Rockige „ Saitenhiebe“ auf Corona

Der Linzer Musiker Fr!sh spürte bereits nach acht Wochen der Pandemie einen Drang seine Stimmung in einen Song zu verpacken. „Nach der Dauerbeschallung zu einem einzigen Thema war der Song eine Art Befreiungsschlag. Ich wollte immer eine Dialekt Nummer im Beislrockstil machen. Mit Corona ergab sich die Gelegenheit dazu. Der Text hat sich fast von selbst geschrieben.“ Fr!sh ruft in seiner Hardrock-Nummer zur „Revolution“ auf. „Gemeint ist damit aber kein Aufstand, sondern der Systemkollaps. Corona hat alle anderen relevanten Themen zugedeckt, den ökologischen Kollaps, das Ungleichgewicht in der Welt, wie Arm und Reich bzw. Jung und Alt.“ Der 47-jährige Familienvater sieht vor allem die kommende Generation als Leidtragende dieser „stillen Revolution“. „Eine Revolution, die das System irgendwann einmal implodieren oder explodieren lassen wird.“ Für ihn persönlich hatten Pandemie und Lockdowns ein Umdenken bewirkt. „Ich bin 2019 beruflich umgerechnet dreimal um die Welt geflogen. Jetzt sitze ich in Videokonferenzen. Natürlich ist das nicht dasselbe, aber man kommt drauf, dass man mit viel weniger auskommt.“

https://frsh2.bandcamp.com/track/revolution

 

Augenmaß und Hausverstand haben sich verabschiedet

Mit weniger auskommen, muss auch Simon Wagner von Peu Á Peu, vor allem bei sozialen Kontakten. Der 24-jährige Musiker ist Teil dieser Generation, die Fr!sh anspricht. Wagner vermisst in seiner Dialekt-Rockballade „(Über)Leben“ den Hausverstand und das Augenmaß in der gesamten Krisenbewältigung. „Wenn man heute sieht, dass die Kinder- und Jugendpsychiatrie aus den Nähten platzt, muss man sich Sorgen machen.“ Sorgen macht sich der Gallneukirchner auch um die Demokratie. Zwischen Corona-Hysterie und Corona-Leugnern scheint kein Platz mehr zu sein. „Die Krise spaltet die Menschen noch mehr und dabei wird vollkommen auf die Menschlichkeit und das Miteinander vergessen.“ So heißt es in seinem Song: „Vor lauter Angst ums Überleben, vergisst der Mensch total aufs Leben.“ Mit diesem „Leben“ meint Wagner vor allem die Kultur, die er schmerzlich vermisst. „Es tat schon weh, als man hören musste, dass Kultur nicht systemrelevant sei. Dabei ist sie das zentrale Element, das uns zum Menschen macht.“ 

https://peuapeu.bandcamp.com/releases

Fr!sh

Tags

Autor: Jürgen Philipp, 01.03.2021