zu dem Druck, den Franz Klammer damals ausgehalten hat. Klar ist das heute mit dem Zieleinlauf und dem Moment des Sieges etwas ganz Besonderes. Aber jeder Drehtag hat seine Herausforderungen. Wichtig ist, dass die Kommunikation mit dem Regisseur gut klappt – und die ist super. Deshalb gibt es auch keinen Grund, sich zu verkrampfen. Der Dreh ist so abwechslungsreich – ich lerne jeden Tag durch meine Rolle etwas neues über Franz Klammer.“ 

Im Rampenlicht

Durch diesen Einblick beim Drehtag haben wir auf jeden Fall schon richtig Lust bekommen, den ganzen Film im Kino zu sehen. Auch weil sich Tirol darin – nicht nur dank Traumwetter während des gesamten Drehs – von seiner besten Seite zeigt. Karin Seiler, GF Innsbruck Tourismus, und Cine Tirol-Chef Johannes Köck freuen sich ebenfalls über die Dreharbeiten. „Die Sternstunde von Franz Klammer steht auch symbolhaft für die Entwicklung von Innsbruck als Sportregion der Alpen“, so Seiler. Und Köck ergänzt: „Es ist ein schönes Zeichen, selbst in Corona-Zeiten eine der größten heuer in Tirol geplanten Produktionen ohne Probleme umsetzen zu können.“ Logistisch war das natürlich durchaus eine Challenge. Die Statisten mussten etwa jeden Tag um 6 Uhr am Set sein, um sich alle testen zu lassen. Das tat aber weder der Stimmung noch der Motivation einen Abbruch.

Autor: Alexandra Nagiller, 09.03.2021