Talenteschmiede für Höhenflieger

Wenn sich in drei Jahren am Wörthersee die Hangartüren für einen originalgetreuen Nachbau des leistungsstärksten Flugboots der ehemaligen k. u. k. Kriegsmarine öffnen, findet ein Vorhaben seinen krönenden Abschluss, das wie kaum ein zweites die schöpferische Kraft der Visionen verkörpert. Die Umsetzung dieses Mammutprojekts wird nun schon seit acht Jahren von dem Gründer und Geschäftsführer des Klagenfurter Projekt- und Entwicklungsunternehmens VISIONÆR, Walter Krobath, hingebungsvoll vorangetrieben. In Kooperation mit fünf Kärntner Schulen (HTL Klagenfurt, HTL Villach, HTL Wolfsberg, HTL Ferlach, Fachberufsschule Wolfsberg) und unterstützt von zahlreichen Sponsoren aus Wirtschaft und Politik, verfolgt er seit 2013 ein äußerst ehrgeiziges Ziel: den Bau einer Rekonstruktion des historischen Flugboots R1 auf Basis authentischer Konstruktionspläne, die zudem voll flugfähig sein soll.

Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme des originalen R1-Flugbootes der k. u. k. Kriegsmarine

Potenzialförderung

Krobath versteht die Unternehmung vor allem als Initiative zur Potenzialförderung. Junge Menschen sollen durch ihre Beteiligung an einem sinnstiftenden Projekt im wahrsten Sinne des Wortes dazu beflügelt werden, Tätigkeitsfelder zu entdecken, die sie mit Leidenschaft erfüllen, und den Visionär in sich zu entfachen. Außerdem sollen die Schüler praxisorientiert in wertvollen Kompetenzen wie Logisches Denken, Projektplanung, Teamwork oder Digitalisierung unterrichtet sowie mit Vertretern führender heimischer Wirtschaftsbetriebe in Kontakt gebracht werden. Letztere suchen bekanntermaßen händeringend gut ausgebildete, motivierte Mitarbeiter.

Leidenschaft

Pro Schuljahr arbeiten drei bis fünf Schüler an der Fertigstellung des Flugboots und gehen dabei mit einem bemerkenswerten Feuereifer zu Werke. Viele von ihnen investieren bis zu 600 Arbeitsstunden in das Projekt und opfern dafür auch weite Teile ihrer Freizeit, was den Projekt-Initiator mit Stolz erfüllt. Er verfolgt daher auch mit großem Interesse den weiteren Karriereweg seiner ehemaligen Teammitglieder. Nicht wenige von ihnen haben beeindruckene Laufbahnen in international agierenden Top-Konzernen wie Glock, Infineon oder Airbus eingeschlagen und bleiben dem Projekt, das von Maturaklasse zu Maturaklasse weitergegeben wird, treu verbunden. Ein großer Dank gebührt laut Walter Krobath zudem dem engagierten Lehrpersonal, das ebenfalls unzählige Stunden seiner freien Zeit der Projektumsetzung geopfert und dabei wieder den idealistischen Schüler in sich zum Leben erweckt hat.

Nahaufnahme des hölzernen Rumpfs der R1-Rekonstruktion im Flur eines Schulgebäudes

Erfindergeist

Darüber hinaus soll das fertiggestellte Fluggerät auch an den positiven Patriotismus der Österreicher appellieren und ihnen sinnbildlich vor Augen führen, welche herausragenden technischen Errungenschaften auf visionäre österreichische Erfinder zurückgehen. „Mit der Entwicklung der Schiffsschraube oder dem ersten Quadrocopter, einem Vorläufer der heutigen Drohnen, haben heimische Techniker Geschichte geschrieben. Ich denke, wir sollten uns stärker von diesen Großtaten der Vergangenheit inspirieren lassen“, erläutert Walter Krobath den historischen Aspekt seines Vorhabens. Mit diesem Ansinnen korrespondiert auch der Umstand, dass die Pläne des originalen R1-Flugbootes aus der Feder des Klagenfurters Josef Mickl stammen, dem in der Landeshauptstadt eine eigene Straße gewidmet wurde.

Inspiration

Zur Bestimmung seiner spektakulären Konstruktion nach einem erfolgreichen Projektabschluss hat sich Walter Krobath auch schon Gedanken gemacht: Er würde sie gerne in einem Museum ausgestellt sehen. Dabei könnte das beeindruckende Stück aviatischer Ingenieurskunst seine Betrachter wahrscheinlich am eindringlichsten darauf aufmerksam machen, wie wichtig ein Blick über den Tellerrand sowie das Einnehmen unbekannter Perspektiven für die Entwicklung zukunftsträchtiger Visionen sind.

Autor: Stefan Kohlmaier, 06.10.2021