Weltfrauentag in OÖ: Viel Luft nach oben

She works hard for her money. Frauen haben es am heimischen Arbeitsmarkt nicht leicht. Über notwendige Förderungen und nötige Forderungen.
Autor: Conny Engl, 22.02.2022 um 15:30 Uhr

Die Pandemie hat es nochmal deutlich gezeigt: Es sind vor allem die Frauen, die „den Laden am Laufen halten“. Rund 70 Prozent der Beschäftigten in systemrelevanten Branchen wie dem Handel, dem Pflege- und Gesundheitsbereich sind weiblich. Gerade hier dominieren schlechte Bezahlung und mangelnde Wertschätzung. Grundsätzlich arbeiten Frauen im Durchschnitt 46 Tage im Jahr „gratis“, wie der Equal Pay Day aufzeigt.

Arbeitslosigkeit

Die Ironie an der Sache: Frauendominierte Branchen wie Tourismus, Gastronomie und persönliche Dienstleistungen waren während der Corona-Krise auch häufig von Arbeitslosigkeit betroffen. Im Jänner 2020 waren 16.600 Frauen in Oberösterreich arbeitslos, ein Jahr und einige Lockdowns später waren es 21.200. Das Erfreuliche: Stand Jänner 2022 ist die Zahl auf 14.174 gesunken – deutlich unter Vorkrisenniveau.

Förderungen

Die Frauenprogramme des AMS OÖ werden immer mehr genutzt, alleine 2021 verbuchten die Frauenberufszentren rund 2.300 Teilnehmerinnen. Im Rahmen des Förderprogramms „FiT“ besuchten 2.500 Frauen eine „Perspektivenentwicklung“, daraus starteten 164 eine handwerklich-technische Ausbildung.

Forderungen

Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März stellt das Bündnis „Do It Yourself: Frauentag Linz“ Forderungen an die Politik. Darunter etwa die Ausfinanzierung von Gesundheit, Pflege, Soziales und Bildung, eine Arbeitszeitverkürzung auf 30 Wochenstunden bei vollem Lohn, einen Mindestlohn, eine Mindestpension und unbefristetes Mindestarbeitslosengeld in Höhe von 1.700 Euro.

Iris Schmidt, Stellvertretende Landesgeschäftsführerin AMS OÖ, im Weekend-Interview:

Weekend: Was sind derzeit die größten Herausforderungen für Frauen am Arbeitsmarkt?

Iris Schmidt: Frauen sind oft in geringer entlohnten Berufen oder in Teilzeit tätig und in Führungspositionen unterrepräsentiert. Dazu kommen Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen, die vor allem Frauen übernehmen und damit Beruf und Familie vereinbaren müssen.

Weekend: Kommt Frauen der Fachkräftemangel zugute?

Iris Schmdit: Das Potenzial der Frauen am Arbeitsmarkt kann noch besser genutzt werden. Etwa indem junge Frauen bei der Berufswahl nicht nur „typische Frauenberufe“ ins Auge fassen, sondern auch jene im handwerklichen und technischen Bereich, die meist höher entlohnt sind. Beim AMS gibt es viele Informationen für Schülerinnen, für berufliche Wiedereinsteigerinnen oder bei einer Neuorientierung.

Weekend: Ist mittlerweile ein Umdenken seitens der Unternehmen bemerkbar?

Iris Schmidt: Viele Unternehmen haben die wichtige Rolle von Frauen erkannt und entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen. Dass Frauen als Fachkräfte gefragt sind, zeigt das große Interesse namhafter Unternehmen an unserem eJOBmeeting am 10. März speziell für Frauen.

Weekend: Wie wichtig sind arbeitsmarktpolitische Frauenprogramme?

Iris Schmidt: Wichtig ist, Frauen bei Berufswahl und Karriereplanung zu unterstützen, um ihnen bestmögliche Chancen zu bieten und damit den Unternehmen Fachkräfte. Das geschieht unter anderem durch spezielle Ausbildungen und Beratungen für Frauen, um sie ihre Stärken erkennen zu lassen und diese zu fördern.