Michael Pachleitner: Der Mann mit dem Durchblick

Mit der MPG Healthcare (Schutzmasken, -brillen, -visiere) haben Sie besonders früh in der Coronakrise reagiert und die Agilität der Pachleitner Group unter Beweis gestellt. Wie kam es dazu?
Michael Pachleitner: Wir sind bekannt dafür, dass wir als Unternehmen schnell arbeiten. Das ist unter anderem der Vorteil, wenn man ein eigentümergeführtes Unternehmen ist – man kann rasch und auf kurzem Wege entscheiden. Den Bereich Healthcare haben wir innerhalb von zehn Tagen mit relativ wenig Aufwand und einem kleinen Team aus dem Boden gestampft. Wir haben bereits existierende Kontakte benutzt. Diesen Wirtschaftszweig werden wir weiterhin beibehalten.

Stichwort Homeoffice: Wie wichtig ist Ihnen flexibles Arbeiten in Ihrem Unternehmen?
Michael Pachleitner: Zeitgemäßes Arbeiten ist uns sehr wichtig. Wir sind ein modernes Unternehmen und bieten unseren Mitarbeitern flexible Arbeitsplätze und -geräte an. Die Umstellung ins Homeoffice war also kein Problem. Corona hat diesen Bereich jedoch weit schneller vorangetrieben, als es sonst passiert wäre. Die Krise hat uns aber auch gezeigt, dass die Digitalisierung eine enorme Hilfe sein kann. Denn ohne digitale Hilfsmittel hätten wir nicht in dieser Geschwindigkeit weiterarbeiten können.

Sie sind Wirtschaftsprofi durch und durch – die Auswirkungen von Corona auf die Wirtschaft sind allgemein bekannt. Können Sie der Krise auch etwas Positives abgewinnen?
Michael Pachleitner: Durchaus! Das Vorantreiben der Digitalisierung hat auch eine neue Art der Kommunikation hervorgebracht. Meiner Meinung nach arbeitet man nun in gewissen Bereichen effizienter, zum Beispiel in Meetings. Man kommt schneller auf den Punkt. Das intensive Einsparen des Flugverkehrs wirkt sich positiv auf die Umwelt aus und zeigt, dass es auch ohne unzählige Flüge geht. Messen finden ebenso keine statt. Der energetische Aufwand, die hohen Kosten, das ständige Reisen – in diesem Bereich sollte die Wirtschaft neben Messen auch zusätzliche Geschäftsmodelle entwickeln. Außerdem hat die Krise vielen Menschen gezeigt, dass das Arbeiten im Homeoffice nicht nur Vorteile hat. Der Kontakt zu den Mitarbeitern fehlt. Grundsätzlich halte ich Homeoffice für etwas Positives und es wird uns weiterhin begleiten, aber es muss bedacht gewählt werden.

Welche Herausforderungen haben sich in Ihrem Geschäftsfeld durch die Krise ergeben?
Michael Pachleitner: Wir haben eine komplette Kollektion im Vertrieb verloren, die sich nun im Lager befindet – das war hart. Außerdem hat die Krise gezeigt, dass die Augenoptik (bis auf wenige Ausnahmen) digital noch relativ schwach aufgestellt ist. Wir investieren jedoch immer mehr Geld und probieren uns in diesem Bereich aus. Meiner Meinung nach wird eine Kombination aus On-/Offline die Zukunft der Optik sein.

Was ich gelernt habe: Man muss nicht alles machen und man muss nicht bei allem der Erste sein.

Wie stabil sehen Sie den Wirtschaftsstandort Steiermark vor dem aktuellen Hintergrund?
Michael Pachleitner: Ich glaube, dass es hierbei keinen Unterschied zwischen der Zeit vor und nach Corona gibt. Die Steiermark ist gut aufgestellt, aber ich persönlich halte vom Wirtschaftsstandort Österreich sowieso viel. Ein Problem in der Steiermark sehe ich nach wie vor in der Anbindung. Graz ist weder per Bahn noch per Flug gut zu erreichen. Hier würden wir uns mehr Unterstützung von der Politik erwarten.

Wie gehen Sie mit dem Thema Kurzarbeit um?
Michael Pachleitner: Ich halte die Kurzarbeit in einigen, aber nicht allen Bereichen für sinnvoll. Sie sollte aber auf jeden Fall als Instrument gegen Arbeitslosigkeit eingesetzt werden. Viele Kündigungen sind für eine Marktwirtschaft fatal, denn der Motor einer Wirtschaft ist und bleibt das Investieren von Geld.

Wie ist derzeit die Stimmung in Ihrem Unternehmen?
Michael Pachleitner: Unser Team hat seine Aufgaben schon in den letzten Jahren erledigt, das hat uns sehr viel Gutes gebracht. Wir sind nicht in einer Schockstarre verharrt. Derzeit setzen wir gewisse Aufgaben vielleicht sogar noch schneller um. Wir sind sehr gut aufgestellt und trotz der Krise haben wir ein positives Gefühl.

Fashion-Frage: Welche Brillen tragen Sie privat am liebsten?
Michael Pachleitner: Meine Lieblingsmarke für berufliche Angelegenheiten ist Robert La Roche, beim Sport und in der Freizeit setze ich auf die Brillen von Red Bull SPECT Eyewear. Ich habe eine sehr große Anzahl an Brillen in Verwendung. Damit ich auch immer wieder tausche, habe ich alle möglichen Brillen an verschiedenen Standorten, beispielsweise im Büro oder Auto.

Das Unternehmen – Michael Pachleitner Group

Die MP Group ist ein eigentümergeführtes Unternehmen mit Hauptsitz in Graz. CEO Michael Pachleitner hat die Firma 1984 von seinem Vater übernommen und seitdem ausgebaut. Mit bekannten Brillenmarken, einer modernen Glas-Produktion und einem Full-Service-Angebot für den Optik-Fachhandel hat sich die MP Group weltweit in der Optikbranche etabliert.

 

Autor: Cornelia Scheucher , 05.10.2020