Plastische Chirurgie: Erste Kassenstelle für Kärnten

Brustvergrößerungen, Lippenaufspritzen, Facelifting, Fettabsaugungen – wenn die Rede von plastischer Chirurgie ist, haben viele Menschen nur diese Bilder im Kopf. Dass die Kunstfertigkeit dieser Ärzte jedoch viel ausgeprägter ist, als die Körper an das vorherrschende Schönheitsideal anzupassen, das weiß die Klagenfurter Medizinerin Barbara Zink aus eigener Erfahrung: "Rund 60 Prozent unserer Eingriffe sind keine Schönheitsoperationen, sondern rekonstruktive, also nicht ästhetische Operationen. Die Entfernung von Hauttumoren gehört hier genauso dazu wie die Behandlung von angeborenen Fehlbildungen, unter denen viele Betroffene nicht nur körperlich, sondern auch seelisch leiden." Ebenso gehört das Wiederherstellen von Form und Funktion nach Unfällen, Infektionen oder Tumorerkrankungen zum Spektrum der plastischen Chirurgie. Eine Vielzahl dieser Eingriffe wird von den Krankenkassen übernommen, wenn die Betroffenen den Kriterien entsprechend einen medizinischen Grund nachweisen können.

Dr. Barbara Zink | Credit: Patrick Connor Klopf

Warten auf Entscheidung

Nach einem niedergelassenen Chirurgen sucht man daher österreichweit vergebens. Das soll sich nun ändern, in Kärnten ist die Eröffnung der ersten Kassenstelle für plastische Eingriffe geplant. Zink: "Die Verankerung einer Kassenstelle in der neuen Gesetzesverordnung ist standespolitisch ein sehr wichtiger Schritt. Seit zwei Jahren läuft bereits die Beantragung einer solchen Einrichtung, die Entscheidung zieht sich jedoch aufgrund der Pandemie-Geschehnisse noch etwas hin." Dass eine solche Kassenstelle nicht nur für PatientInnen einen Vorteil hätte, sondern auch für die gesamte Branche, liegt laut Barbara Zink auf der Hand: „Die Schwerpunktkrankenhäuser würden entlastet werden, die Dezentralisierung würde für den PatientInnen den Zugang zum Chirurgen erleichtern.“

Nicht nur schön

Nasenkorrekturen, Augenlidkorrekturen oder auch Brustvergrößerungen und -verkleinerungen sind aber nicht immer reine "Schönheitseingriffe", sondern haben allzu oft auch funktionsverbessernde Komponenten. Zu kleine, sehr große oder asymmetrische Brüste etwa können sich einerseits negativ auf die Körperhaltung und andrerseits auch auf die seelische Gesundheit von Frauen auswirken. Eine fehlgebildete Nasenscheidewand kann das Atmen erschweren, hängende Augenlider beschränken das Sichtfeld.

Autor: Mirela Nowak-Karijasevic, 17.11.2020