Mit Liebe zum Detail

weekend: Vor 5 Jahren hast du dein Label "MED" gegründet. Wie bist du zur Mode gekommen?

Das Thema „Design“ war schon in meiner Kindheit präsent, ich hab immer gerne meine Legofiguren oder Rennautos bemalt. In meiner Jugend bin ich dann im Radsport gelandet, habe aber auch dort hauptsächlich meine Helme selbst entworfen und auf meine Outfits geachtet. Auf diesem Wege bin ich dann zum Grafikdesign gekommen – das war cool, aber nicht erfüllend. Als ich vom Modekolleg in Graz gehört habe, war ich begeistert. Und was soll ich sagen, es hat mir von Anfang an extrem gut gefallen. Mode hat mich schon immer interessiert und es war genau das, was mir in der Grafik gefehlt hat. Du zeichnest die Stücke nicht nur, sondern schneiderst sie auch und kannst sie angreifen und sehen. 

weekend: Wie würdest du deinen Stil beschreiben? 

Der Slogan von "Manuel Essl Design" lautet: Viel Liebe zum Detail. Dieses Motto findet sich in jedem entworfenen Kleidungsstück wieder. Ansonsten setze ich vor allem auf lebhafte Prints, fröhliche Farben und metallische Akzente - jedes Stück hat einen Metallic-Einfluss, auch wenn es nur das Etikett vom Shirt ist. Mein Label ist ein Mix aus High Fashion und Streetwear. 

weekend: Dein Fokus liegt unter anderem auf Nachhaltigkeit. Woher beziehst du deine Stoffe?

Alle meine Stoffe kommen aus Italien und Deutschland. Außerdem verwende ich nur veganes Leder, welches zum Großteil auch aus Deutschland stammt. Speziell bei den Taschen benutze ich auch ein schadstofffrei hergestelltes Leder, das qualitativ top ist. Anfangs waren meine Kunden nicht wirklich davon begeistert, dass ich kein echtes Leder verwende. Ich bin dann aber meinem Weg treu geblieben und habe mir gedacht, dass es zukünftig die beste Option ist. Das hat sich als gut erwiesen, denn die Nachfrage nach Alternativen ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Nachhaltige Stücke und ein bewusster Konsum werden ja immer wichtiger. Ich versuche natürlich auf innovative Lösungen zu achten, aber als kleines Label ist das manchmal natürlich schwieriger - ich gebe auf jeden Fall mein Bestes. Ich arbeite auch nur mit GOTS-zertifizierten Farben. 

weekend: Und welche Rolle würdest du als Designer gerne einnehmen?

Mir ist es eben vor allem wichtig, dass man trägt, worin man sich wohlfühlt. Ich bin kein großer Verfechter von Trends, Hauptsache, es gefällt. Ich möchte, dass sich meine Kunden mit meiner Marke und den Kleidungsstücken identifizieren können. Mein Label soll bodenständig, aber cool sein.

weekend: Hast du auch Designer, die dich geprägt haben?

Definitiv! Mein größtes Vorbild ist die schwedische Designerin Ida Klamborn, bei der ich vor einigen Jahren ein Praktikum in Stockholm machen durfte. Sie hat mich wahnsinnig inspiriert, denn sie ist locker und total bodenständig, gleichzeitig aber auch getrieben von ihrer Passion. Sie lebt für ihren Beruf - ihre Arbeitsweise hat mich auf jeden Fall geprägt. Vom Stil her schätze ich Olivier Rousteing, den Art Director von Balmain, sehr. Und Marina Hoermanseder finde ich super spannend - ihre Entwürfe haben mir auf jeden Fall geholfen, meinen Weg zu finden. 


 

weekend: Vor Kurzem hast du auf der MQ Vienna Fashion Week deine siebte Kollektion "Leos Lost in Urban Jungle" präsentiert. Was kannst du uns dazu erzählen?

In der Kollektion geht es, wie unschwer zu erkennen ist, um Leoparden. Es spiegelt Raubkatzen wider, die sich in der Großstadt verirrt haben und nun versuchen, sich dort wiederzufinden. Die Kollektion soll etwas an den Safari-Look angelehnt sein, aber auch einen modernen Touch haben. Deswegen habe ich vermehrt mit Lederakzenten, verschiedenen Stoffen und Gold gearbeitet.

weekend: Stichwort Corona: Wie ist es dir als junger Designer ergangen?

Anfänglich hab ich mich kurz gefreut, endlich Zeit zu haben und in Ruhe arbeiten zu können, Da dachte ich noch, dass das alles in ein paar Wochen wieder vorbei wäre. Doch dann wurden Shootings abgesagt und auch der Online-Verkauf ging eher mäßig voran, da ist mir das erste Mal gedämmert, dass das nicht gut ist. Besonders hart hat mich die Absage der Jordan Fashion Week getroffen, bei der ich als einer von drei Österreichern mein Label präsentiert hätte. Außerdem wäre das auch meine erste internationale Show gewesen. Die Maskenproduktion war dann meine Rettung. Die Nachfrage war so groß, dass ich im April sogar geringfügig eine Mitarbeiterin eingestellt habe - ich hatte Glück im Unglück.

weekend: Was kann man sich zukünftig von dir erwarten? 

Als nächsten Schritt möchte ich mich vergrößern, um auch für mehr Boutiquen interessant zu werden. Ich möchte aber verantwortungsvoll wachsen, sodass ich mir die Arbeit noch immer gut einteilen kann. Außerdem würde ich zukünftig gerne einen Mitarbeiter einstellen. Fürs nächste Jahr wünsche ich mir, dass wieder viele Projekte stattfinden können. 

Where to shop:

Die Kollektionen von Manuel Essl können im Shop, in der Münzgrabenstraße 5 in Graz, oder unter www.manuelessldesign.at gekauft werden. 

Autor: Cornelia Scheucher , 06.10.2020