Reden statt wegschauen: Suchtprävention für Jugendliche

Mit dem Programm „Lebensnahe PräventionsArbeit plus“ wird das Unterstützungsangebot für Jugendliche zum Thema Sucht erweitert. Die erste steirische Schule, die das Programm umsetzt, ist das BG/BRG Kirchengasse in Graz.
Autor: Teresa Frank, 03.03.2022 um 14:30 Uhr

Dass die Corona-Krise besonders für Jugendliche zu enormen psychischen Belastungen geführt hat, ist längst kein Geheimnis mehr. Zahlreiche Studien und Erfahrungen aus der Praxis haben dies mehrfach bestätigt. Auch das Suchtverhalten wurde davon beeinflusst. Viele Jugendliche suchen in Alkohol, Nikotin oder psychoaktiven Substanzen eine Flucht aus dem Alltag und ihren Problemen.  „Um Warnsignale bei Jugendlichen möglichst frühzeitig zu erkennen, spielt das Umfeld eine entscheidende Rolle. Wir setzen daher auf ein breites Bündel an Maßnahmen an den Schulen und in Jugendeinrichtungen – von der Prävention und der Sensibilisierung bis hin zur Begleitung in akuten Anlassfällen. Das Angebot wird auch laufend weiterentwickelt, etwa um das Pilotprojekt ‚Lebensweltnahe PräventionsArbeit plus‘“, erklärt Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß. Damit verweist sie auf das Workshop-Angebot vom steirischen Gesundheitsfonds und der Caritas. 

Workshops für Jugendliche

Auf die besondere Wichtigkeit der Präventionsarbeit weist auch Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner hin. „Speziell ausgebildete Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner informieren und beraten die jungen Menschen in den Schulen über Suchtverhalten und süchtigmachende Substanzen. Auf diese Weise kann ein für das Alter angemessener Diskurs über Suchtprozesse und deren Verhinderung geführt werden. Über diese Aufklärungsarbeit werden Ängste abgebaut und der bei Jugendlichen oftmals verbreitete Reiz, verbotene Substanzen ausprobieren zu wollen, aktiv vorgebeugt“, erklärt sie. Ansprechpartner, die den Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen und sich mit diesem Thema auskennen, werden im Zuge des Projekts Lebensnahe PräventionsArbeit plus (LPAplus) an die Schulen geschickt. Diese Rolle übernimmt beispielsweise LPAplus-Projektleiter Stefan Pree von der Caritas Steiermark. „Die Erfahrungen zeigen, dass Jugendliche in einem geschützten Raum mit einer externen Person viel offener ihre Fragen und bereits bestehende Probleme ansprechen, als sie es etwa vor ihren Eltern oder im regulären Schulunterricht tun würden. Genau hier setzt das neue Workshop-Angebot ‚Lebensnahe PräventionsArbeit plus‘ – kurz ‚LPAplus‘ an“, erklärt er. „Gemeinsam mit den Jugendlichen kläre ich die für sie relevanten Fragen und sensibilisiere für den meist schleichenden Prozess der Suchterkrankung. Der Inhalt wird dabei immer individuell mit der jeweiligen Gruppe abgestimmt und es ist ganz wichtig, dass die Jugendlichen sich offen unterhalten dürfen“, so der Sozialarbeiter, der bereits 20 Jahre in der Jugend- und Suchtarbeit gearbeitet hat.

Ausbau des Projekts

Und wie genau schauen diese Workshops aus? „Die Jugendlichen lernen in den mindestens drei- bis vierstündigen Workshops, was ihnen guttut, wenn es ihnen schlecht geht – und damit Alternativen zum Suchtverhalten,“ so Pree. Auch über die Workshops hinaus steht er als Ansprechpartner für die Jugendlichen zur Verfügung, „etwa für Fragen, die man sich vor den anderen Jugendlichen nicht zu stellen traut oder wenn der Schritt in eine entsprechende Beratungsstelle alleine schwer fällt“, verweist Pree auf die Kooperation mit den anderen Präventions- und Versorgungsangeboten. Nach dem erfolgreichen Start ist nun geplant, das Angebot an Workshops in der ganzen Steiermark auszubauen. Das soll in Abstimmung mit der Bildungsdirektion geschehen. Neben den Schulen sollen auch Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, der Kinder- und Jugendarbeit sowie Berufsschulen und Großbetriebe bedacht werden.

BG/BRG Kirchengasse als Vorreiter

Die ersten Workshops im Zuge des Programmes wurden am BG/BRG Kirchengasse abgehalten. „Es gab bei uns im letzten Herbst anonyme Hinweise auf eine angebliche Drogenproblematik. Ich wollte das von Anfang an nicht unter den Teppich kehren – man muss sich dem Thema stellen und sichtbare Zeichen setzen. Das Workshop-Programm LPAplus war hier das genau richtige Angebot, weil sehr niederschwellig mit den Jugendlichen gearbeitet wird und sie aktuelle Themen einbringen können. Das haben wir dann auch umgesetzt und es war auch eine sehr gute Ergänzung zu den Präventions-Workshops, die wir in jedem Jahr mit VIDID machen. Uns ist es ganz wichtig, dass das Thema Sucht offen angesprochen wird, nur dann kann man es vernünftig bearbeiten“, erklärt Direktorin Daniela Kober.

Ergänzung des bestehenden Angebots

Das Programm LPAplus ist eine Ergänzung zum bestehenden Angebot von VIVID - der Fachstelle für Suchtprävention, die vom Gesundheitsressort des Landes Steiermark und dem Gesundheitsfonds Steiermark beauftragt ist. VIVID-Geschäftsführerin Claudia Kahr erläutert: „Es gibt wohl keine Schule in der Steiermark, in der psychoaktive Substanzen keine Rolle spielen. Die Frage ist: Reagiert eine Schule professionell mit einem Unterstützungsangebot und Präventionsmaßnahmen oder schaut sie weg und ‚beseitigt‘ betroffene Schülerinnen und Schüler und das Problem möglichst unbemerkt? Wegschauen vergrößert das Problem und das Tabu.“ Die VIVID-Fachstelle führt bereits seit fast 25 Jahren Vorträge, Seminare und Lehrgänge zum Thema Suchtprävention in Schulen und Betrieben um – sowohl für die Schüler wie auch für die Bezugspersonen. Besonders wichtig für den Erfolg der verschiedenen Angebote ist die Kooperation zwischen den unterschiedlichen Einrichtungen.