Mutter & Managerin: Rolle der Frau gestärkt

Drei von vier AbsolventInnen des größten privaten Erwachsenenbildungsinstitutes in Österreich, der Vitalakademie mit sieben Standorten und 5.000 StudentInnen jährlich, sind Frauen. Gemäß einer aktuellen Studie der Universitätsklinik Innsbruck unter der Leitung von Universitäts-Professor Dr. Alex Hofer sind Frauen von der Covid-19-Pandemie stärker betroffen als Männer. 30 Prozent der 800 Studienteilnehmerinnen und Teilnehmern gaben an, mehr Alkohol und Suchtmittel zu konsumieren als vor der Pandemie. Das ist nach Einschätzung des Leiters der Psychiatrie 1 der Uniklinik Innsbruck ein alarmierendes Signal. Mehrfachbelastungen durch Familie, Kinder, Beruf würden das Bild verstärken und zusätzlich auf engsten Raum – Stichwort Homeoffice – projizieren. Wie können Bildungsinstitute, die die Gesellschaft in einem erheblichen Maße mitprägen, diesem Trend gegensteuern? Dazu baten wir Mag. Alexandra Schreiner, Leiterin der beiden Vitalakademie-Standorte in Klagenfurt und Graz, Ernährungswissenschaftlerin, ärztlich geprüfte Aromapraktikerin und Trainerin für die Österreichische Gesundheitskasse für das Programm „Richtig essen von Anfang an“ (Workshops für Schwangere und Stillende zur richtigen Ernährung von Babys und Kleinkinder) zu einem Gespräch.

Alexandra Schreiner ist dreifache Mutter | Credit: Vitalakademie

Welche Veränderungen haben Sie als Leiterin eines Erwachsenenbildungsinstitutes durch die coronabedingte neue Situation erfahren?
Alexandra Schreiner: Jede Veränderung ist zunächst eine Chance. Wir haben an der Vitalakademie zu Beginn des Lockdowns, in enger Abstimmung mit den Behörden, innerhalb von drei Tagen alle Präsenzkurse für insgesamt 1.500 Teilnehmer auf Online-Kurse umstellen müssen. Diese Herausforderung lehrte uns Flexibilität in besonderem Maße. Jene Flexibilität und die Chancen, die aus dieser Veränderung erwachsen, geben wir an unsere Kursteilnehmer weiter. Wir wollen gerade in dieser schwierigen Situation nicht nur Wissen vermitteln, sondern den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch das mentale und praktische Rüstzeug mit auf den Weg geben, diese Situation, die uns noch länger begleiten wird, nicht nur gut, sondern besser zu bewältigen.

Haben sich aus der Situation heraus neue Kurse ergeben?
Alexandra Schreiner: Ein praktisches Beispiel, wie wir mit veränderten Situationen positiv umgehen: Das Streaming eines Web-Seminars auf Zoom Live war während des Lockdowns an der Tagesordnung und hat wie jede Technologie, die sich am Markt durchsetzt, für den Menschen auch Vorteile. Diese neue Technologie behalten wir nun bei der Rückkehr der Präsenzkurse bei. Wir kombinieren das Bewährte mit dem Neuen. So ist die Ausbildung zur Diplomierten Berufs- und Sozialpädagogen die erste duale Ausbildung in dem Sinn, dass Lehrinhalte, die besser virtuell transportiert werden können, über Zoom Live in die Homeoffices der Teilnehmer übertragen werden und jene Inhalte, die besser in einem persönlichen Gespräch übermittelt werden, über Präsenzkurse vermittelt werden. Die Ausbildung zum Berufs- und Sozialpädagogen ist ein Mikrokosmos für die Situation als Ganzes. Wir lehren Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Arbeit mit der älteren Generation und die Arbeit mit Migranten. Die Absolventen schulen nicht nur ihre eigenen Ressourcen und Kompetenzen, sondern können die erlernten Techniken an Menschen in ihrem Umfeld, angepasst an die jeweiligen Rahmenbedingungen, weitergeben.

Ist das Homeoffice eine gute Schule für das Leben?
Alexandra Schreiner: Das Homeoffice lehrt mit Gewissheit Toleranz und Rücksichtnahme auf die Mitbewohner. Das ist gut auf die Gesellschaft als Ganzes übertragbar. Das Homeoffice lehrt mit Sicherheit Flexibilität und vernetztes Denken und Handeln. Ein Umstand, den viele Unternehmen bereits erkannt haben. Die Flexibilität der Arbeitszeit war gestern. Die Flexibiltät des Arbeitsortes ist heute. Die Flexibilität zu einer gesellschaftlichen Weiterentwicklung steht aus meiner Sicht bereits vor der Türe. Diese neue Flexibilität nutzt den Frauen. Frauen sind von Natur aus flexibel. Viele Frauen konnten diese Rolle bereits gut annehmen. Die Rolle der Frau in der Gesellschaft als Mutter und Managerin wurde gewiss gestärkt.

Autor: Mirela Nowak-Karijasevic , 15.09.2020