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Weekend Magazin

Kommentar: Politisches Long Covid

10.10.2022 um 11:32, Gerhard Gall
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Chefredakteur Gerhard Gall über die Auflösungserscheinungen der Anti-Covid-Partei MFG.

Die MFG – eine Partei in Atemnot, quasi im politischen Long Covid. Ein massives Bröckeln an der Funktionärsspitze und unterirdische Wahlergebnisse bringen sie ins Röcheln. Vom Burgenland bis nach Tirol. Gar nicht zu reden von der Bundespräsidentenwahl. Im Land ob der Enns hat der Steyrer MFG-Chef das Handtuch geworfen und das Bild einer Zerfallspartei gezeichnet. Ein Abgang mit lautem Knall ist der Parteiaustritt des wahlstrategischen Hirns und Mitgründers Gerhard Pöttler. Der Brachialrhetoriker rieb sich an einer Rechnung über 28.800 Euro für Coachings oberösterreichischer MFG-Funktionäre auf. Welche Coachings? Man ist geneigt zu witzeln. Ist es wirklich so aufwändig, der Mundart-Liebhaberin Dagmar Häusler beizubringen, wie man drei gerade Sätze hintereinander formuliert? Oder hat man Obmann Joachim Aigner Geschichtsunterricht verpasst?

Damit es in der bösen Lügenpresse nicht wieder ungute Fake-News setzt, weil unüberlegte Aussagen zur Hitler-Zeit verstörend auf Menschen wirken, die nicht den Alu-hut-Psychos, Corona-Schwurblern, Rechts-Rabiatlern, Verschwörungs-Schwaflern oder anderen geistigen Tieffliegern angehören. Es hat bei den etablierten Parteien aufgrund der Uneinschätzbarkeit anfangs Angst vor der MFG geherrscht. Als hätte man es mit einer Art „Krankensteins Monster“ zu tun. Keine Sorge, diese politischen Glücksritter werden es bald nicht mehr „daschnaufn“. Vielleicht nicht einmal mehr in Höhnhart im Bezirk Braunau, eine der Gemeinden mit der niedrigsten Impfrate Österreichs. Dort haben bei der oö. Landtagswahl im Vorjahr noch 7,4 Prozent MFG gewählt. Selbst in dieser symbolträchtigen Hochburg der Impffeindlichkeit konnte Brunner nur 2,3 Prozent eingefahren. 

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