Interview: Salzburgs Filmemacher Adrian Goiginger über sein neues Drama „Der Fuchs“

weekend.at: Erzählen Sie uns kurz, worum es in „Der Fuchs“ geht?

Adrian Goiginger: Im Fokus steht ein junger Pinzgauer, der in sehr armen Verhältnissen in der Zwischenkriegszeit mit zehn Geschwistern am Bergbauernhof aufwächst. Seine Eltern können ihn nicht mehr versorgen und geben ihn weg. Als junger Mann wird er dann mit Anschluss an die Wehrmacht als Motorradkurier des Österreichischen Bundesheeres eingegliedert, wo er zu Beginn des Zweiten Weltkrieges einen verletzten Fuchswelpen findet und in das besetzte Frankreich mitnimmt. Sie entwickeln eine innige Freundschaft und er findet den Glauben an die Liebe wieder. „Der Fuchs“ erzählt die wahre Geschichte meines Urgroßvaters Franz Streitberger.

Film "Der Fuchs" | Credit: PAUL SPRINZ/LOTUS FILM

weekend.at: Neben bekannten Schauspielern, wie Karl Markovic und Simon Morzé, haben Sie auch Pinzgauer Burschen gecastet. Inwiefern war das relevant für den Film?

Adrian Goiginger: Simon Morzé wird den jungen Franz Streitberger verkörpern. Die Jugendlichen und Kinder sind durchwegs „Laien-Darsteller“. Der Hinterglemmer Maximilian Reinwald ist mittlerweile neun Jahre alt und spielt meinen Urgroßvater als Kind auf dem Bergbauernhof. Neben einem gewissen Maß an Talent war die Voraussetzung, den Pinzgauer Dialekt authentisch zu beherrschen und vermitteln zu können.

weekend.at: Können Sie uns beschreiben, wie der Alltag am Filmset aussieht?

Adrian Goiginger: Wir sind ein sehr großes Team, was daran liegt, dass historische Filme viel an Kostümen, Technik und Ausstattung voraussetzen. Was diese Produktion einzigartig macht, ist der Fuchs in fast jeder Szene. Bereits vor zwei Jahren haben wir mit Film-Tier-Trainern begonnen, Fuchswelpen aufzuziehen und zu trainieren, damit wir sie optimal einsetzen können. Insgesamt kamen fünf Tiere zum Einsatz. Ähnlich wie bei Dreharbeiten mit Kindern muss mit so wenig Leuten wie möglich gearbeitet und auf die Lautstärke geachtet werden. Zusätzlich machen die vielen Reisen die Dreharbeiten sehr spannend, aber auch anstrengend. Wir sind von der Insel Amrum über Nordrheinwestfalen und Niederösterreich bis in den Salzburger Pongau unterwegs.

Das Team am Set im Pinzgau | Credit: PAUL SPRINZ/LOTUS FILM/GEISSENDÖRFER PICTURES

weekend.at: Wird sich strikt an das Skript gehalten?

Adrian Goiginger: Nein – Improvisation ist alles. Das empfindet sicher nicht jeder Regisseur so. Aber gerade mit Tieren oder Kindern muss man sich anpassen. Ich habe auch in „Die Beste aller Welten“ sehr viel improvisiert. Ich bin generell offen für neue Ideen, Änderungen oder spontane Emotionen. Ich mag es sehr, wenn daraus neue Impulse entstehen.

weekend.at: Ihr Urgroßvater Franz Streitberger ist leider 2017 verstorben. Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit aus seinem Leben. Was war er für ein Mensch und wie alt ist er geworden?

Adrian Goiginger: Ich habe ihn immer als sehr einfühlsam, nett und bodenständig empfunden. Er war bis ins hohe Alter extrem tier- und naturliebhabend. Dennoch hat man gemerkt, wie viel er erlebt hat und ertragen musste. Ein Beispiel: Wir fuhren an dem Bergbauernhof seiner Zieheltern vorbei, und er begann sofort zu schimpfen, wie schlecht sie ihn damals behandelt haben. Obwohl es über 80 Jahre zurücklag, war es für ihn, als wäre es gestern gewesen. Er ist tatsächlich zwei Wochen vor seinem 100. Geburtstag gestorben und war bis dahin geistig voll klar.

Maximilian Reinwald | Credit: PAUL SPRINZ/LOTUS FILM

weekend.at: Wie kamen Sie auf die Idee, die Geschichten zu verfilmen?

Adrian Goiginger: Bei den Besuchen in den Sommerferien in Saalfelden faszinierten mich die Erzählungen aus der Vergangenheit meines Urgroßvaters. Es war schön zu sehen, wie er dabei aufblühte. Bereits im Teenager-Alter war mir klar, irgendwann einen Film darüber zu drehen. Die Geschichte mit dem Fuchs war für mich fast wie ein Märchen und unvorstellbar. Die Tatsache, mit einem wilden Tier so eine Verbindung aufzubauen, ist einzigartig. Mit 17 Jahren konkretisierte sich der Gedanke und ich besuchte meinen Uropa nur noch mit einem Diktiergerät bewaffnet. Nach „Die Beste aller Welten“ fing ich an, Fotos zu digitalisieren und mit Historikern zu sprechen. Neben Militärhistorikern und Andrea Dillinger, der Leiterin des Heimatmuseums in Saalfelden, stammen viele Informationen vom Gründer der Facebook-Gruppe „Historischer Pinzgau“, Rudolf Leo.

Bereits mit zwölf Jahren war ich der festen Überzeugung, Regisseur zu werden.

weekend.at: Ihr Berufswunsch war also immer schon Filmemacher?

Adrian Goiginger: Dieser Gedanke war schon ziemlich früh verankert. Bereits mit zwölf Jahren war ich der festen Überzeugung, Regisseur zu werden. Ich habe alles, was ich mir in den Kopf gesetzt habe, auch zielstrebig verfolgt, was sicher auch an meiner Kindheit liegt. Dabei war nicht immer klar, dass es auch klappt. Immer im Hinterkopf, mir mit 40 nicht vorwerfen zu müssen, es nicht mit vollem Willen und Einsatz versucht zu haben. Dazu muss ich sagen, dass ich wenig Rückschläge und viel Glück hatte. Ab meinem 21. Lebensjahr ging vieles sehr leicht. Einige genauso talentierte Kollegen hatten dieses Glück nicht.

weekend.at: „Die Beste aller Welten“ und „Der Fuchs“ sind beides Dramen, bleiben Sie dem Genre treu?

Adrian Goiginger: Wie gerade im aktuellen Film, sich dauernd mit tiefgründigen Themen und Kriegsgeschichten zu beschäftigen, zerrt sehr an den Nerven. Auf Dauer würde mich das selber zu sehr runter ziehen. Ich arbeite gerade an einem neuen Drehbuch, und zwar wird es diesmal eine Komödie mit Drehstart in frühestens 1,5 Jahren. Ich freue mich schon wirklich sehr darauf.

Autor: Tanja Fürstauer, 29.06.2021