Unwetter-Schäden im Pinzgau: Jetzt drängt die Zeit
- Aufräumarbeiten unter Zeitdruck
- Fünf Brücken in Stuhlfelden zerstört
- Schutzbauten mit Geröll gefüllt
- Die größten Schadstellen im Überblick
Nach den schweren Unwettern im Pinzgau und Pongau läuft am Freitag ein Wettlauf gegen die Zeit. Sintflutartiger Starkregen hatte am Donnerstag kleine Bäche binnen kürzester Zeit in reißende Ströme verwandelt, Muren ausgelöst und enorme Mengen an Geröll und Holz talwärts gerissen.
Besonders schwer getroffen wurden Stuhlfelden und Uttendorf im Oberpinzgau. Am Freitagvormittag bleibt die Lage zwar vorerst trocken, doch bereits für den Nachmittag sind wieder neue Niederschläge möglich. Genau deshalb müssen Schutzbauten, Bäche und Kanäle so rasch wie möglich freigeräumt werden.
Aufräumarbeiten unter Zeitdruck
"Wir sind aktuell intensiv bei den Aufräumarbeiten. Derzeit regnet es nicht und laut Prognose soll es bis in den Nachmittag trocken bleiben. Dann könnten aber wieder neue Niederschläge kommen. Die Zeit drängt also", erklärt Stefan Herbst gegenüber Salzburg24, Katastrophenschutzreferent des Landes Salzburg im Pinzgau.
Die Einsatzkräfte versuchen nun, das kurze trockene Zeitfenster bestmöglich zu nutzen. Bagger und schweres Gerät sind im Dauereinsatz, um Geröll, Baumstämme und Schlammmassen zu entfernen.
Besonders wichtig ist es, die Schutzanlagen und Kanalnetze wieder funktionsfähig zu machen. Sollte neuerlich Starkregen niedergehen, muss das Wasser möglichst ungehindert abfließen können.
Fünf Brücken in Stuhlfelden zerstört
Dramatisch ist die Situation im Stuhlfeldner Ortsteil Pirtendorf. Der Pirtendorfer Bach führte enorme Mengen an Geröll, Gestein und Baumstämmen mit sich. Durch Verklausungen trat er über die Ufer und drückte Wasser und Schlamm in mehrere Wohnhäuser.
Die Wucht der Massen zerstörte insgesamt fünf Brücken. Dadurch sind derzeit 13 Wohnhäuser nicht mehr mit Fahrzeugen erreichbar. Für die Bewohner gibt es momentan nur noch fußläufige Ausweichmöglichkeiten über verbliebene Übergänge.
Am Vorabend mussten 13 Menschen ihre Häuser verlassen. Sechs von ihnen können derzeit noch nicht zurückkehren. In zwei Gebäuden wurden die Keller vollständig mit Wasser und Schlamm gefüllt.
Ein vorsorglich geräumtes Zweifamilienhaus konnte nach der Begutachtung durch einen Geologen wieder freigegeben werden. Nach aktuellem Stand gilt keines der betroffenen Gebäude aus statischer Sicht als einsturzgefährdet.
Schutzbauten mit Geröll gefüllt
In Stuhlfelden konzentrieren sich die Arbeiten derzeit auch auf vier vollständig gefüllte Wildbachsperren. Diese müssen von Geröll, Holz und weiteren Ablagerungen befreit werden, bevor neuer Regen einsetzt.
Allein beim Pirtendorferbach ist ein Schutzbauwerk mit rund 8.000 Kubikmetern Material gefüllt. Das entspricht laut Angaben vor Ort beinahe 100 offenen Standardgüterwaggons.
Noch gewaltiger sind die Mengen am Kötschachbach in Bad Gastein. Dort haben sich in drei Sperren rund 25.000 Kubikmeter Material gesammelt. Das entspräche fast 300 offenen Standardgüterwaggons mit einer Gesamtlänge von mehr als vier Kilometern.
Die Schutzanlagen verhinderten dort offenbar noch größere Schäden. Ohne ihre Wirkung wären in Bad Bruck laut den vorliegenden Informationen massivste Verwüstungen zu erwarten gewesen.
Die größten Schadstellen im Überblick
Am Pirtendorferbach in Stuhlfelden wurden fünf Brücken zerstört und fünf Häuser beschädigt. Die Wildbach- und Lawinenverbauung Salzburg unterstützt bereits bei der Errichtung einer Behelfsbrücke.
In Uttendorf trat der Tobersbach am Unterlauf über die Ufer. Ein Haus am Rand des betroffenen Bereichs wurde beschädigt, außerdem entstanden großflächige Schäden an Feldern und Fluren.
Im Kötschachtal bei Bad Gastein wurden Straßen und weitere Infrastruktur in Mitleidenschaft gezogen. Die dortigen Schutzbauten nahmen enorme Mengen an Material auf.
Auch im Lungau gab es Schäden: In Thomatal verlegten der Schilchergraben und der Pichlgraben die Landesstraße. Dort laufen ebenfalls bereits umfangreiche Aufräumarbeiten.