Kommentar: Streif ja nicht bei der Radlobby an!

Chefredakteur Gerhard Gall über teils absurde Sonderregelungen für Radfahrer.
Autor: Gerhard Gall, 16.05.2022 um 14:33 Uhr

Dass sich eine Politikerin vom Schlage einer Leonore Gewessler der Radfahrer-Lobby andienen wird, war von vornherein klar. Mittlerweile führt der Anbiederungsprozess auf Irrwege, die der Hausverstand der meisten Österreicher nicht mehr nachvollziehen kann. Radfahrer, für die Rotlicht-, Einbahn- und Busspurvorschriften nicht mehr gelten – solche abstrusen Pläne sind angesichts der neuesten Verkehrsstatistik Sprengstoff. 2021 ist die Zahl der im Straßenverkehr verletzten Radfahrer nämlich auf einen Rekordwert von über 9.600 gestiegen. 48 der Opfer starben – eine Steigerung von 25 Prozent. Einer der größten Unfallfaktoren ist gleichzeitig ein blinder Fleck im Gesichtsfeld der Straßenverkehrspolitik.

E-Biker sind mittlerweile für einen dramatischen Anteil am Negativtrend verantwortlich. Die Fakten: 153 Prozent Zunahme bei den Verletzten, der Anteil an den getöteten Radfahrern fast 50 Prozent. Nur 57 Prozent der E-Biker tragen trotz erhöhtem Risiko einen Kopfschutz. Auf gesetzliche Regulierungen wie Kennzeichen-, Versicherungs- oder Helmpflicht wartet man vergeblich, weil sich kein Politiker mit der Lobby anlegen will. Stimmenfang frisst bekanntlich Hirn. Und so bleibt nur zu hoffen, dass es nicht so weit kommt, dass sich die grüne Ministerin Gewessler aufgrund des zu erwartenden steigenden Blutzolls den Spitznamen „Gemetzler“ einhandelt.