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Kinderbetreuung
Künftig sollen Freizeitpädagogen mehr Aufgaben bekommen.
Künftig sollen Freizeitpädagogen mehr Aufgaben bekommen.
iStock.com/SeventyFour

Neue Reform: Freizeitpädagogen fordern Mitsprache

05.06.2023 um 14:10, Melanie Ogris
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Der Beruf des Freizeitpädagogen soll reformiert werden. Warum das für Aufregung sorgt, erklärte uns der Betriebsrat der Städtischen Tagesbetreuung Graz.

„Pädagogische Assistenz“ – so soll bald die Berufsbezeichnung von Freizeitpädagogen lauten. Doch nicht nur der Name soll sich ändern. Auch die Voraussetzungen, die Ausbildungszeit sowie das Gehalt und die Aufgaben stehen derzeit in Diskussion.

Mehr Funktionen

„Wir arbeiten schon seit längerem an einem Reformprojekt für den Schulbetrieb“, teilt Bildungssprecherin Sibylle Harmann über ihre Homepage mit. Davon betroffen sind unter anderem Freizeitpädagogen. Diese sollen künftig nicht mehr „nur“ für die Freizeitgestaltung der Kinder zuständig sein, sondern auch Lehrkräfte im Unterricht unterstützen sowie in der Nachmittagsbetreuung bei den Hausübungen helfen. Mehr Aufgaben bedeuten jedoch nicht automatisch mehr Bezahlung – die Freizeitpädagogen rechnen mit einem Gehaltsverlust von über 10 Prozent.

Unsicherheit

Wie genau die neuen Aufgaben aussehen und welche Anforderungen dafür notwendig sein werden, ist derzeit noch sehr unklar. Und genau diese Unsicherheit bereitet den zahlreichen betroffenen Freizeitpädagogen Sorgen. „Wir wissen nicht, wie die neuen Konditionen aussehen werden“, erzählt Stefan Schwarz, Betriebsrat der Städtischen Tagesbetreuung Graz, im Gespräch.

Das Problem ist, dass österreichweit keiner vom Fach bei der Gestaltung der Reform involviert wurde.

Stefan Schwarz, Betriebsrat der Städtischen Tagesbetreuung Graz

Mögliche Vorteile

Dass die Pädagogischen Assistenten in Zukunft wie Lehrer bei der Bildungsdirektion angestellt sein sollen und dadurch besseres Personalmanagement möglich sein wird, soll laut Bildungsdirektorin Hamann ein großer Vorteil sein. Auch die Arbeit am Vor- und Nachmittag sowie die fixe Anstellung an einem Standort soll den Beruf attraktiver machen. „Es gibt sicher positive Aspekte dabei. Das Problem ist, dass österreichweit keiner vom Fach bei der Gestaltung der Reform involviert wurde“, so Schwarz.

Angst vor Jobverlust

Viele Freizeitpädagogen haben Sorge, durch die neue Reform ihren Job zu verlieren. Grund dafür sei beispielsweise, dass fortan die Matura Voraussetzung für diesen Beruf sein soll. Würde dies auch für Freizeitpädagogen gelten, die derzeit ohne Matura diese Arbeit ausüben, würden in der Steiermark laut Schwarz rund 30 Prozent der Pädagogen wegfallen – in Wien sollen es sogar etwa 70 Prozent sein.

Mitbestimmung

Österreichweit fordern Freizeitpädagogen ein Mitspracherecht bei der Gestaltung des neuen Berufsbildes. In Graz – und vielen anderen Hauptstädten – trifft man sich daher am 15. Juni zu einer öffentlichen Betriebsversammlung in der Innenstadt. „Wir wollen auf uns aufmerksam machen und informieren“, so Schwarz. Ein Protest sei in der Steiermark derzeit (noch) nicht geplant.

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