Theaterkritik: Best-of Shakespeare bei den Friesacher Burghofspielen

Vor der imposanten Kulisse der Burghofbühne am Friesacher Petersberg wagt sich ein dreiköpfiges Schauspielensemble im Rahmen der heurigen Friesacher Burghofspiele noch bis 21. August an ein kühn anmutendes Unterfangen. Helmut Wachernig, Herbert Marktl und Hannes Grabner bringen unter dem Titel „Shakespeares sämtliche Werke“ – in einer Inszenierung von Robert Notsch – in ca. zwei Stunden ganze 37 Theaterstücke sowie 154 Sonette des legendären britischen Lyrikers auf die Bühne. Was zunächst nach einem strapaziösen Mammutprogramm klingt, entpuppte sich im Laufe des Premierenabends als leichtfüßiges Pointen-Feuerwerk, das die Lachmuskeln sowohl von Shakespeare-Experten als auch -Novizen gehörig trainierte.

Grandiose Schauspieler und kreative Gags

Dies war vor allem das Verdienst des furios aufspielenden Schauspieler-Trios: Die Mimen begeisterten mit einer kreativen Wandlungsfähigkeit sowie einer eleganten Sprachgewalt und banden zudem das Publikum auf unaufdringliche Art und Weise in das Programm ein. Hannes Grabner sorgte darüber hinaus mit einem exzellent vorgetragenen Hamlet-Monolog für den Gänsehautmoment des Abends. Doch auch die Inszenierung konnte mit unzähligen originellen Ideen aufwarten und verdichtete das Oeuvre Shakespeares zu einem amüsanten Highlight Reel: So wurde „Romeo und Julia“ beispielsweise als schriller Ausdruckstanz interpretiert, die Königsdramen mittels eines chaotischen Fußballspiels abgehandelt und „Titus-Andronicus“ als makabre Horror-Kochshow adaptiert. Gelungene Reminiszenzen an Klassiker der Filmgeschichte wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder „Pink Panther“ bewiesen ferner, wie präsent Shakespeares Motive auch in der modernen Unterhaltungskultur noch sind.

Kleine Schönheitsfehler

Als wenig geglückt müssen lediglich das Medley aller 16 Komödien, das überdreht wirkte und für Nichtkenner kaum verständlich war, sowie die banale Reduktion der Sonette auf eine kurze musikalische Einspielung des Beatles-Evergreens „All You Need Is Love“ samt Enthüllung eines Transparents beurteilt werden. Diese kleinen Schönheitsfehler schmälerten den starken Gesamteindruck der Aufführung jedoch nur minimal.

Bewertung

Für eine vergnügliche Achterbahnfahrt durch zahlreiche Meilensteine der Weltliteratur mit talentierten Schauspielern und einer charmant skurrilen Inszenierung vergeben wir vier von fünf möglichen Sternen.

Autor: Stefan Kohlmaier, 22.07.2021