Nachhaltig Shoppen in Kärntens Together Points

Laut eines aktuellen Rechnungshofberichts landen österreichweit jährlich knapp 791.000 Tonnen an Lebensmitteln in der Mülltonne. Dieses unvorstellbare Ausmaß der Verschwendung entspricht ca. 70.000 brechend vollbeladenen LKW sowie einer Menge an Nahrungsmitteln, mit denen man die Bevölkerung Tirols und Vorarlbergs ein ganzes Jahr lang verköstigen könnte. Trauriger Spitzenreiter dieser beschämenden Statistik sind die privaten Haushalte, die für 206.990 Tonnen verantwortlich zeichnen.

Gegenbewegung

Eine stetig wachsende Zahl an Menschen zeigt sich über diese massive Ressourcenverschwendung jedoch empört und möchte aktiv dagegen vorgehen. Zu ihnen zählt auch die junge Rosentalerin Julia Petschnig, die eigens dafür den Verein „Together“ aus der Taufe gehoben hat. Dieser hat es sich auf die Fahnen geschrieben, Güter aller Art vor einem vergeuderischen Ende auf der Müllkippe zu bewahren, das Bewusstsein für einen nachhaltigen Konsum zu schärfen sowie ein solidarisches Miteinander als Alternative zu einem egoistischen Konkurrenzdenken zu fördern.

Ich würde es mir wünschen, wenn sich mehr Menschen, die es sich leisten können, sozial engagieren und somit peu à peu zu einer nachhaltigeren, gerechteren Gesellschaft beitragen würden. (Julia Petschnig/Gründerin des Vereins Togehter)

Together points

Auf operativer Ebene betreibt der Verein dafür an mittlerweile 11 Standorten (in Völkermarkt, St. Veit, Klagenfurt, Ferlach, St. Jakob, Villach, Maria Saal und Spittal) sogenannte „Together points“. Hier wird von Lebensmitteln über Kleidung bis hin zu Gütern des täglichen Bedarfs (Hygieneartikel, Spielzeug, Bücher etc.) eine breite Palette an qualitätsvollen gebrauchten sowie teilweise neuwertigen Waren angeboten, die von Unternehmen oder Privatpersonen gespendet wurden. Während Lebensmittel gratis oder gegen einen freiwilligen Obolus bezogen werden können, sind die Preise für die restlichen Produkte das Endergebnis eines individuellen Verhandlungsprozesses. Dabei wird jedoch ebenfalls darauf geachtet, dass die Schwelle der sozialen Verträglichkeit nicht überschritten wird. Davon profitieren einerseits sozial benachteiligte Menschen und wird andererseits ein nachhaltiges, regionales Kreislaufwirtschaftssystem etabliert.

Rundgang durch den Klagenfurter Together Point in der Laudonstraße

Buntgemischt

So bunt wie das Sortiment der Together points fällt auch ihre Kundschaft aus. Eine soziale Bedürftigkeit stellt nämlich keine Voraussetzung für einen Einkauf dar. Und so frequentieren sie auch viele Menschen, die den dahinterstehenden, komplett mithilfe von Spenden sowie Verkaufserlösen finanzierten Verein monetär unterstützen möchten, und dafür nicht selten auch eine Mitgliedschaft (ab 12 Euro/Jahr) erwerben. „Uns ist es besonders wichtig, eventuell Not leidende Menschen nicht zusätzlich zu stigmatisieren. Außerdem ist es uns ein Anliegen, in unseren Geschäften Angehörige unterschiedlicher sozialer Schichten in Kontakt zu bringen,“ erläutert Julia Petschnig die diesbezügliche Philosophie ihres Vereins. Vor jeder ersten Shopping-Tour ist lediglich ein Haftungsausschluss zu unterzeichnen, wodurch sich die Kunden dazu verpflichten, sich vor dem Gebrauch abgelaufener Lebensmittel noch einmal persönlich über deren Genießbarkeit zu vergewissern.

Expansion

Da das Konzept der Together points großen Anklang findet, allein die Niederlassung in der Klagenfurter Laudonstraße 2 wird täglich von 60 - 80 Personen aufgesucht, befinden sich derzeit weitere Standorte in Planung (z.B. in Graz, Viktring, Velden und Hermagor). Weiterführende Infos finden sich unter: www.act2gether.at

Autor: Stefan Kohlmaier, 12.10.2021