Mut tut gut: Bürgermeister Paul Mahr im Interview

Mutig und menschennah – so kennt man den Bürgermeister von Marchtrenk. Was Paul Mahr angesichts Energiekrise und Preissteigerungen fordert und wo die Reise für seine Herzensgemeinde hingehen soll, verrät er im weekend-Interview.
Autor: Conny Engl, 16.09.2022 um 10:30 Uhr

Weekend: Wie beurteilen Sie die aktuelle wirtschaftliche Lage in Marchtrenk?

Paul Mahr: Grundsätzlich gut, aber hinsichtlich Energiekrise doch sehr angespannt. Ich bin täglich mit unseren Leitbetrieben und auch über unser Standortmarketing mit den kleineren Betrieben in Kontakt. Die Auftragsbücher sind bei den meisten voll, aber es zwickt nach wie vor in puncto Personalmangel. Und bei Unternehmen, die nah am Energie-Bereich hängen, ist Nervosität vorhanden, weil nicht klar ist, wo die Reise hingeht.

Weekend: Stichwort Energiekrise und allgemeine Teuerungswelle: Welche Auswirkungen befürchten Sie?

Paul Mahr: Zu befürchten ist, dass Betriebe ihre Produktion einstellen müssen, da sie die erhöhten Preise nicht weitergeben können. Wenn sie etwas erzeugen, das auf jeden Fall einen Verlust darstellt, und noch Mitarbeiter bezahlen müssen – das kann sich nicht ausgehen. Die Regierung beziehungsweise die EU muss ganz dringend etwas unternehmen. Ein paar Gutscheine oder Soforthilfen sind zwar nett, aber nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Man muss auf höchster politischer Seite sofort zusammenrutschen, das Politisieren mit den verschiedenen Lagern ausklammern und in einem Gemeinschaftsakt die gesamte Wirtschaft retten und damit den Menschen helfen. Es darf nicht so weit kommen, dass die Arbeitslosigkeit steigt und das Grundbedürfnis Wohnen und Leben nicht mehr leistbar ist.

Ein paar Gutscheine beziehungsweise Soforthilfen sind schon nett, aber nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. – Paul Mahr, Bürgermeister von Marchtrenk

Weekend: Wechseln wir zu einem positiveren Thema. Was erhoffen Sie sich durch den geplanten Bahnausbau?

Paul Mahr: Noch bessere Verbindungen in den Zentralraum. Wir haben ja viele Arbeitsstätten in der Stadt und versuchen immer noch mehr Arbeitsplätze zu schaffen, da ist der viergleisige Bahnausbau in Marchtrenk natürlich gut. Sehr gut angenommen werden schon jetzt die 150 Fahrrad-Abstellplätze am Bahnhof Marchtrenk. Wenn Bedarf besteht, gibt es die Möglichkeit eines Shuttledienstes mit E-Antrieb.

Weekend: Was zeichnet Marchtrenk aus?

Paul Mahr: Wir wachsen relativ stark, dennoch haben wir nach wie vor die Vorteile einer ‚dörflichen Stadt‘, der Gemeinschaftsgeist ist enorm. Das schätzen sowohl die Betriebe als auch die Bewohner, egal ob jung oder alt. Wir sind auch eine der wenigen Gemeinden mit den meisten öffentlichen Bauten in Vollholzbauweise.

Weekend: Wo sehen Sie Marchtrenk in den kommenden Jahren?

Paul Mahr: Ich wünsche mir, dass es ähnlich positiv weiter geht wie in den letzten sieben, acht Jahren meiner Amtszeit. Dass wir weiter den Mut haben, Unmögliches zu probieren und auch schaffen. Das zeichnet uns aus. Unsere Kommunalsteuer, die wir von vier auf aktuell neuneinhalb Millionen Euro hinaufschrauben konnten, wird weiter steigen. Außerdem wünsche ich mir eine ordentliche Bundesstraße. Da könnte es bereits diesen Herbst eine entscheidende Wendung geben.

Zur Person

Paul Mahr (SPÖ) ist nun das zehnte Jahr Bürgermeister von Marchtrenk. Er hat unter anderem das Standortmarketing eingeführt, eine Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Politik.