Erwin Kropfitsch: „Kärntens junge Klassik-Talente müssen stärker unterstützt werden“

Der Obmann des Klangforums Carinthia teilt uns seine Bewertung der heimischen Klassik-Szene mit.
Autor: Stefan Kohlmaier, 20.04.2022 um 15:39 Uhr

Weekend: Was darf man sich unter dem Klangforum Carinthia vorstellen?
Erwin Kropfitsch: Es handelt sich dabei um einen Verein, der sich der generationenübergreifenden Förderung klassischer und experimenteller Musikkunst verschrieben hat und dafür auf drei Ebenen aktiv ist. Zum einen organisieren wir einen ganzjährigen Konzertbetrieb, der dem Publikum hochbegabte Nachwuchsmusiker und spannende Künstler jenseits des Mainstreams auf höchstem Niveau näherbringen soll, zum anderen bieten wir über unsere Sommer-Musik-Akademie attraktive Workshops mit den Dozenten des Johannes Brahms Privatkonservatoriums an. Letzteres wird von uns in den Räumlichkeiten des Stifts Viktring mit der qualitätsorientierten Zielsetzung betrieben, vielversprechende Talente im Alter von 10 bis 18 Jahren optimal auf eine Ausbildung an einer Musikuniversität vorzubereiten.

Weekend: Welche Highlights bekommt das Konzertpublikum 2022 kredenzt?
Erwin Kropfitsch: Wir haben ein buntes Potpourri aus nationalen und internationalen Interpreten zusammengestellt. Am 21. April gastiert beispielsweise das Streichquartett Hugo Wolf Quartett Wien mit einem abwechslungsreichen Programm, das sowohl auf die klassisch romantische Literatur als auch die zeitgenössische Musik Bezug nimmt, im Konzerthaus Klagenfurt. Und am 29. April spannt der kubanische Bassbariton Antoin Herrera-Lopez Kessel im Freskensaal des Stifts Viktring einen faszinierenden Bogen von Klassikern der Opernbühne zu authentisch kubanischem Liedgut. Darüber hinaus stehen zahlreiche Auftritte beeindruckender Jungmusiker auf dem Plan. Etwa des Pianisten Matouš Marek, der 2021 im Großen Saal des Musikvereins Wien vor 1.500 Zusehern ein Franz Liszt-Konzert gegeben hat, des Violinisten und Gewinners des Brahmswettbewerbes Paul Kropfitsch oder des Singer-Songwriters Till Vogelsang, der einen avantgardistischen Crossover-Abend mit dem Jazzpianisten Erik Asatrian bestreiten wird.

Weekend: Wie beurteilen Sie den Status der klassischen Musik in Kärnten?
Erwin Kropfitsch: Unser Bundesland kann eine Reihe junger Musiker vorweisen, die einen beeindruckenden Karriereweg beschreiten und bereits Auftritte mit hochklassigen Orchestern absolviert sowie bei Wettbewerben von Weltgeltung aufhorchen haben lassen. Aufgrund der Pubertät und des oftmals beinharten Konkurrenzdrucks innerhalb des Klassik-Betriebes kommen uns jedoch zwischen dem 16. und dem 18. Lebensjahr viele Schüler abhanden.

Weekend: Welche Spuren hat die Corona-Pandemie in der Szene hinterlassen?
Erwin Kropfitsch: Sie ist dadurch noch bedürftiger geworden. Ich würde mir daher seitens der Politik eine neue Subventionspraxis wünschen, die junge und innovative Künstler sowie Angebote bevorzugt und nicht ausschließlich arrivierte Musiker und Festivals begünstigt.