So verändert Corona den Arbeitsmarkt

Ähnlich turbulent und wankelmütig wie das Corona-Infektionsgeschehen, gestaltet sich seit März 2020 auch die Situation auf dem heimischen Arbeitsmarkt: Nachdem der erste Lockdown im Frühjahr des vergangenen Jahres die höchste Arbeitslosenquote seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zur Folge hatte, besserte sich die Lage mit den darauffolgenden Lockerungsmaßnahmen über den Sommer, bevor die Zahlen als Konsequenz des zweiten verordneten Stillstands zum Jahresende wieder auf ein Rekordhoch zusteuerten. Diese beispiellose Achterbahnfahrt hinterließ deutliche Spuren auf dem Jobmarkt und brachte sowohl Gewinner als auch Verlierer hervor.

Strukturwandel

So hat sich beispielsweise die Situation für Geringqualifizierte, Langzeitarbeitslose sowie Jobsuchende der Generation 50 plus noch einmal drastisch verschärft. Verantwortlich dafür ist neben der anhaltenden Krise des Gastgewerbes, das bis dato als eine der wichtigsten Anlaufstellen für Menschen mit niedriger Qualifikation galt, auch ein bereits vor Corona einsetzender Strukturwandel. Letzterer ist etwa durch eine signifikant gestiegene Nachfrage nach höher qualifizierten Mitarbeitern sowie ein Überangebot an Arbeitskräften, auch als Folge der Zuwanderung, gekennzeichnet. Darüber hinaus bekommen Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte aktuell massiv Konkurrenz von jungen Jobsuchenden, was ihre Chancen zusätzlich verschlechtert. Eine hochwertige Aus- und regelmäßige Weiterbildung werden daher für eine erfolgreiche Jobsuche immer bedeutender.

Krankenpflegerin kümmert sich um Patienten im Rollstuhl

Neue Präferenzen

Die derzeitigen Entwicklungen haben ferner zu einem Wandel der Ansprüche unter vielen Arbeitssuchenden beigetragen. Für die meisten von ihnen gelten mittlerweile die Krisensicherheit der Anstellung, umfassende Möglichkeiten für ein Arbeiten im Homeoffice sowie ein gutes Betriebsklima als zentrale Auswahlkriterien. Außerdem boomt die Nachfrage nach Neben-, Wochenend- oder Geringfügigkeitsjobs, die als Überbrückungshelfer für Menschen fungieren, deren Arbeitsplatz der Corona-Krise zum Opfer gefallen ist.

Krisensicher

Während die Corona-Pandemie manche Branchen an den Rand des Ruins getrieben hat, hat sie anderen einen wahren Höhenflug beschert, weshalb zum Beispiel die öffentliche Verwaltung, das Gesundheits- und Sozialwesen, der Bereich Erziehung und Unterricht sowie die traditionell krisenfeste IT-Branche einen erheblich gestiegenen Mitarbeiterbedarf verzeichnen. Zudem werden auch weiterhin händeringend Fachkräfte auf dem Handwerkssektor gesucht. So sind laut Wirtschaftskammer österreichweit allein knapp 1.300 Stellen für Installateure vakant. Wer vor diesem Hintergrund eine Lehre beginnen möchte, sollte sich aufgrund der momentan unsicheren Lage jedoch um mehrere Stellen bewerben und dafür eine Vorlaufzeit von einem guten Jahr einplanen.

Autor: Stefan Kohlmaier, 05.01.2021