Mr. "Cordula Grün": Musiker Josh im Interview

Weekend: Cordula Grün war 2018 der Sommerhit schlechthin. Böse Zungen behaupteten dann, es sei ein One-Hit-Wonder, mittlerweile hast du das Gegenteil bewiesen. Wie hoch war der Druck, sich damals beweisen zu müssen?

Josh: Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass es keinen Druck gegeben hätte. Ich glaube, dass man sich Druck meist auch selbst macht. Ich hab mir dann die Frage gestellt, ob ich denn irgendjemandem etwas beweisen muss, denn dass ich Songs schreiben kann, habe ich mit "Cordula Grün" ja gezeigt. Also habe ich versucht, den Erfolg in positive Energie umzuwandeln. Ich hab mir einfach gedacht: He, du musst gar nicht mehr so viel rudern wie vorher, den ersten Hit hast du ja jetzt schon. Außerdem hatte ich das Gefühl, noch etwas sagen zu wollen, also habe ich einfach weitergemacht. Aber es gab trotzdem den ein oder anderen Abend, in dem ich im Hotelzimmer lag und mir einfach dachte: Oh mein Gott, was tu ich jetzt? Das Gute war aber, dass es von mir schon sehr viel Musik gab und auch mit dem Album war ich schon weiter. Ich hatte ein fertiges Team und Songs parat, stand also nicht erst am Anfang und musste einfach weitere Lieder veröffentlichen.

Weekend: Der Song "Cordula Grün" und der Name "Josh" gehören ja zusammen – Fluch oder Segen?

Josh: Ich glaube, es ist generell immer ein Segen, einen Hit in dieser Größe zu haben. Ich will ja auch gar nicht zulassen, dass "Cordula Grün" irgendwann ein Fluch für mich wird. Natürlich gibt es einige Situationen, in denen es schwierig ist, weil man das Gefühl hat, auf etwas reduziert zu werden. Aber um ehrlich zu sein, war diese Angst relativ schnell weg, weil in Deutschland und Österreich ziemlich bald auch andere Songs von mir im Radio gelaufen sind. Dann wurde es auch leichter. Ich möchte halt, dass "Cordula" immer ein Segen für mich bleibt, denn wegen diesem Lied darf ich hauptberuflich Musik machen und tausende Kilometer herumfahren, um vor Leuten aufzutreten. Deswegen spiele ich den Song auch noch sehr gerne live. Aber um ehrlich zu sein, checkt man am Anfang die Tragweite eines Songs oft nicht. Am Anfang meiner Karriere spielte ich einmal ein Konzert in Kiel in Deutschland und jeder kannte einfach den Text zu "Cordula Grün". Da dachte ich mir: Oke, es ist doch größer geworden als gedacht.

Weekend: Und wie würdest du dieses Gefühl beschreiben?

Josh: Speziell, es ist sehr schwer zu beschreiben. Ich bin ein Träumer, ich laufe durch die Welt und mache einfach gerne Musik. Wie gesagt, ich hab das am Anfang eben gar nicht so mitbekommen und das war irgendwie auch mein Glück, denn ich habe nicht kapiert, welche Dimensionen das annimmt. Hätte ich es kapiert, hätte es passieren können, dass ich abhebe. Ich glaube, ich wollte es am Anfang vielleicht auch gar nicht so kapieren. Oft checkt man gewisse Dinge erst später, wenn man beispielsweise schon 1 bis 2 Tage von einer Tour Zuhause ist.

 

Weekend: Bleiben wir gleich bei deiner Tour, die diesjährige wurde ja wegen Corona verschoben. Wie hast du den Lockdown empfunden?

Josh: Ich war sehr zwiegespalten. Einerseits waren die ersten Tage wirklich schwer für mich, andererseits wusste ich, dass der Lockdown notwendig war. Aber wenn das zwei Tage vor deiner Tour ist, im Keller vom Studio schon alles fertig gepackt steht und nur darauf wartet, in die LKWs geladen zu werden, war das echt hart. Freunde und Familie haben mir dann geschrieben und mir Mut gemacht und meinten, dass sie sich auf die neuen Songs freuen, die jetzt entstehen würden. Und ich dachte mir am Anfang nur: Oh, ich hab gerade ja gar keine Ideen und möchte jetzt auch nicht wirklich schreiben. Ich hab mir dann bewusst Zeit genommen, war viel in der Natur und habe relativ viel Sport gemacht – das hat meinen Kopf abgelenkt und ich wurde innerlich wieder ruhiger. Und dann habe ich mir gedacht, dass, wenn ich jetzt schon nicht schreiben kann oder möchte, ich wenigstens gerne einen Song veröffentlichen würde. Also haben wir "Wo bist du" im Lockdown fertig gemacht und veröffentlicht und sobald das passiert ist, war auch meine Kreativität zurück und ich hab mehrere Songs geschrieben. Aber am Anfang musste ich mir Zeit nehmen. 

Weekend: Deine Texte zeichnen sich ja vor allem durch Wortspiele aus. Woher nimmst du die Inspiration für deine Songs?

Josh: Das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht so recht, die Texte sind immer ein bisschen aus dem Leben gegriffen. Ich setz mich dann hin und frag mich, was ich denn eigentlich erzählen möchte. Bei "Wo bist du" war das ganz lustig, denn es gab eine Zeit, in der mich eine Person, mit der ich mich öfter getroffen habe, immer wieder anrief und einfach fragte, wo ich denn sei. Und wenn ich dann auf Tour war, antwortete ich immer: Ich bin da, wo du nicht bist. Diese Zeilen sind dann hängen geblieben und der Song hat sich so ergeben. Es sind einfach Wörter und Sätze aus dem Alltag. 

 

 

Weekend: Hast du auch Musiker, die dich geprägt haben?

Josh: Ja, viele. Ich bin ähnlich wie die Musik, die ich mache, ich höre gerne verschiedene Genres. Auf dem zweiten Album wird man das gut hören, das ist schon sehr vielseitig. Ich mag es auch gar nicht, wenn man meine Musik kategorisieren möchte. Ich mach meine Art von Songs. Wenn mich also jemand fragt, welches Genre ich mache, sage ich, dass ich gerade einfach Musik mache. Dieses Schuladen-Denken unterstütze ich nicht. Privat höre ich auf jeden Fall unterschiedliche Richtungen. Früher habe ich Jazz studiert und ich hör noch heute gerne alte Sachen aus den 30er Jahren. Und dann höre ich wieder viele moderne Sachen, wenn eben zum Beispiel etwas Neues herauskommt, das mich wirklich kriegt. Bei Dua Lipa war das der Fall. Als Gitarrist und Songwriter haben mich aber natürlich Musiker wie John Mayer oder Eric Clapton beeinflusst – die spielen einfach Gitarre und singen Songs, wie ich. Auf der Tour habe ich dann damit aufgehört, Gitarre zu spielen, weil ich damit begonnen hab, meine Hände viel zu bewegen. Jetzt kehre ich aber wieder zum Ursprung zurück.

Weekend: Stichwort 2021: Nächstes Jahr erscheint das neue Album. Was kann man sich beruflich von dir erwarten? Wo liegen deine Ziele?

Josh: Ich werde auf jeden Fall versuchen, den Fokus nicht nur auf das digitale Zeitalter zu legen. Ich bin kein Musiker, der im Studio sitzt und Beats auf einem Computer produziert. Ich habe mit solchen Leuten zusammengearbeitet und finde es sehr cool, aber ich komme eher aus der handgemachten Musik und möchte dort auch bleiben.Wenn ich also in 10 Jahren mit dem fünften Album auf Tour gehen kann, dann habe ich das erreicht, was ich wollte. Von mir wird es immer Musik geben, ich kann mir einfach nicht vorstellen, damit aufzuhören. Das ist mein Traumberuf. 

Autor: Cornelia Scheucher , 16.09.2020