Jäger der Kulturschätze

Schatzkammern werden in der Regel mit mittelalterlichen Herrschern, sagenhaften Erzählungen, prunkvollen Museen oder superreichen Oligarchen in Verbindung gebracht. Doch auch zahlreiche normale Privathaushalte beherbergen fantastische Kleinodien, die Besucher in grenzenloses Erstaunen versetzen. Die Rede ist von den beeindruckenden Kollektionen enthusiastischer Sammler, die auf Flohmärkten nach unentdeckten Antiquitäten Ausschau halten, auf Auktionen auf seltene Comics oder Briefmarken bieten oder das Internet auf der Suche nach Schallplatten und Spielzeug durchforsten, um anschließend ihre Errungenschaften in ihren eigenen vier Wänden akribisch zu archivieren.

Pure Leidenschaft

Während das Sammeln in früheren Zeiten (17. Jahrhundert) noch als eitel und selbstsüchtig verschrien war, entwickelte es sich im Windschatten der Industrialisierung in westlichen Industrieländern zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung. Heutzutage werden Menschen jeglichen Lebensalters und unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund von der Sammelleidenschaft gepackt. Viele schätzen dabei den entspannenden Effekt, der von dieser Tätigkeit ausgeht, die zudem jeden Anflug von Langeweile im Keim erstickt. Nicht wenige nutzen sie darüber hinaus zur persönlichen Weiterbildung, indem sie ihr Spezialwissen über ihre Sammelobjekte beständig erweitern sowie den regelmäßigen Austausch mit Gleichgesinnten suchen. In vielen Fällen fungiert übrigens ein Geschenk als Initialzündung für ein lebenslängliches Sammelfieber.

Musikliebhaber

Davon weiß auch der bekannte Kärntner Pressefotograf Gerd Eggenberger ein Lied zu singen. Ursprünglich sollte ihm der kaputte Plattenspieler, den er in jungen Jahren geschenkt bekam und eigenhändig wieder instand setzte, lediglich dabei behilflich sein, seiner Lieblingsmusik in bestmöglicher Qualität zu lauschen. In weiterer Folge entwickelte er jedoch eine glühende Leidenschaft für die Tonträger aus Vinyl, die seit den 1960er-Jahren nicht erloschen ist. Von diesem Zeitpunkt an baute sich Eggenberger eine imposante Sammlung auf, die in der Zwischenzeit auf über 40.000 Platten sowie CDs angewachsen ist und zahlreiche Raritäten und Kuriositäten beinhaltet: beispielsweise Udo Jürgens-Alben aus Japan, Südafrika und Venezuela. Auf manchen Singles stellen bekannte Namen der heimischen und internationalen Musikszene wiederum ihre Fremdsprachenkenntnisse unter Beweis. Etwa wenn Mick Jagger „As tears go by“ auf Italienisch anstimmt, Johnny Cash einen deutschen Klassiker trällert oder Reinhard Fendrich „Macho Macho“ in stilechtem Spanisch zum Besten gibt. Aktuell beschäftigt sich Gerd Eggenberger zudem mit der Digitalisierung seines gigantischen musikalischen Fundus, wodurch er bereits über 122.000 Titel auf Knopfdruck verfügbar hat.

Das Kind im Mann

Manche Sammler werden wiederum von dem Wunsch angetrieben, ihre Objekte für die Nachwelt zu bewahren und selbiger zugänglich zu machen. Dazu zählt zum Beispiel der Gmündner Kaufmann Johannes Krämmer, der für die Kulturinitiative Gmünd unter anderem als Kunstvermittler tätig ist und seine Vision eines eigenen Spielzeugmuseums verfolgt. Dort möchte er seine mehr als 10.000 Spielzeuge ausstellen, die er seit 1999 zusammengetragen hat. Seine Kollektion erweckt augenblicklich das Kind in jedem Besucher zum Leben und erinnert an eines der glanzvollen Spielzeuggeschäfte aus den glorreichen Tagen der großen Einkaufszentren in internationalen Metropolen: Kunstvoll gestaltetes Blechspielzeug und ganze Flotten von Matchbox Autos füllen meterhohe Regale, Tretautos sowie Kinderfahrräder reihen sich an Carrera Rennbahnen und Flipperautomaten und authentisches Werbematerial sowie außergewöhnliche Modelle ziehen bewundernde Blicke auf sich. Für Krämmer repräsentieren seine Exponate vor allem einen emotionalen Wert, da sie ihm abertausende glückliche Stunden und unzählige liebenswerte Begegnungen mit Gleichgesinnten bescherten. Außerdem betrachtet er Spielzeuge als Kulturgüter, die die abwechslungsreiche Geschichte der Menschheit widerspiegeln und uns an unsere unbeschwerte Kindheit erinnern. Es sind diese immateriellen Werte, die er kommenden Generationen in seinem Museum näherbringen möchte.

Autor: Stefan Kohlmaier, 31.01.2022