Genderchaos in Kärntner Landesregierung

Nachdem ein gendergerechter Formulierungsleitfaden für Verwaltungsbedienstete heftige Kritik hervorgerufen hatte, rudern die Verantwortlichen nun teilweise zurück.
Autor: Stefan Kohlmaier, 16.12.2022 um 14:37 Uhr

Es hätte der ganz große Wurf in Sachen sprachlicher Gleichstellung werden sollen: Ein von LR.in Sara Schaar initiierter Genderleitfaden für den Verwaltungsdienst samt dazugehörigem Wörterbuch für gendergerechte Alternativformulierungen sollte Kärntens Bekenntnis zu Vielfalt, Buntheit, Respekt und Toleranz auch sprachlich abbilden. Da das Nachschlagewerk jedoch so manche kuriose Stilblüte beinhaltete, etwa landwirtschaftliche Beschäftigte (statt Bauer/Bäuerin), Zauberkraft innehabende Person (statt Hexe/Hexer) oder unbemenscht (statt unbemannt), zog das Vorhaben rasch Kritik aus zahlreichen Richtungen auf sich.

Breite Kritik

So konnte etwa die Landwirtschaftskammer der skurrilen Umbenennung der Berufsbezeichnung ihrer Mitglieder – „bei denen es sich um selbständig tätige Unternehmer handelt“ - relativ wenig abgewinnen. Und auch Vertreter der Oppositionsparteien gingen auf die Barrikaden. Erwin Angerer (FPÖ-Landesparteiobmann) forderte etwa eine ersatzlose Streichung des Leitfadens und appellierte an die SPÖ, sich stattdessen der echten Probleme der Kärntner Bevölkerung anzunehmen – beispielsweise der Teuerung und des Asylchaos. Gerhard Köfer (Team Kärnten-Chef) wies ebenfalls auf die Herausforderungen in den Bereichen Energie, Asyl und Klimaschutz hin, deren Bewältigung eine deutlich höhere Priorität genießen müsse. Das Genderwörterbuch ist für ihn eher ein Fall für eine Faschingszeitung oder ein Satiremagazin.

Neues Konzept in Arbeit

An den Verantwortlichen der Landesregierung ist dieser kräftige Gegenwind offensichtlich nicht wirkungslos vorbeigezogen und hatte bereits einen Rückzieher zur Folge. Das besonders kontrovers diskutierte Genderwörterbuch wird eingestampft. An der Umsetzung eines Konzeptes für einen gendergerechten Sprachgebrauch wird allerdings festgehalten, allein schon, um einem VfGH-Entscheid zum Dritten Geschlecht Rechnung zu tragen, wie LR.in Schaar und LH Kaiser betonten.