Oliver Polzer: Vom Turmspring-Meister zum EM-Final-Kommentator

Bis 2006 war über Jahrzehnte Robert Seeger für die Endspiele von WM- und EM-Turniere am ORF-Mikro gesetzt, seither wechseln sich Thomas König (2008 und 2010 sowie 2016 und 2018) und eben Oliver Polzer (2012 und 2014 sowie nun eben 2021) ab, wenn es um das Finale geht.

Man kann mit Fug und Recht behaupten: Beide haben nicht nur Fans unter den TV-Zusehern.

Wiener Meister im Turmspringen

Der 48-jährige Oliver Polzer, gebürtiger Wiener und Absolvent des Piaristen-Gymnasiums in der Josefstadt, ist seit Mitte der Neunziger beim ORF. Bei Olympia 2000 stieg er als Kommentator für Bogenschießen ein, 2002 kommentierte er seine ersten Fußball-WM-Spiele, seit 2006 ist er Haupt-Kommentator für den Herren-Ski-Weltcup.

Seine aktive Leidenschaft gehört dem Tennis und Polzer war auch zweifacher Wiener Stadt-Meister im Turmspringen. "Das Ein-Meter-Brett hab' ich beherrscht wie kein anderer in der Stadt", sagte er in einem Interview mit Daniel Kosak und Daniel Roßmann. Eine Karriere als Leistungssportler scheiterte an der Aussicht auf viel Training und wenig Gelegenheit, sich als Teenager auszuleben.

Allgegenwärtige Kritik

Das Finale ist Polzers zehntes Spiel bei dieser EM - kein ORF-Kommentator war so oft im Einsatz (9x König, je 7x Kastner-Jirka, Bacher und Wolff, 6x Roscher, 3x Lallitsch und 2x Warmuth). Während die weniger oft eingesetzten Kommentatoren wie Dietmar Wolff vor allem im Gespann mit Helge Payer und Roman Mählich für launige, aber unaufdringliche Begleitung der Spiele gesorgt haben, polarisiert Polzer ungemein.

Der für seine Verrisse bekannte Kurier-Kolumnist Guido Tartarotti beschrieb Polzer jüngst so: "Schaut man sich ein Fußballspiel mit Oliver Polzer an, dann tritt das Spiel in den Hintergrund, weil Polzer in den Vordergrund tritt. Polzer schreit, Polzer heult, Polzer plärrt, Polzer jodelt. Polzer polzert, als hätte er Hornissen in der Unterhose."

Mit Kritik geht Polzer gelassen um, sofern sie nicht unter die Gürtellinie zielt, wie er sagt: "Polarisieren wird ein Sport-Kommentator immer, das ist auch gut so. Aber: Ich leg's nicht darauf an."

Pendeln zwischen Vorarlberg und Wien

Polzer ist seit anderthalb Jahren auch Quizshow-Moderator lebt mit seiner Frau - der "Vorarlberg Heute"-Moderatorin Kerstin Polzer - und den zwei Kindern in Vorarlberg und pendelt viel. "Wenn man mir die Fotos von allen Schaffnern zeigt, die im RailJet zwischen Vorarlberg und Wien hin- und herfahren, kann ich die Namen sagen und auch die Dienstzeiten", grinst Polzer.

Und wenn man sich das Finale keinesfalls mit ihm ansehen will? Dann kann man immer noch auf das ZDF umschalten, wo Oliver Schmidt und Sandro Wagner kommentieren werden. Oder man schaltet auf die andere ORF-Tonoption...

Autor: Philipp Eitzinger, 09.07.2021