Christopher Drexler: „Unsere Werte sind ständig bedroht“

weekend: Herr Landesrat, Sie haben kürzlich Ihren Fünfziger coronabedingt nachgefeiert. Hält man bei einem runden Geburtstag auch als Politiker inne?
Christopher Drexler: Natürlich ist es ein bemerkenswertes Datum. Ich erinnere mich gut an den Fünfziger meines Vaters. Damals habe ich mir gedacht, dass das ein weit fortgeschrittenes Alter ist. Man selbst glaubt freilich immer, dass man noch zu den Jungen gehört. Aber es ist mir auch erstmals intensiver der Gedanke der Endlichkeit gekommen.

weekend: Sie haben bei Ihrer Ansprache gesagt: Wenn der Tag kommt, an dem mich die Politik nicht mehr interessiert oder Freude bereitet, würde ich sofort aufhören. Was käme danach?
Christopher Drexler: Ich habe Gott sei Dank genug Interessen, mir auch ein anderes Leben vorstellen zu können. Es ist zwar für eine Karriere als Rechtsanwalt zu spät, aber es ist nie zu spät, ein guter Historiker zu werden. Das würde mich schon sehr reizen.

weekend: Welche Epoche interessiert Sie besonders?
Christopher Drexler: Spannend finde ich die Zeiten, in denen große Transformationen stattgefunden haben. Beispielsweise das Ende des Römischen Reich und die Überganszeit zum Mittelalter. Aber auch das Zeitalter der Aufklärung. weekend: Haben wir den Prozess der Aufklärung schon abgeschlossen? Christopher Drexler: Die auf der Aufklärung basierenden Errungenschaften und Werte sind ständig bedroht. Derzeit definitiv stärker.

weekend: Auch in Österreich?
Christopher Drexler: Österreich gehört sicher zu den am besten funktionierenden Demokratien. Insofern sind die Diskussionen, die es hier gibt, nur Teildebatten auf hohem Niveau.

Christopher Drexler

weekend: Manche sehen dennoch durch die Corona-Maßnahmen ihre Freiheit und die Grundrechte gefährdet. Zu Recht?
Christopher Drexler: Es kann im Einzelfall zu Recht sein. Grundsätzlich hat die österreichische Verfassung auch in der Corona-Zeit gezeigt, dass sie krisenfest ist. Jede einzelne Entscheidung wurde vom Verfassungsgerichtshof überprüft und manches wurde auch aufgehoben. Wir leben wohl in einem der best entwickeltsten Rechtsstaaten der Welt.

weekend: Kommen wir noch einmal auf Ihr Fest zurück: Der Bundeskanzler sagte dort in seiner Laudatio über Sie: „Es ist faszinierend, dass jemand, der so gescheit ist, am Abend so lange picken bleiben kann.“ Was kann er gemeint haben?
Christopher Drexler: (lacht) Damit hat er wahrschein- lich das eine oder andere gemeinsame Erlebnis gemeint. Vielleicht jenes, als wir uns nach einem Bundesparteitag zu späterer Stunde noch in der Passage am Ring begegnet sind.

weekend: Also arbeitet man manchmal auch bis spät in die Nacht?
Christopher Drexler: Ja, Arbeit kann sehr kommunikativ sein und auch im Wirtshaus stattfinden.

weekend: Wie ist generell Ihr Verhältnis zum Kanzler?
Christopher Drexler: Sehr gut. Er fasziniert mich in seiner Strukturiertheit und Entschlossenheit. Ich glaube, dass er entlang der Kanzlerpersönlichkeiten in einem Atemzug mit Bruno Kreisky und Leopold Figl zu nennen sein wird.

Christopher Drexler

Ich glaube, dass er in einem Atemzug mit Bruno Kreisky und Leopold Figl zu nennen sein wird. – Christopher Drexler über Bundeskanzler Sebastian Kurz

weekend: Man sagt Ihnen nach, ein liberaler, weltoffener Mensch zu sein. Wie geht es Ihnen da mit der Migrationspolitik des Kanzlers?
Christopher Drexler: Man darf Weltoffenheit und Liberalität nicht mit Naivität verwechseln. Wir können durch ein unkontrolliertes Öffnen der Grenzen nicht alle Probleme der Welt lösen. Dann haben wir die Menschen in Europa, aber die Probleme der Welt bleiben bestehen. Und das halte ich für einen entscheidenden Gedanken.

weekend: Kommen wir in die Steiermark. Die Steiermark-Schau läuft noch bis Ende Oktober. Können Sie schon eine erste Bilanz ziehen?
Christopher Drexler: Trotz Pandemie, trotz Lockdown und aller Widrigkeiten haben wir das Projekt durchgezogen. Darauf bin ich sehr stolz. Das ist auch ein Zeichen von Krisenresilienz.

weekend: Das Landesbudget wird in den nächsten Jahren sehr angespannt sein. Wie stark betrifft das Ihre Ressorts Kultur und Sport?
Christopher Drexler: Kultur und Sport waren besonders Leid- tragende. Da wird es sicher keine Budgetkürzugen geben. Es gilt jetzt vielmehr, die Menschen wieder zum Sport und zur Kultur zu bringen.

Autor: Robert Eichenauer, 30.09.2021