Nicht nur am Dürrnberg: Kelten lebten auch im heutigen Stadtgebiet
Halleins Geschichte wird gerade neu geschrieben. Was lange vor allem mit dem Dürrnberg verbunden wurde, zeigt sich nun auch im Herzen der Stadt: Neue archäologische Funde belegen, dass sich das keltische Leben nicht nur am Berg abspielte. „Die Funde zeigen, dass parallel zur Siedlung am Dürrnberg auch im Tal eine Siedlung existiert hat, die bis in die römische Kaiserzeit fortbestand und auch einen gewissen Reichtum hatte“, bringt Restauratorin Saskia Stefaniak die neuen Erkenntnisse auf den Punkt.
Umfangreiche Funde
Im Zuge einer baubegleitenden archäologischen Grabung im Jahr 2024 konnten erstmals seit rund vier Jahrzehnten wieder umfangreiche Neufunde in der Halleiner Altstadt dokumentiert werden. Die Ergebnisse übertreffen sowohl in ihrer Menge als auch in ihrer Qualität die Erwartungen und liefern neues Wissen über die Besiedlungsgeschichte Halleins in keltischer und römischer Zeit.
Reiches Inventar
Neben Siedlungsresten wurden insgesamt drei Körper- und fünf Brandbestattungen in Originallage freigelegt. Besonders hervorzuheben ist das Grab eines keltischen Mannes, dessen außergewöhnlich reiches Inventar auf eine gehobene gesellschaftliche Stellung schließen lässt: ein Schwert in Eisenscheide, eine Lanzenspitze, ein Hiebmesser, eine Schere, ein Wetzstein sowie ein Keramikgefäß und eine Fleischbeigabe. Auch eine weibliche Bestattung mit einer kunstvoll gearbeiteten Bronze-Gürtelkette zählt zu den bemerkenswerten Funden.
Bedeutende Talsiedlung
Der Dürrnberg und das heutige Halleiner Stadtzentrum Halleins schon in der Keltenzeit eng verbunden. Die Entdeckungen verändern den Blick auf Halleins frühe Geschichte grundlegend. Sie zeigen, dass sich im Bereich der heutigen Altstadt bereits in keltischer und römischer Zeit eine bedeutende Talsiedlung mit zugehörigen Friedhöfen erstreckte – vom Georgsberg über südliche Terrassen bis in den Bereich des ehemaligen Salzburger Tores.
Neue Bewertung
Die Qualität der Funde entspricht jener der bekannten Gräberfelder am Dürrnberg und belegt, dass auch im Tal Angehörige der sozialen Oberschicht lebten. Frühere Annahmen, die Talsiedlung habe nur eine untergeordnete Rolle gespielt, müssen damit neu bewertet werden. Vielmehr zeigt sich, dass beide Siedlungsräume eng miteinander verbunden waren und die Talsiedlung sogar bis in die römische Kaiserzeit fortbestand.
Forschung, die sichtbar wird
Auch der Erhaltungszustand der Funde ist außergewöhnlich. Viele Objekte wurden bereits während der Ausgrabung professionell gesichert und konserviert. Moderne Methoden wie Röntgenuntersuchungen ermöglichten es, schon vor der Freilegung Einblicke in den Zustand und verborgene Details der Objekte zu gewinnen. Besonders selten sind nachgewiesene organische Reste wie Textilien oder Holz, die wertvolle Hinweise auf das Alltagsleben der damaligen Zeit liefern. Sie erweitern die Forschung rund um den Dürrnberg um wichtige neue Aspekte.
Ein archäologischer Gewinn für Hallein
Von großer Bedeutung ist, dass das gesamte Fundkonvolut von rund 150 Objekten dem Keltenmuseum Hallein geschenkt wurde. Damit bleiben die Funde nicht nur erhalten, sondern auch für Wissenschaft und Öffentlichkeit zugänglich.
„Hallein zählt mit seinen einzigartigen keltischen Funden schon bisher zu den bedeutendsten archäologischen Stätten Europas. Dass nun auch im Herzen der Altstadt keltische Siedlungsspuren entdeckt worden sind, ist ein Meilenstein. Dieser Fund erweitert unseren Blick auf die keltische Siedlungsgeschichte grundlegend und zeigt, dass sich das keltische Leben nicht nur am Dürrnberg, sondern auch im heutigen Stadtzentrum abgespielt hat“, betonte Bürgermeister Alexander Stangassinger bei der Präsentation der Funde die Tragweite der Entdeckung.
Diese werden derzeit wissenschaftlich aufgearbeitet und schrittweise in die Ausstellungen des Keltenmuseums integriert. Für Hallein bedeutet das nicht nur neue Erkenntnisse über die eigene Vergangenheit, sondern auch eine lebendige Verbindung zwischen Geschichte, Forschung und Gegenwart.