Salzburg: Zahlt sich eine Ski-Saisonkarte heuer aus?

weekend.at: Herr Egger, wir fragen einmal ganz direkt: Würden Sie sich an unserer Stelle diesen Winter eine Ski-Saisonkarte zulegen?

Egger: Die Antwort lautet ganz klar „Ja“. Bewegung im Freien stärkt das Immunsystem und gerade das Skifahren eignet sich ausgezeichnet dafür, um gesund durch diesen herausfordernden Winter zu kommen. Die Salzburger Skigebiete bieten Wintersportlern dafür ein hervorragendes Angebot.

weekend.at: Das heißt, Sie rechnen mit einer durchgängigen Skisaison ohne grobe Einschränkungen?

Egger: Wir hoffen auf eine durchgehende Wintersaison ohne zeitliche Beschränkungen. Um unseren Gästen größtmögliche Sicherheit zu bieten, haben wir ein umfangreiches Konzept für den Skibetrieb entwickelt. Bekannte Premiumprodukte wie die SuperSkiCard mit über 200 gültigen Skitagen wird es aus diesem Grund auch heuer geben.

Wir hoffen auf eine durchgehende Wintersaison ohne zeitliche Beschränkungen.

weekend.at: Sollte das nicht der Fall sein und müssten die Skigebiete im Worst-Case erneut schließen, gibt es für Saisonkartenbesitzer Rückerstattungsmöglichkeiten?

Egger: Die Skigebiete haben aus der vergangenen Saison gelernt und ihre AGB genau unter die Lupe genommen, überarbeitet und neu gestaltet. Das heißt, Rückerstattungsmöglichkeiten für diesen Worst-Case wird es geben. Die unterschiedlichen Regelungen der einzelnen Seilbahnunternehmen wurden im Sinne der Kundenfreundlichkeit angepasst.

weekend.at: Steigen heuer die Preise für Skipässe?

Egger: Wie viele Produkte unterliegen auch Skipässe und Tagestickets einer jährlichen Indexanpassung. Der Preis für die SuperSkiCard wird zum Beispiel um 3,5 Prozent erhöht.

weekend.at: Worauf müssen wir uns in der heurigen Saison einstellen? Sind Prognosen derzeit überhaupt möglich?

Egger: Prognosen lassen sich in der momentanen Situation für Seilbahnen und Skigebiete sowie für die gesamte Tourismus- und Freizeitindustrie nur schwer erstellen. Aber wir sind positiv gestimmt, dass wir unter Einhaltung und Beibehaltung der bereits im Sommer ergriffenen Sicherheitsmaßnahmen einen planmäßigen Skibetrieb bieten können. So wird uns das Tragen der Masken im Stationsbereich und das Einhalten von Abstandsregeln durch den Winter begleiten.

Schmitten-Chef Erich Egger im Gespräch | Credit: wildbild

weekend.at: Welche Maßnahmen sind aktuell geplant, um die Ausbreitung von COVID-19 in den Skigebieten bestmöglich zu verhindern?

Egger: Lift- und Seilbahnbetriebe unterliegen den gleichen gesetzlichen Bestimmungen, die für den gesamten öffentlichen Verkehr in Österreich gelten. In der Lockerungsverordnung der Bundesregierung ist der Betrieb unserer Anlagen dementsprechend geregelt und die vorgeschriebenen Maßnahmen wurden von uns bereits im Sommer umgesetzt. Für ein gutes und sicheres Miteinander im Skigebiet gelten aktuell folgende Verhaltensanweisungen: Das Tragen eines Mund-Nasenschutzes bei allen Seilbahnanlagen sowie zusätzlich bei entsprechend gekennzeichneten Bereichen. Dabei gilt auch der bisher im Wintersport gebräuchliche Schlauchschal. Außerdem gilt es Abstand zu halten, Hygieneregeln sowie Anweisungen der Mitarbeiter zu beachten und natürlich auch, Eigenverantwortung zu übernehmen.

Wie auch in vielen anderen Skigebieten, werden Schmitten-Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit dem Tauernklinikum Zell am See laufend auf COVID-19 getestet. Vor Dienstantritt wird darüber hinaus bei allen Mitarbeitern eine Fiebermessung durchgeführt. Das ist der Status Quo, in Abstimmung mit Politik und Touristik wird laufend an weiteren Maßnahmen und Sicherheitskonzepten für diese Wintersaison gearbeitet.

weekend.at: Wird es eine Gäste-Obergrenze in den Skigebieten geben?

Egger: Das ist aus derzeitiger Sicht nur schwer zu beantworten, da wir nicht wissen, wie sich das Reiseverhalten in den Herkunftsmärkten entwickelt und wie viele Gäste wir in den Skigebieten begrüßen dürfen. Zieht man die Prognosen der Tourismuswirtschaft heran, ist mit einem Minus von 15 bis 20 Prozent zu rechnen. Daher gehen wir nicht von einer notwendigen Kapazitätsbeschränkung aus. Wir bieten unseren Gästen einen ausreichend großen Skiraum, um den nötigen Sicherheitsabstand gewähren zu können und gehen in dieser Wintersaison von einem Kapazitätsvolumen von rund 80 Prozent aus.

Zieht man die Prognosen der Tourismuswirtschaft heran, ist mit einem Minus von 15 bis 20 Prozent zu rechnen. Daher gehen wir nicht von einer notwendigen Kapazitätsbeschränkung aus.

weekend.at: Neben Après-Ski Lokalen sind auch die Hütten in der Hauptsaison meist gesteckt voll. Welche Regelungen sind hier geplant?

Egger: Meine Meinung ist, dass Après-Ski in der altbekannten Form nicht stattfinden kann. Hütten und Restaurants am Berg sind nicht von den Regelungen für Seilbahnen betroffen. Für sie gelten die gleichen behördlichen Auflagen wie für Gastronomiebetriebe im Allgemeinen. Wir befinden uns aber in engem Informationsaustausch mit Wirten und Betreibern und bieten, soweit möglich, unsere Unterstützung an. 

weekend.at: Die Skiopenings sind bereits abgesagt – müssen wir uns auf einen Winter ohne Events einstellen? Oder wird es Veranstaltungen im kleineren Rahmen geben?

Egger: Großevents mit Schlager- und Popstars sowie mehreren Tausend Gästen werden diesen Winter nicht stattfinden. Von den meisten Skiorten wurden die großen Eröffnungsveranstaltungen zwar bereits abgesagt, einige überlegen sich Alternativen und arbeiten an neuen Konzepten.

weekend.at: Abgesehen von den enormen Herausforderungen, was bedeutet diese Ausnahmesaison für die Seilbahnbetreiber wirtschaftlich?

Egger: Wir rechnen schon mit einem wirtschaftlichen Rückgang, der allerdings im Moment nicht bezifferbar ist. Um die wirtschaftliche Situation zu entschärfen, haben wir bei der Schmittenhöhebahn AG, gleich wie viele Branchen-Kollegen, größere Investitionen auf einen späteren Zeitpunkt verlegt. Unsere größte Herausforderung sehe ich in der langfristigen Erhaltung der Arbeitsplätze. 

Weekend.at: Ischgl wurde weltweit an den Pranger gestellt. Befürchten Sie einen Imageschaden für die österreichischen Skigebiete?

Egger: Allgemein rechnen wir nicht mit einem allzu großen Imageverlust! Wir haben auf die Situation reagiert und Maßnahmen gesetzt, um das Vertrauen der Gäste wiederherzustellen. Prinzipiell möchte ich zu verstehen geben, dass den Skigebieten medial zum Teil Unrecht getan wurde, da auch im Zuge anderer Großveranstaltungen – wie bei Karnevalsumzügen – erhebliche Ansteckungen erfolgten. Das hat aber bei weitem nicht so ein Medieninteresse geweckt, wie es bei Ischgl der Fall war.

weekend.at: Kommen wir zu den positiven Aspekten: Auf welche Highlights und Neuheiten dürfen wir uns in Zell am See-Kaprun diesen Winter freuen?

Egger: Die digitale Welt macht auch vor der Seilbahnbranche nicht halt. So gibt es Online-Shops, eine neue App, den Alpin Card-Navigator, der hilft, sich in dem weitläufigen Skiraum mit mehr als 408 Pistenkilometern zu orientieren. Natürlich wird es auch die beliebten Angebote wie Night Slope, Kinderländer, Skimovie oder den Audi Ski Run wieder geben. Auf der Schmitten kann jeden Donnerstag im Jänner und Februar Wintersport im XL- Format genossen werden: Der Skitag beginnt bereits um 7.00 Uhr früh mit Ski’n’Brunch und endet um 21.00 Uhr auf der Night Slope – das wären dann 14 Stunden pure Skifreude!

 

Zur Person: Erich Egger (*1959) ist Sprecher der Salzburger Seilbahnwirtschaft und seit 2008 Vorstand der Schmittenhöhebahn in Zell am See. Der gebürtige Pinzgauer studierte in Innsbruck BWL und ist privat beim Skifahren, Segeln oder Golfen anzutreffen.

Erich Egger | Credit: Schmittenhöhebahn AG/Wolfgang Lienbacher
Autor: Simone Reitmeier , 25.09.2020