Gaming: Zwei Tote bei Absturz von Kleinflugzeug
Am Sonntag zur Mittagszeit kommt es bei Gaming im Bezirk Scheibbs in Niederösterreich zu einem schweren Flugunfall. Ein viersitziges, einmotoriges Kleinflugzeug des Typs Piper PA-28 Archer stürzt am Zellerrain in der Katastralgemeinde Neuhaus ab. An Bord befinden sich vier Personen aus dem Bezirk Amstetten: der 47-jährige Pilot, eine 47-jährige Frau, ein 15-jähriges Mädchen und ein 41-jähriger Mann.
Zwei Tote, zwei Schwerverletzte bei Absturz eines Kleinflugzeugs in Gaming
Für den Piloten und die gleichaltrige Passagierin kommt jede Hilfe zu spät, sie sterben noch an der Unfallstelle. Die 15-Jährige und der 41-Jährige werden schwer verletzt und von Einsatzkräften vor Ort erstversorgt.
Die Maschine startet am Sonntag in der Früh vom Flugplatz Seitenstetten, rund 40 Kilometer von Gaming entfernt. Geplant ist ein Rundflug von Niederösterreich in Richtung Oberösterreich und Salzkammergut. Laut aufgezeichneten Flugdaten fliegt das Flugzeug nach dem Start in Richtung Steyr, weiter über den Traunsee bis nach Nußdorf am Attersee und anschließend retour in Richtung Niederösterreich. Gegen 11.45 Uhr bis 11.50 Uhr stürzt die Piper in der Nähe von Neuhaus bei Gaming ab.
Unglücksstelle in unwegsamem Waldgelände
Die Unglücksstelle liegt am Zellerrain nahe der steirischen Landesgrenze in einem schwer zugänglichen, felsdurchsetzten und steilen Waldgebiet. Das unwegsame Gelände erschwert die Rettungs- und Bergungsarbeiten deutlich. Die Einsatzkräfte müssen sich zu dem völlig zerstörten Kleinflugzeug mitten im Wald vorkämpfen.
Um zu den Verunglückten zu gelangen, legen sie den Zugang mit Kettensägen, Motorsägen und anderem Werkzeug frei. Die Helfer errichten zudem einen behelfsmäßigen Übergang über einen Bach, um zur Absturzstelle zu kommen. Wegen fehlender Handyabdeckung ist die Kommunikation im Einsatzgebiet ausschließlich per Funk möglich.
Großer Rettungseinsatz nach beobachtetem Absturz
Ein Feuerwehrmann beobachtet den Absturz zufällig. Feuerwehrleute, die sich mit einem Einsatzfahrzeug in der Nähe befinden, melden das Unglück und alarmieren die weiteren Einsatzkräfte. Die Florianis versuchen sofort, zu Fuß von der Bundesstraße aus zum Wrack zu gelangen.
Zur Unglücksstelle rückt ein Großaufgebot an Helfern aus. Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienste, Bergrettung sowie zwei Notarzthubschrauber stehen im Einsatz. Insgesamt sind sechs Feuerwehren – Lackenhof, Gaming, Lunz am See, Göstling an der Ybbs, Mitterbach und Mariazell – mit rund neunzig Kameraden und 15 Einsatzfahrzeugen vor Ort.
Die beiden Schwerverletzten werden an der Unfallstelle erstversorgt. Aufgrund des extrem steilen und unwegsamen Geländes können sie nur mit Seilen beziehungsweise mittels Tau geborgen werden. Das 15-jährige Mädchen wird anschließend mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik nach Linz geflogen, der 41-jährige Mann per Hubschrauber in das Spital nach Amstetten transportiert.
Während des kräftezehrenden Einsatzes kommt es zu einem weiteren medizinischen Notfall. Ein Feuerwehrkamerad erleidet einen internistischen Zwischenfall. Er wird vor Ort versorgt und mit einem Rettungshubschrauber in das Landesklinikum Scheibbs gebracht.
Unfallursache noch unklar, Experten ermitteln
Die Ursache des Unglücks ist derzeit unklar. Ein möglicher technischer Defekt steht aufgrund von Geräuschen vor dem Absturz im Raum, bestätigt ist dies aber nicht. Kriminalbeamte der Polizei und staatliche Flugunfallexperten nehmen noch am Sonntag Ermittlungen an der Unglücksstelle auf.
Das Landeskriminalamt Niederösterreich übernimmt die Ermittlungen zur Unfallursache. Die Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes wird in die Untersuchungen eingebunden und ist auf dem Weg zur Unfallstelle, um erste Erhebungen vorzunehmen. Die zuständige Flugunfallkommission muss die Unfallstelle freigeben, bevor mit der Bergung des Flugzeugs begonnen werden kann.
Die verunglückte viersitzige Piper 28 Archer ist auf die Flugunion Seitenstetten-Biberbach zugelassen. Die Präsidentin der Flugunion spricht von einer Tragödie und bezeichnet das Unglück als „ganz große Sch*ße“. Zugleich betont sie, man wisse noch viel zu wenig.