Platzsturm: Chaos-Spiel in Frankreich abgebrochen
Inhalt
- Spieler flüchten in die Kabinen
- Nantes-Abstieg bereits besiegelt
- Emotionaler Abschied für Halilhodzic
- „So etwas habe ich noch nie erlebt“
- Politik fordert harte Strafen
Das Saisonfinale des FC Nantes ist in einem völligen Chaos geendet. Beim Ligue-1-Spiel gegen den FC Toulouse kam es am Sonntagabend im Stade de La Beaujoire zu massiven Ausschreitungen und einem Platzsturm. Die Partie wurde schließlich endgültig abgebrochen. Bereits nach etwas mehr als 20 Minuten eskalierte die Situation. Vermummte Anhänger des bereits abgestiegenen Traditionsvereins durchbrachen die Absperrungen und stürmten in Richtung Spielfeld.
Dabei flogen Rauchbomben, Leuchtfackeln, Petarden und weitere Gegenstände auf den Rasen. Einige Chaoten sollen laut Berichten sogar mit Stangen bewaffnet gewesen sein.
Spieler flüchten in die Kabinen
Beim Stand von 0:0 schickte Schiedsrichterin Stéphanie Frappart beide Mannschaften sofort in die Kabinen. Spieler und Betreuer verbarrikadierten sich dort teilweise und warteten auf weitere Anweisungen. Polizei und Sicherheitskräfte rückten mit einem Großaufgebot an, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.
Rund hundert Fans wurden schließlich zurückgedrängt und unter Aufsicht der Bereitschaftspolizei wieder auf die Tribüne gebracht. Nach längerer Unterbrechung fiel schließlich die endgültige Entscheidung: Die Behörden ordneten aus Sicherheitsgründen den Spielabbruch an. Die Begegnung wurde nicht mehr fortgesetzt.
Nantes-Abstieg bereits besiegelt
Sportlich hatte die Partie für Nantes kaum noch Bedeutung. Der Klub stand bereits vor dem letzten Spieltag als Absteiger fest und muss kommende Saison in der Ligue 2 antreten. Mit lediglich 23 Punkten aus 33 Spielen beendet Nantes die Saison auf dem vorletzten Tabellenplatz.
Die abgebrochene Partie dürfte nun als Sieg für Toulouse gewertet werden. Für Nantes ändert sich dadurch allerdings nichts mehr an der sportlichen Situation. Die Ausschreitungen könnten jedoch juristische und finanzielle Folgen für den Verein nach sich ziehen.
Emotionaler Abschied für Halilhodzic
Besonders tragisch verlief der Abend für Trainer-Legende Vahid Halilhodzic. Für den 74-jährigen Bosnier war das Duell gegen Toulouse eigentlich das letzte Spiel seiner langen Trainerkarriere. Vor dem Anpfiff wurde Halilhodzic noch emotional verabschiedet. Spieler und Betreuer standen Spalier für den früheren Nantes-Star, der den Klub einst als Spieler zur Meisterschaft geführt hatte.
Als die Ausschreitungen begannen, versuchte der erfahrene Coach zunächst selbst, die Situation zu beruhigen. TV-Bilder zeigten, wie Halilhodzic in Richtung der Fans schrie und offenbar sogar direkt auf die Hooligans zugehen wollte. Mitarbeiter und Sicherheitskräfte hielten ihn schließlich zurück. Später saß der Trainer sichtbar aufgelöst und unter Tränen auf der Bank. „Ich hatte das Gefühl, die Welt stürzt über mir ein“, erklärte Halilhodzic später nach dem Spiel.
„So etwas habe ich noch nie erlebt“
Der frühere Trainer von Paris Saint-Germain, Lille, Japan, Marokko und Algerien zeigte zwar Verständnis für die Frustration der Fans, verurteilte die Gewalt jedoch scharf. „Ich verstehe die Enttäuschung, aber solche Taten sind nicht zu rechtfertigen“, sagte der 74-Jährige. Besonders bitter: Nach über 40 Jahren als Spieler und Trainer endet seine Karriere nun mit einem Spielabbruch und dramatischen Szenen. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, erklärte Halilhodzic tief bewegt.
Politik fordert harte Strafen
Die Ausschreitungen sorgten auch in der französischen Politik für heftige Reaktionen. Sportministerin Marina Ferrari verurteilte den Platzsturm scharf und sprach sich für harte Konsequenzen gegen die beteiligten Chaoten aus.