Jardin Wall: Der smarte Wandgarten aus Kärnten

Immer mehr private Gärten werden - auch hier- zulande - regelrecht zugepflastert. Hinzu kommt auch noch die voranschreitende Verbauung von Grünflächen, um Wohnraum zu schaffen. Weniger Pflanzen heißt aber, dass die Anzahl der Hitzetage, die Werte der Feinstaubbelastung und der Lärmpegel steigen. Man geht beispielsweise davon aus, dass sich die Hitzetage in der Landeshauptstadt in den kommenden 80 Jahren verdreifachen werden. Derzeit werden 20 Tage im Jahr mit mehr als 30 Grad Celsius registriert. Wie also das Problem lösen, ohne einen Baustopp zu verhängen? Vertikale Begrünung ist das Zauberwort, das die Situation entschärfen soll und ein Weg, den Länder wie Italien oder Spanien schon lange gehen. Blühende Fassaden und Dächer sollen auch bei uns Hitzeinseln vermeiden. Ideen und Projekte dazu gibt es viele; doch viele sind leider auch mit einem großen Wartungs- und Kontrollaufwand verbunden. Eine bahnbrechende Technologie soll nun von Kärnten aus die vertikale Begrünung revolutionieren.

Die Jardin Wall

Die White Wolf Holding mit Sitz in Klagenfurt hat die "Jardin Wall" entwickelt - ein vertikales Gartensystem, welches die Umweltbedingungen genau analysiert und auf Basis dieser Daten eine automatische und individuelle Versorgung von verschiedenen Pflanzen ausführt. Sensoren der Feuchtigkeit, Temperatur, Luftqualität, des Lichts und Wasserstandes überwachen die einzelnen Elemente der begrünten Fläche rund um die Uhr und können im Notfall Alarm schlagen, wenn doch noch die Hilfe eines Menschen gebraucht wird.

Ständiger Lernprozess

Weil die Daten aller aufgestellten Wände in einer Cloud gespeichert werden, unterliegt das System einem ständigen Lernprozess. "Jardin Wall" ist vollständig modular und in unterschiedlichen Formen und Farben erhältlich. "Dadurch, dass jede Pflanze bzw. jede Box eine eigene Mess- und Versorgungseinheit hat, stellt das System die Bedürfnisse jeder einzelnen Pflanze fest und steuert daraufhin gezielt die Versorgung der einzelnen Pflanze", erklärt der Klagenfurter Manfred Muchar, der als ehemaliger Elektroniker an Bord.

Öffentliche Gebäude

Freilich eignet sich dieses System aufgrund der Kosten (etwa 2.500 Euro/m2) derzeit noch kaum für private Häuser, sehr wohl aber können öffentliche Verwaltungsgebäude, Hotels und innovative Architekten vom Einsatz dieser smarten Begrünungsmöglichkeit profitieren. Vorerst hat man sich auf die Begrünung von Innenwänden spezialisiert.

Autor: Mirela Nowak-Karijasevic, 10.03.2021