Kommentar: Die Welt der Wegscheiders

Natürlich darf und soll man die Regierung für ihren Umgang mit Corona kritisieren. Und natürlich darf und soll man die Regierung vor allem für ihre unglückliche Art der Kommunikation kritisieren. Man darf und soll aber auch zur Kenntnis nehmen, dass weder der Bundeskanzler noch der Vizekanzler für das Virus an sich die Schuld tragen. Und man muss – wirft man einen Blick über die Grenzen – zur Kenntnis nehmen, dass dieses Virus das Potenzial hat, unser Gesundheitssystem an die Grenze zu führen oder gar lahmzulegen. Ja, wir sind schon grantig und müde und das Thema geht uns fürchterlich auf die Nerven. Es ist aber sicher keine Lösung, Tatsachen zu negieren und sich in eine Welt des Selbstbetruges zurückzuziehen.

Shitstorm

Einige solcher Menschen habe ich nämlich gerade via Social Media kennengelernt. Weil ich einen kritischen Online-Kommentar über den Sevus TV-Intendanten Ferdinand Wegscheider geschrieben habe, deckten mich dessen „Fans“ mit einem veritablen Shitstorm ein. Offensichtlich ist Wegscheider gemeinsam mit Gerald Grosz und einigen anderen zu einer Art Ikone des „Widerstands“ aufgestiegen. Wogegen eigentlich? Ich finde es nach wie vor bedenklich, dass der Intendant eines großen Fernsehsenders unter dem Deckmantel der Satire Verschwörungstheorien verbreitet. Das ist schlicht dumm und gefährlich. Umgekehrt kann es aber auch nicht sein, dass jeder, der die Regierung kritisiert, automatisch als Corona-Leugner oder gar Covidiot denunziert wird. Ich denke, wir müssen eine Form der Regierungskritik jenseits von Verschwörungstheorien finden. Und darauf vertrauen, dass alle Beteiligten ihr Bestes tun.

Autor: Robert Eichenauer, 01.11.2020