Schaden über 100.000 Euro: Traditionsbetrieb in Krise
Inhalt
- Vorwurf: Servicekräfte sollen hohe Bargeldsummen abgezweigt haben
- Schlüsselzeugin gesteht und belastet frühere Kollegen
- So soll das System funktioniert haben
- Unternehmenskrise, Insolvenzen und gegensätzliche Aussagen
Ein burgenländischer Bäcker steht im Zentrum eines Gerichtsverfahrens. Mehrere ehemalige Servicekräfte sollen Einnahmen nicht verbucht und so einen Schaden von über 100.000 Euro verursacht haben.
Vorwurf: Servicekräfte sollen hohe Bargeldsummen abgezweigt haben
In Eisenstadt läuft ein Verfahren gegen einen Mann und sechs Frauen aus dem Service eines burgenländischen Traditionsbetriebs. Sie sollen bei Rechnungen getrickst und ihren Arbeitgeber um insgesamt mehr als 100.000 Euro geschädigt haben. Pro angeklagter Person steht für die Jahre 2024 und 2025 ein Schaden zwischen 7.000 und 24.000 Euro im Raum. Bis auf eine Beschuldigte weisen alle die Vorwürfe zurück, für sie gilt die Unschuldsvermutung.
Schlüsselzeugin gesteht und belastet frühere Kollegen
Nur eine 36-jährige Angeklagte legt vor Gericht ein Geständnis ab. Sie räumt Veruntreuung ein und belastet ihre früheren Kollegen im Zeugenstand deutlich. Nach ihrer Aussage ist das gesamte Servicepersonal in das System eingebunden. Sie schildert die beschriebene Vorgangsweise als eingespielte Praxis im Lokal und erklärt, das Service habe an den Umsatzrückgängen des Betriebs mitgewirkt.
So soll das System funktioniert haben
Im Mittelpunkt steht ein elektronisches Bestellgerät, ein „Order-Man“, mit dem Bestellungen aufgenommen und in die Küche weitergeleitet werden. Laut Aussage der 36-Jährigen gibt der Filialleiter bereits bei der Einschulung vor, einen Anteil des täglichen Umsatzes nicht zu verbuchen. Nach ihrer Schilderung stornieren die Kellner Bestellungen nach dem Konsum der Gäste auf dem Gerät. Es wird keine Rechnung ausgedruckt, der zu zahlende Betrag den Gästen nur mündlich mitgeteilt. Das Bargeld fließt nach ihren Angaben am Chef vorbei direkt in die Taschen des Servicepersonals.
Unternehmenskrise, Insolvenzen und gegensätzliche Aussagen
Der betroffene Betrieb ist ein Traditionsunternehmen, das 1933 gegründet wurde. Die Firma meldet Insolvenz an, die Forderungen der Gläubiger belaufen sich auf 300.000 Euro. Nach einem Sanierungsverfahren bleibt die Filiale in Bad Sauerbrunn bestehen, die Standorte in Neudörfl und Mattersburg müssen schließen.
Der Bäcker und Konditor führt im Verfahren gestiegene Energiekosten und Umsatzrückgänge als Gründe für die wirtschaftliche Schieflage an. Zugleich beschreibt er Unstimmigkeiten bei der Kassenlage und verweist auf fehlende Einnahmen im Vergleich zur produzierten Ware. Die Aussagen der 36-Jährigen, wonach das Servicepersonal an den Umsatzrückgängen mitbeteiligt ist, stehen im Kontrast zur Linie des angeklagten Filialleiters. Er erklärt für alle Angeklagten, es sei immer alles korrekt abgelaufen, und betont, ihm sei bei seiner Kündigung kein Grund genannt worden. Für die meisten der Beschuldigten gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Das Verfahren dauert an.