Elixhausen-Coach warnt: Amateurfußball verliert Identität
Inhalt
- Geld als treibende Kraft
- Ehrenamt auf dem Rückzug
- Sponsoren wollen Identifikation
- Klare Forderungen an den Verband
- Elixhausen auf eigenem Weg
- Interview: Christopher Ruprecht (USV Elixhausen)
- Geld und Verantwortung im Amateurfußball
- Ehrenamt und Vereinsidentität
- Strukturen und Forderungen an den Verband
- Prämienmodelle und finanzielle Fairness
Christopher Ruprecht ist kein Außenstehender. Der heutige Spielertrainer des USV Elixhausen steht seit seinem 17. Lebensjahr an der Seitenlinie. Was als Unterstützung im Nachwuchs begann, wurde rasch zur Berufung. Über mehrere Nachwuchsstationen führte ihn sein Weg zurück zu seinem Heimatverein, wo er seit sieben Jahren als Spielertrainer die Verantwortung trägt.
Diese lange Nähe zum Amateurfußball hat ihn sensibel für Entwicklungen gemacht, die ihm zunehmend Sorgen bereiten.
Geld als treibende Kraft
Der Einfluss von Geld sei heute allgegenwärtig, sagt Ruprecht gegenüber weekend.at. „Früher haben Spieler Geld bekommen, die wirklich den Unterschied gemacht haben. Heute fragt fast jeder als Erstes nach dem Verdienst.“ Selbst bei der Aussicht, zwei Ligen höher zu spielen, stehe nicht mehr der sportliche Reiz im Vordergrund.
Viele Vereine hätten zudem verlernt, auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. Statt junge Spieler einzubauen, werde zugekauft, oft aus der Not heraus, um überhaupt einen spielfähigen Kader zusammenzustellen. Für Ruprecht ist das eine Entwicklung, die den Kern des Amateurfußballs aushöhlt.
Ehrenamt auf dem Rückzug
Besonders schmerzt ihn der Verlust des klassischen Vereinsgefühls. „Früher hat der Amateurfußball vom Ehrenamt gelebt“, sagt er. Heute gehe es gesellschaftlich, nicht nur im Sport, in die falsche Richtung.
Für ihn persönlich sei Vereinsarbeit immer selbstverständlich gewesen: gemeinsam Feste aufbauen, Verantwortung übernehmen, Zeit investieren. „Das ist keine Belastung, das macht Spaß. Man lacht, hilft zusammen und bewegt im Ort etwas Positives.“ Doch diese Haltung werde seltener.
Sponsoren wollen Identifikation
Auch wirtschaftlich sieht Ruprecht Folgen. Gerade in kleineren Gemeinden unterstützten Sponsoren lieber Vereine, die auf eigene Spieler setzen. „Wenn man für die eigenen Burschen und den eigenen Ort arbeitet, spüren das die Sponsoren.“ Zu viele Legionäre hingegen erschweren Identifikation, auf und neben dem Platz.
Klare Forderungen an den Verband
Ruprecht hat konkrete Ideen, wie der Amateurfußball stabilisiert werden könnte. Ganz oben auf seiner Liste steht eine eigene Liga für B-Mannschaften, nicht nur für Profiklubs. Ein mehrstufiges System mit Auf- und Abstieg würde leistungsorientierte Nachwuchsarbeit belohnen.
Ebenso wichtig wären U21- oder U23-Ligen, um Spieler aufzufangen, die mit Anfang 20 noch nicht den Sprung in höhere Ligen schaffen. „Viele hören mit 15 oder 16 auf, weil es keine Perspektive gibt“, sagt Ruprecht.
Auch strukturell müsse man mutig sein: eine Liga weniger, dafür höheres Niveau. Zudem fordert er Regeln zur Vereinsbindung, um den ständigen Kaderwechsel einzudämmen.
Elixhausen auf eigenem Weg
Sportlich verlief die Herbstsaison für den USV Elixhausen durchwachsen. Nach dem Aufstieg sei das zweite Jahr erwartungsgemäß schwieriger gewesen. Platz neun sei nicht das Ziel, aber auch kein Grund zur Panik. „Spielerisch gehören wir zu den besseren Teams“, betont Ruprecht.
Interview: Christopher Ruprecht (USV Elixhausen)
Aktuell befindet sich Christopher Ruprecht mit dem USV Elixhausen mitten in der Wintervorbereitung. Für weekend.at nahm sich der Spielertrainer dennoch Zeit und sprach offen über Entwicklungen im Salzburger Amateurfußball, den wachsenden Einfluss von Geld und die Bedeutung von Identifikation und Nachwuchsarbeit.
Können Sie sich kurz vorstellen? Wer sind Sie, seit wann sind Sie im Trainergeschäft tätig und wie hat alles begonnen?
Christopher Ruprecht: Ich bin mittlerweile 30 Jahre alt und habe meine erste Trainerstation schon mit 17 begonnen – damals in Bergheim. Dort habe ich die U9 unterstützt, weil der Trainer jemanden gebraucht hat. Ich habe selbst bei Bergheim gespielt und war dann von der U9 bis zur U13 oder U14 ständig auf dem Platz. Danach bin ich zum Nachwuchs von Straßwalchen gewechselt und habe dort bis zur U16 trainiert. Zurück in Elixhausen war ich zunächst Co-Trainer der Kampfmannschaft und Trainer der U14. Mit 23 wurde ich Spielertrainer – das bin ich mittlerweile seit sieben Jahren.
Geld und Verantwortung im Amateurfußball
Sie sind Spielertrainer und somit Hauptverantwortlicher. Wie stark spüren Sie als Trainer den Einfluss von Geld und finanziellen Erwartungen im Salzburger Amateurfußball?
Christopher Ruprecht: Sehr stark – und es wird immer schlimmer. Früher haben nur die besten Spieler oder jene, die wirklich den Unterschied ausgemacht haben, Geld bekommen. Heute habe ich oft das Gefühl, dass jeder x-beliebige Spieler Geld verlangt. Wenn ich jemanden aus der 1. Klasse anrufe und ihm sage, er kann zwei Ligen höher spielen, fragt er trotzdem als Erstes, was er verdient. Viele Vereine produzieren zu wenige eigene Spieler oder haben nicht den Mut, die eigenen einzubauen. Dann musst du zukaufen, damit du überhaupt auf einen Kader von 18 bis 22 Spielern kommst.
Ehrenamt und Vereinsidentität
Früher lebte der Amateurfußball stark vom Ehrenamt. Glauben Sie, dass dieses Vereinsgefühl irgendwann wieder zurückkehrt?
Christopher Ruprecht: Aktuell geht es in die völlig falsche Richtung – nicht nur im Fußball, sondern gesellschaftlich. Bei mir persönlich ist das Ehrenamt einfach gewachsen: Ich bin im Verein, habe viele Freunde dort, und dann ist es egal, ob du am Wochenende einmal ein Fest aufbauen musst. Dabei ist es nicht nur Arbeit, sondern macht auch Spaß. Man hilft zusammen, lacht, trifft Leute aus dem Ort und kann im Freundes- oder Bekanntenkreis viel Positives bewegen. Wenn wieder mehr Spieler und Funktionäre mit dem Verein verbunden wären, käme dieses Gefühl sicher zurück. Aber es wird leider immer weniger.
Verlieren Vereine Ihrer Meinung nach auch Sponsoren, weil zu viel Geld in Legionäre statt in eigene Spieler investiert wird?
Christopher Ruprecht: Ja, absolut. Natürlich gibt es Sponsoren, die internationale Spieler wollen. Aber in kleineren Orten – wie bei uns – merkst du, dass sie viel eher unterstützen, wenn sie sehen, dass du für die eigenen Burschen und den eigenen Ort arbeitest.
Strukturen und Forderungen an den Verband
Wenn Sie einen Appell an den Verband richten könnten – was würden Sie diesem mit auf den Weg geben?
Christopher Ruprecht: Erstens: Eine eigene Liga für B-Mannschaften – nicht nur für Profivereine, sondern für alle Clubs – mit Auf- und Abstieg zwischen drei Ebenen. Vereine, die stark auf Nachwuchs setzen, wie Kuchl oder Seekirchen, würden in der ersten Liga spielen, andere eher in der dritten. Auch eine U21- oder U23-Liga wäre sinnvoll, damit Spieler, die mit 22 noch kein Regionalliganiveau erreichen, nicht verloren gehen, sondern bei Vereinen aus den unteren Ligen integriert werden. Zweitens: Eine Liga weniger, um das Niveau insgesamt zu steigern – ein Vorbild könnte Oberösterreich sein. Drittens: Regeln für einheimische Spieler und längere Vereinsbindung. Zwei Drittel des Kaders könnten mindestens drei Jahre im Verein bleiben, um den ständigen Kaderwechsel zu stoppen.
Wie beurteilen Sie die bisherige Saison bzw. die Herbstsaison des USV Elixhausen?
Christopher Ruprecht: Ich habe damit gerechnet, dass das zweite Jahr nach dem Aufstieg schwieriger wird. Wir sind schlecht gestartet, in der Mitte lief es okay, und am Ende haben wir leichtsinnige Punkte verschenkt. Wir stehen aktuell auf Platz neun. Für den Verein ist das eine Umstellung – die letzten Jahre ging es immer bergauf. Jetzt müssen wir gemeinsam da rauskommen. Spielerisch gehören wir zu den besseren Teams der Liga. Wir gehen konsequent unseren eigenen Weg – und damit bin ich insgesamt zufrieden.
Glauben Sie, dass der Verband solche Regelungen tatsächlich durchsetzen könnte, oder verhindert die Konkurrenz zwischen den Vereinen eine Umsetzung?
Christopher Ruprecht: Am einfachsten wäre es, wenn der ganze Markt sagt: „Wir zahlen keine absurden Beträge mehr.“ Aber in der Realität sagt jeder Verein, er zahlt weniger – und dann hörst du wieder, dass irgendwo Spieler 700–800 Euro bekommen. Solange einzelne Vereine ausscheren, wird es schwierig.
Prämienmodelle und finanzielle Fairness
Was halten Sie von einheitlichen Prämienmodellen für alle Spieler, etwa einem fixen Betrag pro Punkt plus Trainingsbeitrag?
Christopher Ruprecht: Schwer umzusetzen. Ein 40-jähriger Spieler mit Familie und Kindern kann nicht das Gleiche verdienen wie ein 19-jähriger aus der 2. Mannschaft, der gerade reinschnuppert. Unser Verein ist da aber ziemlich kreativ: Bei uns gibt es zum Beispiel Kantinengutscheine, Fußballschuhe oder andere Benefits. Das funktioniert gut.
Viele Amateurvereine holen Spieler aus dem Ausland, häufig über Spielerberater. Sehen Sie darin eine Gefahr für die Zukunft des Amateurfußballs?
Christopher Ruprecht: Ja, definitiv. Die eigenen Spieler gehen verloren, und dafür kommen teilweise Spieler aus dem Ausland, die sich nicht dauerhaft mit dem Verein identifizieren. Teilweise greifen Vereine auch auf Spieler zurück, die nicht regelmäßig im Training sind, sondern nur zu den Spielen kommen. Das Problem liegt aber auch darin, dass im Nachwuchs viel zu schlecht gearbeitet wird. Vereine, die gezielt in den Nachwuchs investieren – wie Seekirchen oder Kuchl – zeigen, dass es anders geht. Dort sieht man, wie sich Investitionen in die Jugendarbeit auszahlen, nicht nur für den Nachwuchs selbst, sondern auch für die Kampfmannschaft. Allgemein hören viele Spieler mit 15 oder 16 auf, weil es keine Perspektiven gibt. U21-Ligen könnten hier eine echte Chance bieten, da junge Spieler regelmäßig Spielpraxis sammeln und sich Schritt für Schritt weiterentwickeln können.
Auch die Auf- und Abstiegsregelungen waren zuletzt stark umstritten. Wie bewerten Sie diese Situation?
Christopher Ruprecht: Das war eine Katastrophe letzte Saison. Niemand wusste bis zum Schluss, wie es genau aussieht. Das macht Spieler- und Zukunftsplanung massiv schwierig. Ich finde, der Verband braucht eine klare Struktur.