Streif: Shootingstar Franzoni triumphiert in Kitzbühel
Inhalt
- Franzoni behält Durchblick
- Historisches ÖSV-Debakel
- Schwarzenegger, Ibrahimovic, Stenmark im Publikum
- Streckenrekord nicht gebrochen
Giovanni Franzoni hat mit einem Husarenritt auf der Streif das traditionelle Hahnenkamm-Rennen gewonnen und Weltcup-Dominator Marco Odermatt den ersten Abfahrtssieg in Kitzbühel weggeschnappt. Der Italiener triumphierte am Samstag sieben Hundertstel vor dem Schweizer Super-G-Sieger und Maxence Muzaton aus Frankreich (+0,39 Sek.). Die Österreicher erlebten beim Klassiker ein historisches Debakel, Vincent Kriechmayr kam als bester ÖSV-Athlet nicht in die Top 10 (+1,48).
Franzoni behält Durchblick
Franzoni, der auch in den beiden Trainings die Bestzeit aufgestellt hatte, behielt bei diffuser Sicht auf der rasanten Streif den Durchblick und feierte in 1:52,31 Min. seinen zweiten Weltcupsieg nach dem Super-G-Erfolg in Wengen in der Vorwoche. "Unglaublich. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", sagte Franzoni, der im Moment seines größten Erfolges an seinen verstorbenen Ski-Weggefährten Matteo Franzoso dachte. "Ich weiß, dass er stolz auf mich wäre." Damit durchbrach der Italiener, der das Rekord-Siegerpreisgeld von 101.000 Euro (brutto) einstreifte, auch die Schweizer Dominanz in der Abfahrt nach vier Siegen in den ersten vier Saisonrennen.
Historisches ÖSV-Debakel
Aus rot-weiß-roter Sicht fuhr bei der legendären Hahnenkamm-Abfahrt erstmals kein Österreicher in die Top Ten (Kriechmayr war nach 44 Läufern 12.). Außerdem ging die Sieglos-Serie in der Abfahrt weiter, der bis dato letzte Triumph von Kriechmayr in Soldeu im März 2023 ist bereits 1.046 Tage her. Kriechmayr ging die Steilhang-Einfahrt und Traverse laut eigener Aussage "zu taktisch" an, sagte der Vizeweltmeister nach seiner 100. Weltcup-Abfahrt im ORF enttäuscht. "Überall ein bissl was, sehr schade. Ich hätte mir schon mehr vorgenommen." Kriechmayr wird auch die kommende Abfahrt in Crans Montana auslassen, damit er bei Olympia in Bormio "wieder gescheit am Ski" steht.
Raphael Haaser (+1,69) verpasste die Top 15 genauso wie Stefan Babinsky (+2,04), das Duo hatte tags zuvor im Super-G noch die Plätze vier und drei belegt. Daniel Hemetsberger rutschte nach guten Teilzeiten im Lerchenschuss aus, vermied aber einen Sturz.
Schwarzenegger, Ibrahimovic, Stenmark im Publikum
Vor den Augen von etwa 50.000 Zuschauern, darunter internationale Prominenz wie Arnold Schwarzenegger, Zlatan Ibrahimovic und Ingemar Stenmark, legte Franzoni mit Startnummer zwei auf der im Vorfeld entschärften Streif vor. Denn der Sprung in die Alte Schneise wurde noch abgegraben und der Radius um 1,5 Grad reduziert. Athletensprecher Alexis Monney aus der Schweiz hatte die Rennleitung auf eventuell zu weit gehende Sprünge hingewiesen. Im Training waren die Läufer bei Schönwetter über 40 m weit gesegelt.
Streckenrekord nicht gebrochen
Der Streckenrekord (1:51,58 Min.) von Fritz Strobl aus dem Jahr 1997 wackelte auch bei der Fahrt von Super-G-Sieger Odermatt nicht. Der Weltcup-Gesamtführende musste sich am Ende um eine Kleinigkeit geschlagen geben und blieb nach seinem 100. Podestplatz noch länger mit gesenktem Kopf im Zielraum stehen. "Heute gab es für mich nur den Sieg. Alles andere, das wusste ich im Vorhinein, wird eine Enttäuschung sein", sagte Odermatt. Damit blieb dem Ausnahmekönner die goldene Gams auch bei der 86. Ausgabe des Hahnenkamm-Rennens verwehrt. Landsmann Franjo von Allmen, Sieger in Gröden, fuhr ebenfalls lange um den Sieg mit, verpatzte aber die Traverse und verpasste die Top Ten.